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Kaulbachplatz wartet auf schönere Zeiten

Anwohnerin hat die Pflanzung eines „Baums der Menschenrechte“ initiiert - 18.04.2013 07:59 Uhr

Ein unattraktives Gesicht mit nur einer Bank und einer ungepflegten Miniwiese hat der Kaulbachplatz, wo am Rand weiter Recyclingcontainer stehen. © Stefan Hippel


Eine Schönheit war der Kaulbachplatz nie. Er galt als „Westentaschenpark“ mit ein paar Sträuchern und Bäumen plus einem wenig gepflegten Rasenstück, das mehr als Hundeklo diente. Trotzdem waren die Nordstädter froh, als Ende 2011 der U-Bahnhof „Kaulbachplatz“ eingeweiht wurde und nach über vier Jahren die Baufahrzeuge abrückten.

Auffällig war: Im Umfeld des runden U-Bahnzugangs hat man den Straßenraum aufwendig verschmälert und Parkbuchten angelegt, doch für das Aufmöbeln des Platzes war kein Geld im Budget. Die Stadt hat nur den Urzustand hergestellt und gerade eine einzige Bank (nebst Abfalleimer) montiert, die aussieht, als sei sie aus einem hinteren Winkel des Depots geholt worden.

Damit wollte sich Sabina Günther nicht abfinden. „Die Stadt wird verschandelt und es gibt immer weniger Grün“, kritisiert die 46-jährige Nordstädterin mit Blick auf das Bild nicht nur vor ihrer Haustüre, sondern in ganz Nürnberg. Auf der Suche nach einem Ansatz zur Verbesserung war ihr der Flyer der 2007 gestarteten Aktion „Bäume für die Menschenrechte“ in die Hände gefallen. Über Umwege erfuhr sie, dass nicht mehr Initiator Lienhard Barz, sondern Thomas Müller vom Amt für Kultur- und Freizeit (Kuf) das Projekt betreut.

Viel hübscher wirkt nebenan die bepflanzte Baumscheibe des „Grünen Ladens“. © Jo Seuss


Obwohl das Konzept Ende 2008 mit dem 60. Ginkgo abgeschlossen war, sind noch ein paar dazugekommen. Laut Kuf sind es derzeit 75, wenn man die vier „Symbole der Lebenskraft“ dazuzählt, die am 21. März beim Mahnmal der NSU-Opfer am Frauentorgraben eingepflanzt wurden. (Und am 27. April kommt vor der Jugendherberge schon die Nummer 77 dazu.)

Durch Spenden von Anwohnern und Geschäftsleuten hat Günther am Kaulbachplatz rund 1000 Euro gesammelt. Damit sind die Kosten gedeckt für Baum und Findling, auf dem der Artikel 3 der Menschenrechtserklärung („Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“) in zwei Sprachen geschrieben stehen wird.

Für Günther, die sich als „Einzelkämpferin“ sieht, ist der Baum „ein Zeichen für eine lebenswertere Stadt“. Sie hofft wie viele Anwohner auf einen Impuls, der weitere Verbesserungen auslöst. Auf ihrem Wunschzettel stehen zwei Bänke von der attraktiven Art, wie sie neuerdings zwei Ecken weiter en masse im Archivpark stehen. Dass dort ein dicker Batzen Geld für eine Mauer ausgegeben wurde, bringt sie auf die Palme. Eine konzertierte Anliegeraktion wie in den 80er Jahren nebenan am Kobergerplatz würde Günther freuen.

Noch mehr Paten gesucht

Unterstützung gibt es bereits vom Vorstadtverein Nord, wo man die Notwendigkeit sieht, „bestehende Anlagen allen Bürgern zu öffnen“, so Vorsitzender Tobias Schmidt. Dazu würde in einer älter werdenden Gesellschaft insbesondere Sitzgelegenheiten in kleinen Grünanlagen gehören. „Gemeinsam mit der Stadt“ will Schmidt dafür sorgen, dass sich noch mehr Anwohner um das Grün vor der

Haustüre kümmern — etwa durch eine Baumpatenschaft. Günther hofft dabei auf ein Umdenken beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör), was den Umgang mit urbanen Grünaktionen angeht, wie dem wilden Bepflanzen von öden Baumscheiben.

Für Schmidt könnten 13.000 Euro, die die Stadt beim gestrichenen Hundespielplatz eingespart hat, ein Grundstock für neue Schritte am Kaulbachplatz sein. Dort sind derzeit „keine weiteren grüngestalterischen Maßnahmen geplant“, so Sör-Werkleiter Marco Daume. Auch Günthers Wunsch, dass die grauen Altglascontainer, die viele als Schandfleck empfinden, verlegt werden, gilt als unerfüllbar, weil kein Ersatzstandort gefunden worden sei.

Wenig einladend zum Verweilen präsentiert sich bisher der Kaulbachplatz. © Jo Seuss


Günther will trotzdem weiterkämpfen. Auch wenn es Leute vor Ort gibt, die aus Angst vor Vandalismus und nächtlichem Lärm den Platz lieber so lassen würden, wie er ist. Dass es viel schöner geht, haben nebenan die Betreiberinnen vom „Grünen Laden“ längst gezeigt: Ihre Baumscheibe ist mit bunten Blumen und einer runden Hecke bepflanzt, umgeben von bunten, filigranen Stühlen und Tischen — eine Schau!




  

JO SEUSS

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