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Kein Lasertag-Verbot für Kinder: Gibt es Folgen für Nürnberg?

In einem Fall in Ingolstadt müssen die Behörden noch einmal genau hinsehen - 22.03.2019 05:52 Uhr

Für Jugendliche bedeutet Lasertag vor allem Action und jede Menge Spaß. Geteilte Meinungen herrschen dagegen darüber, ab wie vielen Jahren sich Kontrahenten messen dürfen. © Foto: Andy King/Getty Images for Bowlero/AFP


Ein pauschales Zutrittsverbot für Kinder unter 14 Jahren, das das Ingolstädter Jugendamt gegenüber einem Betreiber aus Jugendschutzgründen verhängt hatte, ist vom Tisch. Bereits während der Verhandlung am Mittwoch hatten die Richter durchblicken lassen, dass sie den Bescheid ablehnen würden - aus formalen Gründen.

So entschieden sie dann auch, wie ein Sprecher mitteilte. Das Jugendamt hätte nur gegen konkrete Spiele vorgehen und nicht allgemein den Zugang für bestimmte Altersgruppen untersagen dürfen. Die Behörde müsse vielmehr die Spiele und Spielregeln prüfen und konkrete Einzelfälle bewerten, um mögliche Gefahren für Kinder und Jugendliche abzuwenden. Beim Lasertag treten zumeist zwei Teams gegeneinander an. Ziel ist es, mit dem Laserstrahl Sensoren auf speziellen Westen zu treffen, die die Spieler tragen.

Der Kläger hatte der Stadt Ingolstadt am Mittwoch zugesichert, binnen einer Woche Darstellungen der einzelnen Spiele zur Prüfung vorzulegen. Laut dem Landesjugendamt gibt es keine spezielle gesetzliche Regelung zu Lasertag im Jugendschutzgesetz. Die Behörden können den Gewerbebetrieben aber Anordnungen zu Altersbegrenzungen erteilen, wenn sie das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern oder Jugendlichen in Gefahr sehen.

 

Welche Auswirkungen das Urteil auf andere Städte hat, ist unklar. Das Jugendamt Nürnberg war für eine Stellungsnahme am Donnerstag nicht erreichbar. Fest steht, dass die Behörden angehalten sind, sich die einzelnen Spielmodi anzusehen, wie Martin Friedrich, der Sprecher des Verwaltungsgerichts München, auf Anfrage erklärt. Doch auch danach liegt es bei ihnen, ob sie Kindern unter 14 Jahren den Zugang ermöglichen oder nicht.

Sebastian Kürzinger, Geschäftsführer des Anbieters Snap-Lasertag in der Tafelfeldstraße, nimmt das Urteil relativ gleichgültig auf. Er habe sich mit den Vorgaben der Stadt Nürnberg längst arrangiert. Dass Kinder unter 14 Jahren nicht zum Phaser greifen dürfen, mit dem man andere Spieler markiert, habe nicht nur Nachteile. Schließlich spielt für ihn auch eine Rolle, wie sorgsam die Akteure mit seiner Ausrüstung umgehen.

Voller Adrenalin

Die nämlich lassen sich gerne in den Bann ziehen, wie der 15-Jährige Norbert Kania aus eigener Erfahrung weiß: "Als ich Lasertag gespielt habe, hatte ich kein Raum- und Zeitgefühl mehr, weil ich so mit Adrenalin vollgepumpt war. Für mich ist es ein Ego- und Teamspiel zugleich." Lasertag einzuschränken, diverse Ballerspiele aber fast frei zugänglich zu lassen, hält er für wenig sinnvoll.

Auch Fiona Walter, die mit 15 erstmals Lasertag spielte, macht sich ihre Gedanken: "Die Kombination aus Sport, Spaß und Spannung haben mich überzeugt", sagt die heute 18-Jährige. "Auf mich hat es nicht den Eindruck gemacht, dass es gewaltverherrlichend ist. Vielmehr spielt man als Team zusammen und hilft dem anderen, wenn er vom Gegner umzingelt ist. Außerdem wird bei Lasertag nur mit Licht ,geschossen‘ und nicht wie zum Beispiel bei Paintball mit echten Farbpatronen."

Vorgaben verschärft

In Nürnberg hatte es zunächst keine Altersbeschränkung gegeben. 2017 wurde auch die Möglichkeit, dass Kinder ab zwölf Jahren in Begleitung Erwachsener spielen, gestrichen. Eine Entscheidung, die die 17 Jahre alte und Lasertag-begeisterte Pauline Storz aus Schwanstetten nach wie vor für richtig hält, "da man unterschätzen kann, dass das Spiel auch sehr realitätsnah ist".

Zwar bietet der ActionPark in Sündersbühl Mini-Lasertag für Kinder ab zehn Jahren an. Der Name ist allerdings leicht irreführend, da für dieses Spiel altersgerechte Vorgaben herrschen, die mit dem "großen" Lasertag kaum vergleichbar sind. 

Johannes Handl Lokalredaktion E-Mail

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