Kein Nationalpark Steigerwald

12.7.2011, 18:56 Uhr
Luftaufnahme des herbstlich bunten und dicht bewachsenen Steigerwaldes bei Böhlgrund. Die Staatsregierung entschied sich gegen die Gründung eines Nationalparkes.

© dpa Luftaufnahme des herbstlich bunten und dicht bewachsenen Steigerwaldes bei Böhlgrund. Die Staatsregierung entschied sich gegen die Gründung eines Nationalparkes.

Nach jahrelangem Streit mit Naturschützern hat sich die Staatsregierung endgültig gegen die Ausweisung eines neuen Nationalparks in Nordbayern entschieden. Anstelle eines Nationalparks soll es im Steigerwald ein „Zentrum Nachhaltigkeit Wald“ geben, das bereits im Jahr 2013 seine Pforten für die Besucher öffnen soll. Der Bund Naturschutz (BN) und Teile der Landtagsopposition bedauerten die Entscheidung der Staatsregierung; die Entscheidung sei eine „verpasste Chance“, betonte der BN. Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) erklärte am Dienstag nach der Kabinettssitzung, Agrarminister Helmut Brunner (CSU) werde „zeitnah“ entscheiden, wo das Zentrum gebaut wird.

Grund für das Nein zum Nationalpark Steigerwald ist der Widerstand vor Ort: „Es gibt keine großflächigen Unterschutzstellungen von Wäldern gegen den erklärten Willen der Bevölkerung vor Ort“, sagte Huber. Der BN bezweifelt unterdessen, dass sich die Staatsregierung damit zugleich vom Konzept eines Unesco-Weltnaturerbes verabschiedet hat. In diesem Fall würde der Freistaat eine Riesenchancen vergeben, sagte BN-Landesbeauftragter Richard Mergner der Nachrichtenagentur dpa. Das „Nein“ zum Nationalpark habe anscheinend rein politische Gründe. Die Landesregierungen in Hessen und Thüringen seien froh, dass ihre Buchenwälder das Prädikat „Weltnaturerbe“ erhalten sollen, sagte Mergner.

Kritik von den Grünen

Auf Kritik stieß des Entscheidung der Staatsregierung auch bei den Grünen. „Die Entscheidung, die Realisierung des Nachhaltigkeits- Zentrums im Steigerwald voran zu treiben, ist keine gute Entscheidung für den Schutz der Natur in Bayern“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Christian Magerl, laut Mitteilung. Bei diesem Zentrum liege der Schwerpunkt auf der Nutzung des Waldes und nicht auf dessen Schutz. Stattdessen spricht sich die Umweltpartei für eine Förderung des vom Bamberger Landrat Günther Denzler (CSU) favorisierten Modells eines „Hauses der Buchen“ in der Region aus.

Denzler sieht in der Ministerratsentscheidung ebenso wie die Landtags-SPD keineswegs ein Aus für eine Unterschutzstellung der bis zu 300 Jahre alten Buchenwälder. Die Landesregierung bewege sich in „Trippelschritten“ zum Nationalpark Steigerwald, heißt es in einer SPD-Mitteilung. Denzler betonte: „Der Nationalpark ist seit langem kein Thema mehr. Das ist derzeit nicht durchführbar. Unser Ziel ist vielmehr die Ausweisung als Unesco-Weltnaturerbe. Und das ist durch den Kabinettsbeschluss keineswegs ausgeschlossen“.

Nationalpark zum Schutz der Buchen

Naturschützer fordern seit Jahren einen Nationalpark in Franken, um die jahrhundertealten Buchen im Steigerwald zu schützen. Europaweit gebe es keine vergleichbaren Buchenbestände. Sie seien die Reste der Wälder, die einst ganz Deutschland bedeckten. Huber betonte dagegen, der Steigerwald sei keineswegs Urwald, sondern das Ergebnis langer menschlicher Aktivität: „Der Steigerwald ist eine Kulturlandschaft, die nur so ist, wie sie ist, weil sie seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet wird.“ Das geplante Informationszentrum soll einerseits den Tourismus fördern, andererseits der Fortbildung dienen und eine überregionale Attraktion werden.

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