Kein Notplan: VAG erklärt Streik-Stillstand am Freitag in Nürnberg

8.10.2020, 16:22 Uhr
Zehntausende nutzen die Nürnberger U-Bahn, Tag für Tag.

Zehntausende nutzen die Nürnberger U-Bahn, Tag für Tag. © Mark Johnston

Die Busse werden in ihren Depots bleiben, die U-Bahnen ausfallen, auch auf Nürnbergs Tram-Linien geht nichts. Der Stadt und ihren Pendlern droht am kommenden Freitag der komplette Streik-Stillstand. Die Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) hat angekündigt, bis mindestens 14 Uhr keine Fahrten anzubieten. "Die Gewerkschaften lassen der VAG in einer angespannten Lage keine andere Möglichkeit, als das Angebot während des Warnstreiks komplett einzustellen", sagt der Vorstandsvorsitzende Josef Hasler.


Streik-Chaos in Nürnberg: U-Bahnen und Trams stehen still


Bei einem Warnstreik vergangene Woche setzte die VAG noch auf einen Notfahrplan. Busse fuhren entlang des Nachtliniennetzes, um zumindest eine Grundversorgung sicherzustellen. Doch die Idee scheiterte am dichten Verkehr in der Stadt. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus, das Netz kollabierte.

"Schutz von Mitarbeitern und Fahrgästen hat Priorität"

Auch die Pandemie spielt dabei eine Rolle. "Die Busse im Notnetz können beim Platzangebot keinen adäquaten Ersatz für das Regelangebot bieten", teilt die VAG mit. Dichtes Gedränge wolle man verhindern, so die Betriebe. Der Vorstandsvorsitzende Hasler sagt: "Der Schutz der Mitarbeiter und der Fahrgäste hat oberste Priorität." Stattdessen verweist die VAG auf das Leihsystem VAG_Rad, das auch während der Streiks nutzbar ist. Wann sich die Lage normalisiert, bleibt unklar. Die Nürnberger Verkehrsbetriebe rechnen jedoch mit Folgeverzögerungen bis tief in den Nachmittag hinein.

Von den Ausständen werden neben Nürnberg auch Fürth, Erlangen, Schweinfurt und Regensburg betroffen sein - Verdi konzentriert sich also auf die größeren Städte in Nordbayern. Die Erlanger Stadtwerke kündigten bereits an, ihre Busse im Stundentakt fahren zu lassen - trotz Streik. Auch die Fürther Infra erhält einen eingeschränkten Betrieb aufrecht: Busse verkehren im Halbstundentakt, orientiert am Nightliner-Netz. Soweit personell möglich, soll es einige zusätzliche Fahrten geben, um die Folgen für Schüler abzufedern.

Anderswo in Franken seien keine Streiks geplant, bestätigt Verdi auf Anfrage der Nürnberger Nachrichten. "Wir haben nur in diesen Städten dazu aufgerufen", sagt Kai Winkler von der Gewerkschaft. Wilde Streiks seien zwar immer möglich, "das habe ich in unserem Land aber noch nicht erlebt". Auch die Nürnberger S-Bahn ist ausgenommen. "Die Mitarbeiter haben dort einen Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn."

Grund für die Streiks ist ein Tarif-Flickenteppich. Bislang werden die Tarifverträge in allen 16 Bundesländern einzeln ausgehandelt, Verdi will genau das ändern - und drängt auf ein einheitliches Werk für die 87.000 Beschäftigen im Nahverkehr. Der Handlungsdruck, sagt die Gewerkschaft, ist hoch, die Angestellten sind hohen Belastungen ausgesetzt. "Oft bleibt nicht mal Zeit, um auf die Toilette zu gehen", sagt Kai Winkler von Verdi. Es geht um den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste. "Uns ist wichtig: wir wollen nicht die Fahrgäste bestreiken, sondern die Arbeitgeber."