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Kicken gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Eine gute Idee wird acht Jahre alt: Beim Kleinfeld-Fußballturnier der Evangelischen Jugend spielt man miteinander - 18.06.2013 13:00 Uhr

„Manche Mannschaften spielen ganz schmutzig, aber die Idee des Turniers gefällt mir“: Auch beim Fußballfest gegen Rassismus geht es vor allem darum, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. © Edgar Pfrogner


Pfarrer Kuno Hauck ist bester Laune. Wie durch ein Wunder hat sein Kirchenteam nach 0:3-Rückstand noch ein Remis gegen das favorisierte Politikteam um den immer topmotivierten Stadtrat Arif Tasdelen (SPD) erreichen können. Dabei ist das — vermutlich etwas scherzhaft so bezeichnete — „Promispiel“ von Lokalpolitikern und protestantischen Kirchenvertretern einmal mehr nur Beiwerk, wenn Hauck und seine Mitstreiter von der Evangelischen Jugend Nürnberg ihr jährliches „Fußballfest gegen Rassismus“ ausrichten.

Bereits zum neunten Mal wird im Nürnberger Osten gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gegen den Ball getreten. Die ursprüngliche Idee, so Hauck, entstand im Vorfeld des 2005 in Deutschland ausgetragenen Confederations Cup. Der Pfarrer wollte gemeinsam mit dem Jugendreferenten Burkhard Dlugosch und dem damaligen Sportreferenten Peter Reuter das auch in Nürnberg ausgebrochene Fußballfieber nutzen, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen: „Uns war wichtig, dass das Thema Rassismus im Sport ernst genommen und als Problem wahrgenommen wird.“

Statt tadelnd den Zeigefinger zu heben, organisierte die Evangelische Jugend Nürnberg lieber ein Kleinfeldturnier für junge Freizeitteams, um einen „positiven Anreiz“ zu setzen. Natürlich geht es um den Spaß am Spiel, aber jeder Teilnehmer muss vorab die „Selbstverpflichtung gegen Rassismus“ unterschreiben. „Diese Erklärung hat überregional Beachtung gefunden“, freut sich Hauck, und verweist auf die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises seitens des DFB im Jahr 2007.

Der Pfarrer spricht das Bewusstsein für die Problematik aber auch im Kleinen an und erzählt von einem Gespräch mit einem jungen Fußballer, der ihn fragte: „Wenn ich als Türke zu einem anderen Türken sage: ,Du Scheißtürke‘, ist das dann Rassismus?“ Die Auseinandersetzung der jungen Kicker mit dem Thema Rassismus ist Haucks Ziel.

Die Sportvereinigung hilft

Das Teilnehmerfeld des Turniers wird übrigens von Jahr zu Jahr bunter, wie Daniela Flachenecker, die Sportreferentin der evangelischen Jugend, betont. War 2005 der aus Eritreern und Äthiopiern bestehende FC Walia noch so etwas wie die exotische Mannschaft, tritt laut Kuno Hauck dieses Jahr zum ersten Mal kein rein deutsches Team an. Die Diversität ist durchaus gewünscht, wie Flachenecker herausstreicht. „Hier bringt man möglichst viele Nationen und Religionen auf den Platz.“ Gerade die Teilnahme von Flüchtlings-Wohngemeinschaften wird von den Veranstaltern um Hauck gefördert: „Es ist wichtig, dass die auch als gleichwertige Gegner wahrgenommen werden.“

Einer, der mit seinem Team zum ersten Mal teilnimmt, ist Sadik Jama, der seit zwei Jahren in einem Nürnberger Flüchtlingsheim lebt. „Unsere Betreuer haben uns gefragt, ob wir Lust haben, hier mitzuspielen. Wir würden gerne häufiger Fußball spielen, aber wir haben leider keinen Platz dafür.“ In seiner Heimat hat der Somalier sieben Jahre lang Fußball gespielt, jetzt kann er auf dem Kleinfeld seine Dribbelkünste zeigen.

Zum ersten Mal findet das Turnier übrigens nicht am Mögeldorfer Haus der Gemeinde statt, sondern auf dem Gelände der Sportvereinigung Mögeldorf 2000, die zwei tadellose Kleinfeldplätze kostenfrei zur Verfügung stellt. „Wir fühlen uns wirklich willkommen hier“, stellt Hauck zufrieden fest.

Auch mehrere der Schiedsrichter kommen von Mögeldorf 2000, und glaubt man Octavian Suciu, einem rumänischen Teilnehmer, sind diese auch nötig: „Manche Mannschaften spielen ganz schmutzig, aber die Idee des Turniers gefällt mir.“ Grundsätzlich geht es aber sehr fair auf dem Rasen zu und Kuno Hauck und seine Mitorganisatoren freuen sich schon auf das zehnjährige Jubiläum im kommenden Jahr. Arif Tasdelen indes trainiert sicher schon für das nächste Promispiel.

VON ANDREAS KIRCHMAYER

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