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Kita mit Streichelzoo in jeder Firma

„Jugend denkt Zukunft“: Schüler stellten ihre Visionen für die Arbeitswelt 2030 vor - 13.02.2015 19:30 Uhr

Christine Bruchmann, Vizepräsidentin der IHK. © Foto: Stefan Hippel


Im Jahr 2030, so stellen es sich die Schüler vor, gehen die Menschen erst mit 73 in Rente. Das ist aber keine Horrorvision. Denn die Unternehmen sehen anders aus als heute. Für die Älteren gibt es zum Beispiel ein Transportband mit Sitzgelegenheit, um in der Firma bequem von A nach B zu kommen.

Außerdem hat der Betrieb ein Sportzentrum, in dem die Mitarbeiter nach einem anstrengenden Tag Kraft tanken können. Kantinen mit Tiefgekühltem und Aufgewärmtem gehören der Vergangenheit an. Stattdessen stellt sich jeder Angestellte mit Hilfe eines Tablet-Computers sein individuelles Menü zusammen. So bleiben die Mitarbeiter länger gesund und können ohne Probleme länger arbeiten. Dank des gläsernen Firmengebäudes bekommen alle Büroräume genug Sonne ab. Apropos Sonne: Mit Solarzellen produziert das Unternehmen seinen Strom selbst. Für den Nachwuchs der Mitarbeiter steht eine Kita mit Streichelzoo zur Verfügung.

So sieht ein Teil der Zukunftsvision aus, die die Zehntklässler des Wilhelm-Löhe-Gymnasiums im Rahmen des Projekts „Jugend denkt Zukunft“ entwickelt haben. Kooperationspartner waren Industrie- und Handelskammer (IHK), die Nürnberger Fürst-Gruppe und der Fürther Sportartikelhersteller Uvex.

Fünf Tage lang versetzten sich die 23 Schüler in die Rolle von Unternehmern. Das beschriebene Firmengebäude ist ein Werk des von den Schülern erdachten Unternehmens „Intecture“, das innovative Innenarchitektur für Büros und Privaträume entwickelt. „Smart Innovation Service“, eine weitere fiktive Firma aus dem Jahr 2030, verkauft nach eigenen Angaben „kein Produkt, sondern ein Lebensgefühl“: so zum Beispiel das atmungsaktive „Smart Shirt“, das auch die Temperatur regulieren und seine Farbe verändern kann.

Die „Smart Glasses“ sind eine neuartige Brille, die als eine Art Handy-Ersatz mit etlichen Zusatzfunktionen dient: Mit ihnen kann man nicht nur im Internet surfen und seine Mails lesen, die Brille ist auch in der Lage, mittels elektromagnetischer Wellen die Gedanken ihres Trägers zu lesen. Eine Vorstellung, die auch Ängste weckt. An einen Tablet-PC angeschlossen, visualisiert dieser die Gedanken, ohne dass der Träger der Smart Glasses sie selbst in Worte fassen muss.

Das dritte Unternehmen, das die Schüler gegründet haben, heißt „Next Level Agentur“ und beschäftigt sich mit dem Schulsystem im Jahr 2030. Das wichtigste Prinzip: Schulen und Unternehmen werden zusammengeführt. Das heißt: Praxisbezug statt trockenem Frontalunterricht. Längere Praktika sollen schließlich direkt in ein festes Arbeitsverhältnis münden.

Mehr Bezug zur Praxis

Mehr Praxis in der Schule: Das ist auch das Ziel des Projekts. „Die Schüler haben ja normalerweise wenig Verbindung zur Arbeitswelt“, sagt Betreuungslehrerin Manuela Jungkunz, die sich von den kreativen Ideen ihrer Schüler beeindruckt zeigte.

Zunächst lernten die Gymnasiasten die Partnerfirmen des Projekts kennen. „Ich fand es spannend, in die Unternehmen reinzuschauen“, erzählt Schüler Jurij Münster. „Ich dachte immer, der Chef gibt die Anweisungen und ist unantastbar. Aber es war viel kollegialer.“

Dann entwickelten sie ihre Utopien für die Arbeitswelt der Zukunft, die sie nun in der IHK-Akademie in Nürnberg Unternehmern und Lehrern vorstellten. „Ich würde eure Konzepte gern alle umsetzen“, sagte Christine Bruchmann, IHK-Vizepräsidentin, Geschäftsführerin der Fürst-Gruppe und Förderin des Projekts. „Ich weiß nur nicht, wann ich es schaffe.“ 

PHILIPP DEMLING

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