Klettern im Café Kraft: "Das Gefühl kommt von allein"

9.12.2013, 11:24 Uhr
Florian hängt in der Wand - Tom Christina Gerhard und Babsi

Florian hängt in der Wand - Tom Christina Gerhard und Babsi "spotten" ihn: Fällt er, sorgen sie dafür, dass er auf den Füßen landet. © Horst Linke

Florian ist mit seinen Freunden gekommen. Mit Babsi und Christina, Tom und Gerhard. Wie so oft. Sonntags reist die Clique rund 100 Kilometer aus dem Landkreis Eichstätt an, um im „Cafe Kraft“ den Tag zu verbringen. Florian, 33 Jahre alt, ist zwar als Dachdecker alles andere als ein Büroschlaffi, aber er braucht das Bouldern, das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe, „zum Ausgleich“, wie er sagt. Und in der Gruppe macht das kräftezehrende Ganzkörpertraining gleich doppelt Spaß. Man kann sich gegenseitig motivieren und unterstützen.

Warum aber die weite Anreise nach Nürnberg? Der Grund ist simpel: „Die Touren hier sind ideal geschraubt“, sagt Florian. Das mag auch daran liegen, dass die Inhaber, die in diesem Jahr mit dem IHK-Gründerpreis ausgezeichnet wurden, selber leidenschaftlich klettern und ein Auge darauf haben, dass auch immer wieder neue Routen angelegt werden — zweimal in der Woche werden neue Touren „geschraubt“. Für Fortgeschrittene wie Florian, der schon seit 14 Jahren klettert, gibt es blaue oder schwarze Touren, bei denen man auch mal im Überhang klettert; die gelben sind für die Anfänger.

Michael Baumann ist Anfänger, hat aber auch schon erste Efolgserlebnisse.

Michael Baumann ist Anfänger, hat aber auch schon erste Efolgserlebnisse. © Horst Linke

Zu den Neulingen gehört beispielsweise Michael Baumann. Der 31-jährige Mechatroniker ist gestern erst das dritte Mal geklettert. Die Erfahrung, um die kein Anfänger herumkommt, kennt auch er: Die Kraft in den Fingern lässt schnell nach, manchmal schon nach einer halben Stunde. Und natürlich „spürt“ man die Muskeln anderntags. Sein Tipp für jene, die das Bouldern mal ausprobieren wollen: „Locker rangehen, nicht zu ehrgeizig sein, damit man den Spaß daran nicht verliert.“

Wie im Flow

Dann kann schnell passieren, was Simone Nitschke aus Erlangen erlebt hat: dass man vom Klettern „infiziert“ wird. Vor drei Jahren, da hat sie ein Freund mal „mitgenommen“, von da an konnte sie nicht mehr davon lassen. Wenn sie vom Klettern spricht, beschreibt sie letztlich ein Flow-Erlebnis: Die Anstrengung währenddessen nimmt sie gar nicht wahr. Sie ist allein auf ihr Ziel „fokussiert“, eine bestimmte Tour zu „schaffen“. Ist vertieft in das Austüfteln der besten Abfolge der Griffe und Tritte. Und freue sich, wenn sie nach zehnmaligem Scheitern den elften Versuch meistert.

Ihr Tipp für Anfänger: Am besten mit jemandem klettern, der schon Erfahrung hat. Dann nimmt man die ersten Hürden leichter. Kletterschuhe kann man sich leihen. „Und das Gefühl für das Klettern, das kommt dann von allein.“

Drei- bis viermal in der Woche trainiert die 32 Jahre alte Friseurin; manchmal nimmt sie auch ihre beiden Söhne mit, die neun Jahre alten Zwillinge Luca und Joshua, die zwar einen Tick lieber Fußball spielen, aber auch die Atmosphäre in der Kletterhalle mögen: Die laute Musik. Den Kreidegeruch. Die vielen Matratzen, die dafür sorgen, dass es nicht wehtut, wenn man abstürzt. Was Nitschke am „Café Kraft“ schätzt: Es ist mit seinen vielen Ecken und unterschiedlichen Ebenen nicht nur abwechslungsreich. Außerdem ist es gemütlich: Sofas laden zum Verschnaufen ein.

Wer mag, stärkt sich im Gastrobereich. Wer indes noch nicht genug an Bewegung hatte, geht in den Yogaraum und sorgt dort für Ausgleich: Hier kann man die beim Bouldern beanspruchten Muskeln dehnen und entspannen.
 

Die Zwillinge Luca und Joshua klettern kopfüber.

Die Zwillinge Luca und Joshua klettern kopfüber. © Horst Linke

Café Kraft, Gebertstr. 9, 90411 Nürnberg. Öffnungszeiten von 9 bis 23 Uhr (Ausnahmen: Montags, mittwochs und freitags wird die Halle erst um 11 Uhr geöffnet). Eintritt: Erwachsene zahlen 9 Euro und Kinder 5 Euro, die Leihschuhe kosten 3 Euro. Infos im Netz: www.cafekraft.de
 

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