Sonntag, 16.05.2021

|

zum Thema

Klimastreik in Nürnberg: Scharfe Kritik an E-Autos

In der Stadt demonstrierten 1200 Menschen für eine Verkehrswende - 19.03.2021 17:55 Uhr

Nach Polizeiangaben versammelten sich 1200 Teilnehmer auf dem Kornmarkt zum Klimastreik.

19.03.2021 © NNZ


Clea Braun und Babett Hadnizel von dem vor drei Monaten in Nürnberg gegründeten Bündnis „Students for Future“ machen zum Beispiel deutlich, dass eine „Antriebswende“ nicht ausreichend sei, um die Klimaziele zu erreichen, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt habe. Zwar werde CO2 eingespart, wenn E-Autos auf den Straßen unterwegs sind – aber nicht genügend.

"E-Autos schlechter als ihr Ruf"

Zudem seien elektrisch betriebene Autos schlechter als ihr Ruf, weil bei der Batterieherstellung die Umwelt stark belastet werde. Die Gewinnung des Rohstoffes Lithium in Südamerika ruiniere dort die Ökosysteme und sei für die Menschen, die dort leben, verheerend, weil er ihre Lebensgrundlagen zerstöre.

Forderung nach Systemwechsel

Auch Lena vom Aktionsbündnis „Ende Gelände“ bezeichnet E-Autos als „Scheinlösung“ und erteilt Vorstellungen von einem grünen Wachstum eine Absage – es sei ein grundsätzlicher Systemwechsel gefragt. Sie ruft die Demonstranten dazu auf, gegen die für September in München geplante Internationale Automobil-Ausstellung zu protestieren, denn dabei handle es sich um eine „obszöne Glitzermesse“.

Bilderstrecke zum Thema

Klimagerechtigkeit, Verkehrswende und Feminismus: Weltweite Demos von Fridays for Future

Weltweit gehen Menschen im Zuge der Bewegung Fridays for Future auf die Straße und demonstrieren. Ihr Anliegen: Klimagerechtigkeit, Verkehrswende, Feminismus und Systemwandel. Auch in vielen deutschen Städten wird bei Kundgebungen darauf aufmerksam gemacht, unter anderem in München, Berlin, Leipzig, Hamburg und Köln.



Clemens Häusler von „Fridays for Future“ greift das Motto des Klimastreiks auf, das „No more empty promises“ lautet. Genau eben solche leeren Versprechungen mache die Bundesregierung, wenn sie klimapolitisch immer nur auf Sicht fahre: „Das ist falsch und fahrlässig.“ Damit werde man das im Pariser Klimaabkommen festgehaltene Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, nicht erreichen.

Fahrradtour zum Frankenschnellweg

Die Demonstranten radelten nach der Kundgebung auf dem Kornmarkt in Richtung Frankenschnellweg.

19.03.2021 © NNZ


Der Kundgebung, die nach unfreiwilliger Corona-Pause die erste in diesem Jahr ist, schließt sich eine gemeinsame Fahrradtour Richtung Frankenschnellweg an, dessen kreuzungsfreien Ausbau die Demonstranten für ein „Projekt des letzten Jahrtausends“ halten, das mit einer progressiven Verkehrspolitik nicht vereinbar sei.


Autofreie Königstraße

Bereits vor der Kundgebung haben „Fridays for Future“ und die Umweltschutzbewegung „Extinction Rebellion“ mit einer Aktion an der Königstraße „Begegnungsplätze statt Parkplätze“ gefordert. Es geht um Anregungen, wie der öffentliche Raum sinnvoller genutzt werden könnte als für parkende Autos – zum Beispiel zum Tischtennisspielen. Man habe eigens eine Runde statt einer eckigen Platte mitgebracht, um deutlich zu machen, dass man aus altbekannten Denkmustern ausbrechen müsse, sagt Eva Schreiner von „Fridays for Future“.

Kultur, Bänke, Grün

Auch Nasser Ahmed greift zum Schläger. Bei dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Rathaus stoßen die Aktivisten mit ihren Forderungen auf offene Türen, denn die Genossen möchten die Königstraße noch in diesem Jahr zur Fußgängerzone machen. Er sei zuversichtlich, dass man mit der CSU in diesem Punkt Einigung erzielen könne.

Bilderstrecke zum Thema

Eine Nacht im Klimacamp Nürnberg

Seit 3. September harren die Aktivisten im Klimacamp Nürnberg aus und fordern ein radikales Umdenken in der Umweltpolitik. Inzwischen trotzen sie rund um die Uhr auch eisigen Minusgraden. Wir haben in einer der kältesten Nächte Impressionen gesammelt.


Zudem benötige die Königstraße eine neue Gestaltung, findet seine Fraktionskollegin Christine Kayser. „Wir brauchen Spielpunkte, mehr Grün und Bänke“, sagt die SPD-Planungsexpertin. Michael Ziegler, bei den Genossen für Kultur zuständig, schlägt vor, leer stehende Läden in der Innenstadt kulturell zu nutzen. In der Innenstadt müsse es um mehr gehen als nur ums Einkaufen, findet auch Kayser.

Marco Puschner

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg, Nürnberg