Klimastreik in Nürnberg: Scharfe Kritik an E-Autos

19.3.2021, 17:55 Uhr
Nach Polizeiangaben versammelten sich 1200 Teilnehmer auf dem Kornmarkt zum Klimastreik.

Nach Polizeiangaben versammelten sich 1200 Teilnehmer auf dem Kornmarkt zum Klimastreik. © NNZ

Clea Braun und Babett Hadnizel von dem vor drei Monaten in Nürnberg gegründeten Bündnis „Students for Future“ machen zum Beispiel deutlich, dass eine „Antriebswende“ nicht ausreichend sei, um die Klimaziele zu erreichen, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt habe. Zwar werde CO2 eingespart, wenn E-Autos auf den Straßen unterwegs sind – aber nicht genügend.

"E-Autos schlechter als ihr Ruf"

Zudem seien elektrisch betriebene Autos schlechter als ihr Ruf, weil bei der Batterieherstellung die Umwelt stark belastet werde. Die Gewinnung des Rohstoffes Lithium in Südamerika ruiniere dort die Ökosysteme und sei für die Menschen, die dort leben, verheerend, weil er ihre Lebensgrundlagen zerstöre.

Forderung nach Systemwechsel

Auch Lena vom Aktionsbündnis „Ende Gelände“ bezeichnet E-Autos als „Scheinlösung“ und erteilt Vorstellungen von einem grünen Wachstum eine Absage – es sei ein grundsätzlicher Systemwechsel gefragt. Sie ruft die Demonstranten dazu auf, gegen die für September in München geplante Internationale Automobil-Ausstellung zu protestieren, denn dabei handle es sich um eine „obszöne Glitzermesse“.


Clemens Häusler von „Fridays for Future“ greift das Motto des Klimastreiks auf, das „No more empty promises“ lautet. Genau eben solche leeren Versprechungen mache die Bundesregierung, wenn sie klimapolitisch immer nur auf Sicht fahre: „Das ist falsch und fahrlässig.“ Damit werde man das im Pariser Klimaabkommen festgehaltene Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, nicht erreichen.

Fahrradtour zum Frankenschnellweg

Die Demonstranten radelten nach der Kundgebung auf dem Kornmarkt in Richtung Frankenschnellweg.

Die Demonstranten radelten nach der Kundgebung auf dem Kornmarkt in Richtung Frankenschnellweg. © NNZ

Der Kundgebung, die nach unfreiwilliger Corona-Pause die erste in diesem Jahr ist, schließt sich eine gemeinsame Fahrradtour Richtung Frankenschnellweg an, dessen kreuzungsfreien Ausbau die Demonstranten für ein „Projekt des letzten Jahrtausends“ halten, das mit einer progressiven Verkehrspolitik nicht vereinbar sei.


Autofreie Königstraße

Bereits vor der Kundgebung haben „Fridays for Future“ und die Umweltschutzbewegung „Extinction Rebellion“ mit einer Aktion an der Königstraße „Begegnungsplätze statt Parkplätze“ gefordert. Es geht um Anregungen, wie der öffentliche Raum sinnvoller genutzt werden könnte als für parkende Autos – zum Beispiel zum Tischtennisspielen. Man habe eigens eine Runde statt einer eckigen Platte mitgebracht, um deutlich zu machen, dass man aus altbekannten Denkmustern ausbrechen müsse, sagt Eva Schreiner von „Fridays for Future“.

Kultur, Bänke, Grün

Auch Nasser Ahmed greift zum Schläger. Bei dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Rathaus stoßen die Aktivisten mit ihren Forderungen auf offene Türen, denn die Genossen möchten die Königstraße noch in diesem Jahr zur Fußgängerzone machen. Er sei zuversichtlich, dass man mit der CSU in diesem Punkt Einigung erzielen könne.

Zudem benötige die Königstraße eine neue Gestaltung, findet seine Fraktionskollegin Christine Kayser. „Wir brauchen Spielpunkte, mehr Grün und Bänke“, sagt die SPD-Planungsexpertin. Michael Ziegler, bei den Genossen für Kultur zuständig, schlägt vor, leer stehende Läden in der Innenstadt kulturell zu nutzen. In der Innenstadt müsse es um mehr gehen als nur ums Einkaufen, findet auch Kayser.

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