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Kokain-Skandal: Nürnberger Faschingsprinz in U-Haft

Karnevalisten reagieren entsetzt - Bei Polizeikontrolle aufgefallen - 16.01.2017 16:20 Uhr

Schock für Nürnbergs Narren: Der Prinz Oliver der I. (37) sitzt in Untersuchungshaft. © Roland Fengler


Nein, Sonntagabend ahnten die meisten noch nicht, warum die amtierende Nürnberger Karnevalsprinzessin ohne ihren Prinzen bei der Veranstaltung der "Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval" auftrat. Gute Miene machte sie jedenfalls auf der Bühne, wurde Innenminister Joachim Hermann doch der berüchtigte Neidhammel-Orden verliehen. Was mag der Prinzessin durch den Kopf gegangen sein, als Vorgänger Günther Beckstein den amtierenden Innenminister mit den Worten "Innere Sicherheit hat einen Namen: Joachim Herrmann!" pries und über die niedrige Kriminalitäts- und hohe hohe Aufklärungsrate im Freistaat schwadronierte?

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"Neidhammel" für Herrmann: Innenminister erhält Faschingsorden

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erhielt am Sonntag den Nürnberger Faschingsorden "Wider die Neidhammel". Der Faschingsverein "Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval" würdigte damit unter anderem Herrmanns "unablässigen Einsatz für seine Heimat und die innere Sicherheit". Die Laudatio auf Herrmann hielt Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein.


Schon länger im Fokus gestanden

Denn Prinz Oliver I. saß am Sonntag schon in Untersuchungshaft. Am Freitag wurde der 37-Jährige in Nürnberg festgenommen. Die Ermittler haben ihn laut Staatsanwaltschaft schon länger im Fokus. Das Karnevalsoberhaupt kam gerade von einer Reise aus Spanien zurück, als ihn Polizeibeamte auf einer Straße anhielten und seinen Wagen durchsuchten - und fündig wurden: ein halbes Kilo Kokain, das der zweifache Familienvater offenbar nach Deutschland schmuggeln wollte. Die Handschellen klickten, der Ermittlungsrichter sah Fluchtgefahr und ließ den Nürnberger in U-Haft bringen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, es gebe Hinweise darauf, dass der 37-Jährige bereits mehrfach Drogen geschmuggelt habe.

Die Karnevalisten müssen nun ohne ihren Prinzen feiern, denn bis zur Hauptverhandlung kommt er nicht mehr raus, so Oberstaatsanwältin Anita Traud. Auch danach sieht es für ihn düster aus. Ihm wird bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen, der Strafrahmen liegt bei mindestens fünf Jahren Haft.

Entsetzen bei Karnevalisten

Am Montag waren hochrangige Karnevalsvertreter erst einmal schockiert. "Ich erlebe gerade die Hölle, ich bin geplättet", stöhnt Angelika Wimmer, Vorsitzende des Festausschusses Nürnberger Fastnacht e.V. Das Telefon und ihr Handy stehen nicht still, die Medien reißen sich um einen O-Ton von ihr. Sie habe von der Festnahme selbst erst über die Medien erfahren.

Auf Facebook äußerte sich die Prinzengarde Nürnberg ebenfalls zu dem Fall.

Der Festausschuss Nürnberger Fastnacht hatte den Mann im November 2016 zum Faschingsprinzen, seine Ehefrau zur Faschingsprinzessin gekürt. Die Inthronisation der närrischen Hoheiten fand erst am 8. Januar statt. Das Motto des Paares für seine Regierungszeit: "Fürs Lustigsein gibt es kein Maß, es geht ganz einfach nur um Spaß." Der dürfte den Nürnberger Narren inzwischen vergangen sein.

Unklar war am Montag das weitere Vorgehen des Festausschusses. Um einen neuen Prinzen zu benennen, dafür sei es inzwischen zu spät, stellte Wimmer klar. Broschüren und Veranstaltungsprogramme mit den Namen und Konterfei des Prinzenpaars stünden kurz vor dem Andruck. Das Prinzenpaar sei bis zum Aschermittwoch ausgebucht, wie das jetzt funktionieren soll, sei ihr schleierhaft. "Da sind ja Verträge zu erfüllen", sagt sie. Aufgeben kommt für die Vorsitzende aber nicht infrage. "Wir müssen jetzt das Beste daraus machen."

 

Alexander Brock

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