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Kollegah in Nürnberg: Stadt verurteilt "unfassbare Provokation"

Rapper sorgt mit Texten für Kritik - Emma bezeichnet ihn als "Sexist Man Alive" - 03.12.2019 16:57 Uhr

Kollegah tritt am 12. Dezember nicht zum ersten Mal in Nürnberg auf. Selten gab es bereits im Vorfeld aber derart viel Kritik. © Foto: Matthias Balk/dpa


Kollegah ist erfolgreich, sehr erfolgreich. Auf Instagram hat der Rapper gut 1,8 Millionen Abonennten, sein Buch kletterte auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste und seine Songs stürmen regelmäßig die Charts. Aber ist er auch menschenverachtend? Immer wieder distanziert sich der Rapper von den Vorwürfen, doch ebenso häufige keimen neue Verdachtsmomente auf. Die Emma verlieh ihm erst kürzlich die zweifelhafte Ehre des "Sexist Man Alive", dem sexistischem Mann auf dem Planeten. Das Frauenmagazin spricht von Hass gegen Juden, Hass gegen Frauen, Hass gegen Homosexuelle.


Die "Kunst" von Kollegah: So plump wie durchschaubar


Am 12. Dezember will Kollegah in Nürnberg auftreten, der Löwensaal dürfte gut besucht sein, denn der Rapper ist nach wie vor beliebt. Den Vorwürfen zum Trotz. Seine letzten Videos "Valhalla" und "Alphagenetik", die den Auftakt zu einem neuen, bereits angekündigten Album markieren, erreichten Millionen auf YouTube. "Den Auftritt von Kollegah gerade in Nürnberg zuzulassen, ist ein Affront für alle, die sich für ein friedliches Zusammenleben und den Schutz von Minderheiten einsetzen", sagt Stephan Doll. Der Gewerkschaftler sitzt der Allianz gegen Rechtsexremismus vor - und kritisiert die Verrohung der Sprache, die auch von Rappern gefördert wird.

"Kollegah trägt mit seinen Texten öffentlichkeitswirksam zur stückweisen Verschiebung der Grenzen des Unsagbaren bei. Das Konzert befeuert damit die Strategie der extremen Rechten, Grenzen zu überschreiten, nur um danach wieder zurück zu rudern. Aus Worten werden Taten."
- Stephan Doll

Auch die Frauenbeauftragte der Stadt hält wenig von der Ansetzung des Konzertes. Hedwig Schouten organisiert derzeit eine Tagung, die Gewalt gegen Frauen thematisieren soll - und die nur einen Tag vor dem Konzert beginnt. Es sei ein "Schlag ins Gesicht" der Teilnehmer und "eine Verhöhnung aller von Gewalt betroffener Frauen", dass Kollegah mit seinen "frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texten wie 'Dein Chick ist ne Broke-Ass-Bitch, denn ich ficke sie, bis ihr Steißbein bricht' auftreten soll".

Verhindern könne man das Konzert nicht, man wolle den Auftritt aber nicht unkommentiert lassen. "Inbesondere in einer Stadt wie Nürnberg - der Stadt des Friedens und der Menschenrechte", heißt es in einer Pressemitteilung, die unter anderem das Menschenrechtsbüro der Stadt unterzeichnete.

Spätestens seit dem Echo 2018 ist Kollegah bundesweit bekannt. Gemeinsam mit Farid Bang rappte er die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen". Die Nominierung der beiden Rapper sorgte für einen Eklat. Nach Antisemitismus-Vorwürfen wurde der Preis abgeschafft.

tl

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