Kommentar: Scholl-Vergleich der AfD ist geschmacklos

16.1.2017, 20:17 Uhr
Viel Kritik erntete die Facebook-Seite "AfD Nürnberg-Süd/Schwabach" mit diesem für AfD-Werbung missbrauchten Zitat der 1943 von den Nazis getöteten Studentin Sophie Scholl.

© Screenshot der Facebook-Seite von 16.01.17, 15.37 Uhr Viel Kritik erntete die Facebook-Seite "AfD Nürnberg-Süd/Schwabach" mit diesem für AfD-Werbung missbrauchten Zitat der 1943 von den Nazis getöteten Studentin Sophie Scholl.

Begründet wird das mit dem Satz Scholls aus dem Jahr 1942, dass nichts eines Kulturvolkes unwürdiger sei, "als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique 'regieren' zu lassen". Dieser Satz vom ersten Flugblatt der Widerstandsgruppe Weiße Rose, deren Mitglied Scholl war, richtete sich gegen Hitler und seine Helfer, die einen Krieg angezettelt hatten und mit ihrem Rassenwahn Menschen umgebracht haben.

Die AfD setzt also die Verantwortlichen für einen millionenfachen Mord mit einer demokratisch gewählten Regierung gleich. Das ist geschmacklos. Immer wieder sind in den letzten Monaten von AfD-Verantwortlichen Äußerungen überliefert worden, die eine rechtsextreme Interpretation nahelegen. Als Begleitgeräusch heißt es dann, das sei doch gar nicht so gemeint gewesen.

Sich mit den Mitgliedern der Weißen Rose zu vergleichen, die wegen ihrer Flugblattaktionen gegen das NS-Verbrecherregime auf dem Schafott ihre Leben lassen mussten, ist kein verbaler Ausrutscher. Die AfD kündigt damit den Wertekanon des Grundgesetzes auf. "Die Würde des Menschen ist unantastbar", auch die von Toten. Wer das nicht mehr berücksichtigt, und zur Diffamierung des politischen Gegners Zitate bewusst falsch verwendet, verwirkt den Anspruch auf ein demokratisches Fair Play. Die Aktion des AfD-Kreisverbands zeigt, in welchem Verblendungszusammenhang einige seiner Anhänger sich befinden.

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