König und Brehm vorn: Wird Stichwahl wegen Corona verschoben?

15.3.2020, 22:59 Uhr
Kopf an Kopf: Einer von beiden wird Nürnbergs neuer Oberbürgermeister. Thorsten Brehm (SPD, links) und Marcus König (CSU) gehen in die Stichwahl.

© Foto: Günter Distler Kopf an Kopf: Einer von beiden wird Nürnbergs neuer Oberbürgermeister. Thorsten Brehm (SPD, links) und Marcus König (CSU) gehen in die Stichwahl.

Die Nürnberger Oberbürgermeisterkandidaten Marcus König (CSU) und Thorsten Brehm (SPD) lieferten sich eine Zeit lang ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende des Abends hatte Marcus König mit 36,45 Prozent der Stimmen die Nase leicht vorne, während Thorsten Brehm auf 34,93 Prozent der Stimmen kam. "Ich bin bereit, ich bin fit", sagte König mit Blick auf die anstehende Stichwahl. Auch Thorsten Brehm gab sich optimistisch, das Rennen zu machen.

Normalerweise verfolgen die Parteimitglieder die einlaufenden Ergebnisse bei ihren Wahlpartys. Die SPD wollte das im Karl-Bröger-Haus tun, die CSU im Hotel Holiday Inn. Doch das Coronavirus änderte alles. Deshalb fanden die Wahlpartys jetzt im Kleinen statt, im informellen und familiären Rahmen, in den Wohnzimmern der Parteimitglieder.

Zum Beispiel bei SPD-Stadträtin Claudia Arabackyj, die von einer völlig "absurden Situation" sprach. Nach der Absage aufgrund des Coronavirus war erst einmal eine "Wahnsinnsleere", sagte sie. "Man hat so viel miteinander gekämpft und dann, wenn es um alles geht, ist man alleine."

Currywurst mit Pommes

Doch Not macht bekanntermaßen erfinderisch. Arabackyj lud einige Genossinnen und Genossen zu sich nach Hause ein. Es gab Currywurst mit Pommes und Roten Samtkuchen ("Was Rotes musste es sein"). Ja, sie hatten mit einer Stichwahl gerechnet. Doch dass das Rennen zwischen Thorsten Brehm und Marcus König so knapp würde, hatten sie nicht erwartet. Sie sahen Brehm weiter vorne. "Das ist eine Überraschung", meinte Arabackyj.

Auch anderswo wurde im heimischen Wohnzimmer verfolgt, wie sich die Auszählung entwickelt. Renate Schmidt, Ex-Bundesfamilienministerin, saß "vor der Glotze", wie sie sagte. Sie freue sich natürlich, dass SPD-Kandidat Thorsten Brehm in der Stichwahl ist – und gab sich selbstkritisch. Sie gebe gerne zu, dass sie am Anfang skeptisch gewesen sei, als ihre Partei den jungen Parteivorsitzenden ins Rennen schickte, so Schmidt. "Aber diese Skepsis ist geschmolzen wie Eis in der Sonne."

Derweil verfolgten Bürgermeister Christian Vogel (SPD) und Anja Prölß-Kammerer, Fraktionschefin der Rathaus-SPD, die Auszählung im Nürnberger Presseclub. "Das ist natürlich ein deutliches Minus im Vergleich zu 2014", sagte Vogel in einem ersten Statement und meinte das Ergebnis von Brehm. Aber die Partei habe den Rückzug von OB Ulrich Maly zu verkraften und müsse gegen den Bundestrend der SPD ankämpfen. Insofern sei er mit dem Ergebnis zufrieden und sei durchaus optimistisch für die Stichwahl, fuhr Vogel fort.

Anja Prölß-Kammerer freute sich derweil über das Ergebnis ihres OB-Kandidaten, "weil ich es gar nicht einschätzen konnte". Sie muss jetzt einen Wahlkampf mitorganisieren, wie es ihn noch nie gegeben hat. Dieser wird sich wegen des Coronavirus stark auf das Internet konzentrieren. "Infostand 4.0", nennt SPD-Stadtrat Nasser Ahmed das.

"Historischer Erfolg"

Die CSU wittert derweil die große Chance, zum zweiten Mal im Nachkriegs-Nürnberg einen Oberbürgermeister zu stellen. Einen "historischen Erfolg" verbucht der CSU-Bezirksvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Michael Frieser. So knapp der Vorsprung des auch von Ministerpräsident Markus Söder aktiv unterstützten CSU-Bewerbers um das höchste Amt in Nürnberg auch sei – in dieser Form sei das noch nie gelungen. Offenkundig verkörpere König "Stabilität und Führungsanspruch", der Mehrheit der Wähler sei offenkundig sehr an einem weiterhin gedeihlichen demokratischen Miteinander gelegen.

Brehm und König seien verdient in der Stichwahl, sagte Andreas Krieglstein, bislang Vize-Fraktionschef der CSU im Stadtrat. Denn die beiden seien im Wahlkampf am präsentesten gewesen, fuhr er fort. Und auch wenn König nun aus der Pole-Position in die Stichwahl geht, beeilte er sich doch ebenso wie sein Rivale Thorsten Brehm umgehend zu versichern, an dem betont fairen Wahlkampfstil unbedingt festzuhalten.

Über eine Neuauflage des Bündnisses oder über künftige Bündnisse wollte zu diesem Zeitpunkt noch niemand spekulieren. Otto Heimbucher, CSU-Stadtrat und Vorsitzender des Bund Naturschutz in Nürnberg, machte aus seiner Präferenz am Wahlabend aber keinen Hehl. Er wünsche sich eine Fortsetzung der bisherigen Kooperation, sagte er.

"Krisenmanager" gefragt

Max Müller, aktuell sportpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, freut sich, dass das Gefühl für ein gutes Abschneiden von Marcus König nicht getäuscht habe. Bis zur Wahl sei nun auch ein "Krisenmanager" gefragt. Als solcher präsentierte sich CSU-OB-Kandidat König in den ersten Interviews.

Entscheidend für die Stichwahl wird sein, für welchen OB-Kandidaten sich die Wählerinnen und Wähler der Grünen entscheiden. Die Grünen wollen sich bald zusammensetzen und überlegen, ob sie eine Wahlempfehlung aussprechen wollen.

Dabei ist, wie Michael Frieser andeutete, nicht ausgeschlossen, dass die Stichwahl zumindest um eine Woche verschoben wird. Ob das sinnvoll und rechtlich möglich ist, müsse geprüft werden. Der Grund: Wegen der Corona-Krise könnte eine Reduzierung der Wahllokale erforderlich sein. Weil ohnehin alle Wahlberechtigten von Amts wegen mit Briefwahlunterlagen versorgt werden, könnten noch mehr Bürger bequem ohne Gang ins Wahllokal abstimmen. Trotzdem wäre für die Organisation mehr Zeit erforderlich.