Könnte so der Nürnberger Konzertsaal aussehen?

23.2.2013, 07:00 Uhr
So würde der Blick vom Henkersteg zum Konzerthaus aussehen.

© Repro: Aus der Masterarbeit So würde der Blick vom Henkersteg zum Konzerthaus aussehen.

Johanna Beigel und Jörg Falk haben mit vielen Betroffenen gesprochen und die durchaus divergierenden Ansprüche an so ein Gebäude gebündelt. Vom Staatstheater über die Symphoniker bis zur Hochschule für Musik und dem Concertbüro Franken konnten verschiedene Veranstalter ihre Ideal-Anforderungen formulieren. Die reichten von Punkten wie „keine Konkurrenz zu anderen Sälen“ (Kulturreferat) bis zu „Veranstaltungen, die bislang an Nürnberg vorbeigehen“ (Peter Harasim vom Concertbüro).

Für die beiden Architekturstudierenden hat eine Maxime die höchste Priorität: „Die Zentralität eines Konzerthauses spielt heutzutage eine große Rolle“, formulieren sie in ihrer architektonischen Perspektive. Daher nahmen sie sich als Standort den brachliegenden Augustinerhof an der Pegnitz vor, der nur wenige Schritte vom Hauptmarkt entfernt liegt. Ihr Argument: Dies sei der einzige der diskutierten Standorte, in der eine Vielzahl Cafés, Bars und Restaurants fußläufig vorhanden sei. Diesen gastronomischen Vorzug hätten weder das ehemalige Quelle-Areal in Eberhardshof, noch das Gelände an der Ostendstraße gegenüber der Nürnberger Versicherung, noch der Parkplatz neben der Meistersingerhalle. Für die Bausituation am Augustinerhof entwickelten sie ein Hallenmodell, das sowohl mit der Höhenentwicklung in der Altstadt kompatibel ist als auch die „Neue Tuchgasse“ als Magistrale nutzt.

„Die Interaktion von Konzertbesucher und Passanten soll neben der Einbindung ins Stadtgefüge auch als Schaufenster für das musikalische Leben Nürnbergs dienen und potentielle Konzertgänger zum Konzertbesuch anregen“, meinen Falk und Beigel. Mit andern Worten: Flaneure, Kulturgänger und Touristen sollen sich in dem Areal heimisch fühlen.

Dafür entwickelten Falk und Beigel einen in etwa L-förmigen Gebäudekomplex, der durch viele Glasfronten zur Pegnitz hin auffällt, andererseits große geschlossene Kuben aufweist. Ein bisschen scheint dabei das wenige hundert Meter flussaufwärts gelegene Cinecittà Pate gestanden zu haben. Der Eingangsbereich würde sich etwa in der mittleren Winklerstraße befinden.

Haupthalle für 1200 Zuhörer

Während die beiden Architekturstudenten vorschlagen, die logistischen Areale entlang der Karlstraße anzusiedeln, planen sie Kassen-, Garderoben- und Sanitärbereiche an einer Piazza-artigen Gabelung an der Winklerstraße. Das Hauptgebäude soll ein rechtwinkliger Bau bilden, in dem neben einem kleinen Saal mit 319 Quadratmetern für 250 Personen auch eine rechteckige Haupthalle mit ansteigenden Sitzreihen für rund 1200 Zuhörer Platz findet.

Die Foyers an der Südfront hätten einen Blick zur Pegnitz, womit eine ähnliche Lösung geplant wäre, wie es sie schon heute in der Bamberger „Sinfonie an der Regnitz“ gibt.

Nach einer ersten Sichtung zeigt sich etwa Symphoniker-Intendant Lucius A. Hemmer beeindruckt von den Entwürfen, die von den Professoren Florian Fischer und Roland Krippner betreut wurden. Auch der Dirigent Ulf Klausenitzer, einer der Initiatoren der Saal-Initiative, hält die Pläne nicht nur für reizvoll, sondern vor allem für mach- und der Bevölkerung vermittelbar.

Beide sehen allerdings auch ein gravierendes Problem: Trotz der mehrstöckigen Tiefgarage unter dem Kulturbau, dürfte eine einzige An- und Abfahrt über das Hallertor oft einen Verkehrsinfarkt in der Umgebung bewirken. Wer am vergangenen Montag miterlebt hat, wie Münchner Straße und Schultheißallee vor dem Lang-Lang-Konzert in der Meistersingerhalle verstopft waren, mag sich solche Szenen für die Altstadt nicht ausmalen.

Dennoch hoffen Hemmer und Klausenitzer, dass mit diesen Plänen der Augustinerhof bei der Standortsuche wieder mit im Rennen ist. Wenn denn Grundstückbesitzer, Politiker und Kulturmacher mal an einem Strang ziehen wollten...

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