Montag, 09.12.2019

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Kontrollaktion startet: Außendienst nimmt Raucher ins Visier

ADN achtet in Nürnberg verstärkt darauf, wo Raucher ihre Zigaretten entsorgen - 22.10.2019 05:57 Uhr

Viel zu viele gerauchte Kippenstummel landen einfach auf dem Boden. Die Stadt Nürnberg will Raucher nun offensiv auf ihr Fehlverhalten hinweisen. © upzigle


"Kippen gehören in den Mülleimer. Einfach weggeschnipst, verdrecken sie die Stadt und sind für Mensch, Tier und Pflanzen hochgefährlich", sagt Bürgermeister und Sör-Chef Christian Vogel, dem die achtlos weggeworfenen Stummel schon lange ein Dorn im Auge sind. Deshalb tut die Stadt jetzt etwas dagegen. Zum einen mit präventiven Maßnahmen, indem sie mehr mit Aschenbechern ausgestattete Papierkörbe aufstellt. "Parallel dazu will ich jetzt aber auch zeigen, dass Kippenschnipsen nicht toleriert wird", so Vogel weiter. Er hat deshalb den Außendienst Nürnberg (ADN) beauftragt, ab heute ein besonderes Augenmerk auf Raucher zu legen, die ihre Kippen einfach wegschnippen – und gegebenenfalls sofort zu reagieren.


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Beobachten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ADN während ihrer Streife, dass jemand eine Zigarette auf den Boden wirft, soll der Betroffene ab sofort direkt auf sein Fehlverhalten hingewiesen werden. Ist er uneinsichtig, kann am Ende sogar eine ordnungsrechtliche Maßnahme drohen. "Es geht hier nicht darum, pingelig zu sein, sondern es muss jedem Raucher klar sein, dass Kippen in die Mülltonne gehören und nicht in den öffentlichen Raum. Wer das nicht begreifen und weiter unsozial sein will, muss mit den Konsequenzen rechnen", sagt Vogel.

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106 Milliarden Zigaretten pro Jahr

In Bodenaschenbechern können Raucher ihre Zigarettenkippen bequem entsorgen. © Foto: Stefan Hippel


Damit niemand sagen kann, er hätte keinen passenden Ort für seine Zigarettenkippe gefunden, hat die Stadt bereits neue Papierkörbe mit Aschenbechern oder Bodenaschenbechern installiert. "Zudem werden wir dankenswerterweise durch die Ehrenamtlichen der Gruppe ‚Zero Waste Nürnberg‘ vom Verein Bluepingu unterstützt, die Mitte November im Stadtgebiet unterwegs sind und die Raucher über das Problem und die Gefahren aufklären und auch Lösungsansätze in petto haben", so Vogel.

Zwei Drittel aller gerauchten Zigaretten landen – vielleicht oft auch einfach aus Unachtsamkeit – am Boden. Wer die aktuelle Zahl der gerauchten Zigaretten in Deutschland kennt, kann sich die Menge an Müll vorstellen: Es sind 106 Milliarden Zigaretten pro Jahr. Vogel: "Für den Einzelnen ist es nur eine kleine Kippe, deshalb ist das Unrechtsempfinden sehr gering, in der Masse ist es aber ein wirklich großes Problem."


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Bis ein Stummel abgebaut worden ist, dauert es gut 13 Jahre. Und er hinterlässt giftige Substanzen wie zum Beispiel Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Nikotin, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Essen beziehungsweise verschlucken etwa Babys oder Kleinkinder eine Kippe, besteht akute Lebensgefahr.

Weniger gefährlich aber nicht minder unansehnlich sind die Reste achtlos weggeworfener Kaugummis, die vor allem in der Innenstadt ein unästhetisches, umweltschädliches und darüber hinaus sehr teures Ärgernis für Bürger und die Stadtverwaltung sind. "Zahlreiche Versuche, das Problem einzudämmen, sind bisher leider erfolglos gewesen", weiß der FDP-Stadtrat Alexander Liebel.

 

 

 

Außergewöhnlicher Versuch

Er möchte deshalb einen – auf den ersten Blick ziemlich außergewöhnlichen – Versuch starten. In einigen Städten, wie etwa in Stuttgart, Duisburg oder Frankfurt, wurde inzwischen erfolgreich das sogenannte Projekt "GumWall" umgesetzt. "Die ,GumWall‘ besteht aus einem robusten Metallkasten, dessen Innenteil mit kreativ gestalteten Andrückplatten für Kaugummis versehen ist. Auf diesen soll der zu entsorgende Kaugummi aufgedrückt oder in den darunter befindlichen Kasten eingeworfen werden", erklärt Liebel. Die "GumWalls" sollen an zentralen Stellen in der Innenstadt aufgehängt werden.

"Kaiserslautern startete einen öffentlichen Kreativ-Wettbewerb zur Gestaltung der Andrückplatten. Mehrere Städte in Dänemark und den Niederlanden sollen auch positive Erfahrungen mit den ,GumWalls‘ gemacht haben", so Liebel, der sich besagte Kaugummi-Wände auch für Nürnberg wünschen würde.

Stefanie Taube E-Mail

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