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Kostenexplosion: 50 statt 24 Millionen für neue Feuerwache

Ausgaben für Gebäude in Nürnberg steigen um mehr als das doppelte - 18.06.2015 06:00 Uhr

Ein Klinkerbau mit geschwungener Fassade: So könnte die neue Wache einmal aussehen. © Entwurf: BSS Architekten


Schon 2008 begannen die Planungen für die Feuerwache. Das denkmalgeschützte Gebäude ist über 100 Jahre alt und muss komplett umgebaut werden. 24 Millionen Euro sollte das Vorhaben nach ersten Projekten kosten.

Doch krasse Planungsfehler führten zu einer Explosion der Kosten auf 46,5 Millionen Euro. Denn das städtische Organisationsamt und eine externe Beratungsfirma hatten die Fläche um 5450 Quadratmeter falsch berechnet. Der Stadtrat tobte, Stadtkämmerer Harald Riedel (SPD) sprach von einer "Kollektivschuld" in der Stadtverwaltung.

Schuld sollen gestiegene Baukosten sein

Nun also die nächste Preissteigerung um knapp 3,6 Millionen auf 50,1 Millionen Euro. Schuld daran seien, so der Kämmerer, vor allem gestiegene Baukosten. Ursprünglich sollte 2013 mit dem Bau begonnen werden, doch die Stadt hat sich entschieden, das Projekt aus Geldmangel zu verschieben. Da nun erst 2016 mit dem Bau begonnen wird, die Preise aber zwischenzeitlich gestiegen sind, kommen 2,4 Millionen Euro dazu.

Die übrigen 1,2 Millionen der Steigerung kommen zum Großteil von den gestiegenen Honoraren der Architekten. Deren Verbände haben Gehaltssprünge um zehn Prozent durchgesetzt, bei einem Projekt dieses Volumens sind das grob geschätzt eine Million Euro mehr, so Kämmerer Riedel. Außerdem habe sich die Technik in Sachen Belüftung oder Gebäudesteuerung weiterentwickelt. Um hier auf dem neuesten Stand zu sein, muss die Stadt knapp 200.000 Euro zusätzlich berappen.

Baubeginn ist im Februar 2016, abgeschlossen sollen die Arbeiten 2019 sein. Bis dahin könnten die Preise nochmal um knapp eine Million Euro steigen, so Riedel. Denn schließlich lassen sich die tatsächlichen Preissteigerungen nie genau vorausberechnen.

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Kontrollinstanz bei der Stadt hat nicht gegriffen

Um solche Preissteigerungen bei städtischen Bauvorhaben zu verhindern, wurde 2010 eigentlich das sogenannte Baukosten-Investitions-Controlling (BIC) eingerichtet. Dies war zunächst im Hochbauamt angesiedelt, wurde dann aber 2012 dem Finanzreferat zugewiesen. Das BIC-Gremium, bestehend aus Mitarbeitern des Hochbauamtes sowie des Finanzreferats, prüft die Kostenvoranschläge aller städtischen Bauvorhaben, die über 500.000 Euro kosten und begleitet sie bis zur sogenannten Kostenfestschreibung.

"Die neuerliche Preissteigerung hat Ursachen, die wir auch trotz Controlling nicht hätten verhindern können", rechtfertigt der Kämmerer die neueste Kostenexplosion. Er gibt sich "gebremst optimistisch", dass solche Preissteigerungen bei Bauprojekten der Vergangenheit angehören - unter anderem, weil das Gremium in den vergangenen drei Jahren feste Prozesse installiert hat, um beispielsweise die Kostenvoranschläge realistischer zu berechnen. "Mir ist bewusst, dass der ganze Kontrollprozess noch nicht perfekt ist, aber wir arbeiten daran", sagt Riedel.

Wenn Sie zu diesem Thema ihre Meinung äußern möchten, können Sie dies in dem extra dafür eingerichteten Leserforum tun. Eine direkte Kommentierung dieses Artikels ist nicht möglich. 

Jean-Pierre Ziegler

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