Donnerstag, 24.10.2019

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Kritik an Polizei nach Groß-Einsatz bei Nürnberger WG-Party

70 Menschen feierten in der Südstadt bis spät in die Nacht - Feier aufgelöst - 10.10.2019 14:07 Uhr

Hauspartys am Wochenende sind keine Seltenheit, auch dass es dabei lauter als erlaubt wird, kommt vor. Die Dimensionen einer Party im Nürnberger Stadtteil Tafelhof waren dann aber doch andere - zumindest nach Darstellung der Polizei. 70 Menschen feierten am vergangenen Samstagmorgen in der Südstadt. Zwei DJs standen an den Mischpulten, Musik dröhnte "aus meterhohen Lautsprechern", wie es in einer Pressemitteilung des Präsidiums Mittelfranken heißt. "Bereits bei der Anfahrt war der Lärm für die Streife deutlich wahrnehmbar." 

Deshalb schritt die Polizei ein. Erst mit wenigen Polizisten, dann mit einem größeren Aufgebot. Bis zu 60 Beamte mit mehreren Hundeführern standen plötzlich vor der Haustür - ein martialisches Bild, kritisieren jetzt die Bewohner der WG, in der die Party stattfand. Sie sprechen von einem aus ihrer Sicht völlig überzogenen Einsatz.

"Dann wäre es anders verlaufen"

Die Polizei verteidigt sich. "Wir wollten uns so aufstellen, dass wir auf eventuelle Ereignisse reagieren können", sagt Janine Mendel, Sprecherin des Präsidiums Mittelfranken. "Wenn sie sofort die Musik ausgestellt hätten und von Anfang an ein vernünftiges Gespräch möglich gewesen wäre, dann wäre es anders verlaufen." Entscheidend sei also das Verhalten der Feiernden und Verantwortlichen gewesen, aber auch die Anzahl der Personen in der Wohnung. "Eine erste Streife kann die Situation gar nicht überblicken", sagt Mendel - deshalb die Verstärkung. 

Dass die Bewohner der WG sich gegenüber der Polizei nicht kooperativ verhalten haben, das weisen sie in einer Pressemitteilung zurück. Laut dem Präsidium Mittelfranken habe sich kein Verantwortlicher zu erkennen gegeben - das stimme nicht, so die Bewohner. "Die Musik wurde ebenfalls abgestellt, doch die Polizisten weigerten sich, die Wohnung zu verlassen und riefen noch im Inneren Verstärkung."

Bewohner: Polizist zerschlug eine Tür

Was dann folgte, skizzieren die WG-Verantwortlichen wie "in einem schlechten Film". Etwa 40 behelmte Polizisten rückten an, es sei gedroht worden unter "Anwendung unmittelbaren Zwanges die Wohnung zu stürmen". USK-Kräfte, sagt Mendel von der Polizei Mittelfranken, seien keine im Einsatz gewesen, lediglich normale Streifen rückten an. Die haben zwar teilweise auch Helme in ihren Dienstfahrzeugen, erklärt die Sprecherin, ob sie die auch trugen, dazu kann sie keine Angaben machen. 

Ein weiterer Vorwurf der Bewohner: Die Polizei sei unerlaubterweise in die Wohnung eingedrungen. Ein Beamter sei, als die ersten Gespräche mit den Verantwortlichen liefen, in der Tür stehen geblieben. "Partygäste dahinter schoben die Tür langsam zu, im Glauben, die Beamten seien mit den Verantwortlichen hinausgetreten", heißt es in einer Pressemitteilung. "Der junge Beamte brach daraufhin in einer reflexartigen Bewegung unsere Wohnungstür aus den Angeln." Eben jenes Hinausdrängen aus der Wohnung wird von der Polizei derzeit als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gewertet, die Ermittlungen laufen. 

"Die Tür stand offen"

Doch drang die Polizei wirklich unerlaubt in die Wohnung in Tafelhof ein? Nein, sagt Polizeisprecherin Mendel. "Die Türe stand offen, die Kollegen sind hinein und wollten jemanden sprechen." Die Wohnung sei für Jedermann geöffnet gewesen, das Verhalten der Streife deshalb legitim. "Grundsätzlich dürfen wir natürlich nicht in eine Wohnung - nur, wenn Gefahr im Verzug wäre", sagt Mendel. Wenn die Türe geschlossen gewesen wäre, wäre die Situation eine andere gewesen. 

Die Bewohner der WG in der Südstadt fühlen sich dennoch schikaniert und "ohne Ausnahme generalverdachtsmäßig wie Verbrecher behandelt", wie es in der Pressemitteilung heißt. "Wenn Menschen sich nicht einmal mehr zu einer Party versammeln dürfen ohne befürchten zu müssen, aufgrund einer einmaligen Ruhestörung massiv von der Polizei bedroht und eingeschüchtert zu werden, dann fragen wir uns ernsthaft welchen Ausdruck von Leben sich Menschen hier noch leisten dürfen."

Die Ermittlungen der Polizei laufen. 

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