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Kulturtreff Artischocken hat ein neues Domizil bezogen

Künftig gibt es am Nürnberger Rathenauplatz Theater und Konzerte. - 06.11.2019 13:45 Uhr

Olga Komarova vom Verein Artischocken, der in der früheren Oberpostdirektion am Rathenauplatz eingezogen ist – mit Baum im Topf. Der große steht draußen im Hof. © Foto: Katharina Wasmeier


Wegen der Kunst und weil der Wanderzirkus zuletzt Unterschlupf am Aufseßplatz gefunden hatte, genauer: im alten Schocken-Kaufhofhaus. Und weil das einfach leichter zu merken ist und so viel runder auf der Zunge schmeckt als "Integration Nürnberg e. V."

Nichtsdestotrotz steckt genau dieser Verein im alten AOK-Gebäude, der vor bald 20 Jahren als Jugendarbeitskeimling begonnen und heute als Künstlerverein mindestens verzweigte Baumgröße erreicht hat. So einen haben sie jetzt vor dem Fenster, das ist schön, grün und hell, ganz anders als im fensterlosen Südstadtdomizil, das der Verein gemeinsam mit Medienladen-Chef Gerhard Faul in Eigenleistung zum Kulturort umgebaut hatte.

So ist’s auch jetzt wieder geschehen. Bühne, Theke, Lagerraum – alles da, man muss nur hinfinden. "Der Weg ist ein bisschen versteckt", weiß auch Olga Komarova, denn er geht nämlich so: Vom Rathenauplatz aus einmal um das vornehmlich von der AOK, in Wahrheit aber von der evangelischen Kirche zwischengenutzte alte Telekomgebäude herum in die Veillodterstraße 8. Dann aber nicht ins Häuschen hinein, sondern nebendran die Treppe weit hinunter, über den Hof, durch die Glastür, rechts. Das klingt etwas verrucht – und ist auch gut so, denn am Ende dieses Abenteuers kommt der Anfang des nächsten: ein Saal für bis zu 120 Personen, umgebaut, gemalert, gebastelt, Bühne, Technik.

Eine Café-Bar mit Theke, alles selbst hineingezimmert in das triste Bürograu, das jetzt grün ist und fröhlich, innen und außen, denn da ist jetzt besagter großer grüner Innenhof mit Baum und außenrum von Bildungszentrum bis Design Offices reichlich Zwischennutz.

"Bis Ende 2020, vielleicht Mitte 2021" darf hier gewaltet werden: "Alles was wir wollen", sagt Olga Komarova, und der Verein will viel. Schon die ersten offiziellen Monate bieten mächtig Abwechslung: Konzerte von und mit Afroyoga und "Selo I Ludy" (15.11.). Ein gerade gestarteten Kurs "Instafilme für Erwachsene", parallel dazu einen Malkurs. Damit, so die freiberufliche Filmproduzentin und Mutter einer Sechsjährigen, die Kids aufgeräumt sind, wenn Mama und Papa filmen lernen.

"6aufKraut" haben sich zum Improtheater angemeldet (22.11.), es gibt Theater auf Russisch ("Ich – Glück", 24.11.), absurdes Theater für Kinder ("Alice Fantasieland", 23.11.) und "German-Russia-Nocensor" mit Podiumsdiskussionen per Skype, die Aktivisten und Fachleute aus Nürnberg und Moskau verbinden (25.11.). "Man muss schauen, wie das wird", sagt Olga Komarova, denn so etwas haben sie auch noch nie gemacht. Aber das wird schon. Platz ist genug, für Gruppen, die auftreten wollen oder proben, die Räume mieten, um intensiv zu arbeiten. "Es wäre schön", sagt Olga Komarova, "wenn möglichst viele Kulturschaffende hier mitmachen würden." Und auch andere den Weg finden an den Ort, der genau das ist, was als Off-Location oft gefordert wird, aber selten zur Verfügung steht.

Alle Möglichkeiten sind da: Treffpunkt, Begegnungsort, Arbeitsplatz, einfach abhängen und quatschen auf dem Sofa oder draußen unterm Baum, der aussieht, als sollte man dringend unter ihm sitzen, mit Bier und Diskussion. "Den Garten liebe ich", sagt auch Komarova und öffnet die eigens eingebaute Tür. "Ich hoffe, dass hier möglichst viel passiert."

Einzig furchtbar laut soll es besser nicht werden, sitzen doch lernende BZ-Menschen obendrüber. Und egal was passiert: Schluss ist um 22 Uhr, die Stadt will es so, denn es ist Wohnviertel außenrum. Der kommende Samstag ist ein guter Tag, um alles mal ein bisschen anzutesten: "UnARTig" heißt der offene Abend, bei dem ab 18 Uhr die Tür offen ist und die Bar auch. Es gibt Musik, Performance, Live-Painting, ein "literarisch-musikalisch-atmosphärisches Spiel", gewidmet der russischen Dichterin Marina Zwetajewa, Techno und "eine Überraschung". Und weil um 22 Uhr Schluss sein muss "fahren wir danach alle gemeinsam zur nächsten Party", freut sich Olga Komarova. "Kommt vorbei und lernt uns kennen!"

InfoArtiSchocken, Veillodterstraße 8, artischocken-nuernberg.de

KATHARINA WASMEIER

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