Landtag gibt grünes Licht: Nürnberg bekommt Technische Universität

9.12.2020, 15:49 Uhr
Auf diesem Areal an der Brunecker Straße soll der neue Uni-Campus entstehen.

Auf diesem Areal an der Brunecker Straße soll der neue Uni-Campus entstehen. © Bischof & Broel

Die Neugründung der zehnten Landesuniversität sei ein Aufschlag der international für große Aufmerksamkeit sorge, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) am Mittwoch. Nur die AfD stimmte im Landtag dagegen. Sie monierte etwa, dass die Vorlesungen nicht primär auf deutsch angeboten werden. Die Grünen enthielten sich.

Bereits im Laufe des kommenden Jahres soll es erste Online-Angebote gegeben. Der erste Masterstudiengang ist für das Wintersemester 2023/24 geplant. Das Konzept sieht englischsprachige, fächerübergreifende Studiengänge vor. Den 5000 bis 6000 Studenten sollen 200 bis 240 Professoren zur Verfügung stehen.


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„Das ist ein großer Wurf für meine Heimatstadt Nürnberg und die ganze Wissenschaftsregion", sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osgyan. „Die Struktur, die die Staatsregierung für die Gründungskommission vorschlägt, wirft Fragen auf und ich halte sie für verfassungsrechtlich bedenklich“, meinte Osgyan allerdings.

Die angestrebte Top-Down Struktur binde die Träger der Wissenschaftsfreiheit nicht ausreichend ein. Problematisch sei die fehlende Einbeziehung der normalen Professorinnen und Professoren. „Hätte man das Gesetz nicht im Eilverfahren durch den Landtag gedrückt wie die Söder-Regierung, hätten wir diese Frage vielleicht besser lösen können“, kritisierte die Grünen-Politikerin.

SPD fordert Abbau des Sanierungsstaus

Auch die SPD begrüßte die Gründung der TU, die Finanzierung der anderen Hochschulen dürfe aber nicht unter dem Vorhaben leiden, betonte Volkmar Halbleib, Mitglied des Wirtschaftsausschusses: "Mit dem Neubau der Hochschule muss der Abbau des gewaltigen Sanierungsstaus einhergehen, der bayernweit einen Finanzierungsbedarf von mindestens zehn Milliarden Euro beträgt."

Der Erlanger FDP-Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach befürchtet, dass durch die TU-Gründung die Universität Erlangen-Nürnberg finanziell ins Hintertreffen gerät - trotz zugesagter 1,5 Milliarden Euro für den Ausbau. Laut Wissenschaftsminister Sibler gebe es eine Kapazitätenkonkurrenz beim Staatlichen Bauamt Nürnberg. "Es sind zwar viele Planungen zu groß klingenden Gesamtsummen begonnen worden, deren Realisierung könnte sich allerdings hinziehen, wenn parallel Söders Prestigeprojekt gepusht wird", meinte Fischbach.


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In Wissenschaftskreisen ist die Neugründung ohnehin nicht unumstritten. Kritisiert wird etwa das Niveau der Abschlüsse. Zudem gebe es in Nürnberg mit der Technischen Hochschule Nürnberg (THN) bereits eine große und erfolgreiche Fachhochschule. Auch die in Erlangen und Nürnberg angesiedelte Friedrich-Alexander-Universität befürchtet Überschneidungen. Nach Angaben der Staatsregierung soll die TU diese ergänzen und den Freistaat für Spitzenforscher sichtbarer machen.

Der Schwabacher Landtagsabgeordnete und Landtags-Vizepräsidenten Karl Freller (CSU), in dessen Stimmkreis die neue TU liegt, nahm die Entscheidung dagegen mit großer Freude auf. „Mit der neuen Hochschule wird etwas wirklich Herausragendes mit enormer Strahlkraft in Nürnberg entstehen und die Forschungslandschaft in Bayern und der Metropolregion nachhaltig stärken“, sagte er.

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