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Legionellen-Alarm: Nürnberger Wohnanlage betroffen

Bereits vor vier Jahren gab es in Erlenstegen Probleme mit zu hohen Werten - 11.10.2018 11:39 Uhr

Atmet man unter der Dusche Wasserdampf ein, der mit zu vielen Legionellen belastet ist, kann das schwerwiegende Folgen haben.

10.10.2018 © dpa


Als Roland Albert kürzlich nach Hause kommt, entdeckt er einen Zettel am Aushang. Darauf ist zu lesen, dass die Wohnanlage in der Eichendorff- und Esperantostraße im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen von einem extremen Legionellenbefall betroffen sei. Ab sofort herrsche ein Duschverbot, teilt die Hausverwaltung mit.

Die Bewohner werden gebeten, sich einen speziellen Legionellen-Duschkopf anzuschaffen. Der soll verhindern, dass sie über den Wasserdampf, der beim Duschen entsteht, Legionellen einatmen. Gelangen die Bakterien nämlich in die Lunge, können die Betroffenen an einer Legionellose erkranken. Erste Anzeichen der Krankheit sind Husten, Durchfall und Fieber. Später kann sie zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen.

Immer wieder Probleme

Mit Fällen wie diesem in Erlenstegen hat Joachim Peckl vom Gesundheitsamt regelmäßig zu tun. Der Hygienekontrolleur ist seit einem guten halben Jahr für den Nürnberger Norden zuständig. Doch schon aus seiner Zeit in Fürth weiß er, dass Legionellen in Wohnanlagen immer wieder Probleme bereiten.

Bis zu einem Wert von 100 sogenannten "koloniebildenden Einheiten" (kbE) pro 100 Milliliter gibt es laut Trinkwasserverordnung keinen Grund zum Handeln. In der Anlage in Erlenstegen wurden laut Peckl jedoch Werte von über 10.000 kbE pro 100 Milliliter festgestellt, was ein sofortiges Duschverbot in den Wohnungen zur Folge hatte.

Die Anlage in Erlenstegen ist nicht zum ersten Mal von Legionellen befallen. Bereits im Frühjahr 2014 durfte in den rund 150 betroffenen Wohnungen nicht geduscht werden. Bis das Verbot aufgehoben wurde, dauerte es Monate. Jetzt befürchten die Anwohner eine erneute Hängepartie.

"Es handelt sich hier um ein längerfristiges, komplexes Problem", erklärt Peckl. Es dürfte also einige Tage dauern, bis die Experten überprüft haben, bei welchen Leitungen sie ansetzen müssen. Für die überhöhten Werte können tote Leitungen verantwortlich sein oder Rohre, die nicht richtig isoliert sind. Einen idealen Nährboden finden Legionellen, wenn Wasserhähne, Duschen oder Toilettenspülungen – zum Beispiel wegen urlaubsbedingter Abwesenheit – längere Zeit nicht verwendet werden.

Krankheit erkennen

Zwischen 25 und 40 Grad fühlen sich Legionellen besonders wohl, wie Professor Dr. Jörg Steinmann, Chefarzt am Institut für Klinikhygiene, erklärt. Ab 60 Grad sterben die Bakterien ab. Anfängliche Symptome wie Durchfall, Fieber, Atembeschwerden und eine leichte Verwirrtheit lassen nicht sofort auf die Legionärskrankheit schließen. Die wiederum muss mit Antibiotikum behandelt werden.

Etwa zehn bis 20 Patienten mit Legionellose werden laut Steinmann jedes Jahr im Klinikum Nürnberg behandelt. Damit ist die Zahl zwar um ein Vielfaches geringer als etwa die der Influenza-Patienten. Doch für Betroffene, vor allem für ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen oder einem ohnehin geschwächten Immunsystem, kann die Situation lebensbedrohlich werden. Umso wichtiger also, dass die Anwohner in Erlenstegen möglichst bald wieder aufatmen können.

Johannes Handl Lokalredaktion E-Mail

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