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Lehrer-Campus: Zieht die FAU auf das Schöller-Areal?

Nähe zu öffentlichem Nahverkehr und StUB - Mehrere Standorte in der Prüfung - 10.07.2018 05:52 Uhr

Denkfabrik statt Eisproduktion: Das alte Schöller-Areal am Nordwestring (im Bild) ist ein heißer Kandidat als Standort für den neuen Campus der Erziehungswissenschaftler. Für die Stadt ist die Nähe zur Ringbahn reizvoll, weil sie sich ohnehin eine Verlängerung nach Fürth wünscht. © Foto: Oliver Acker, www.digitale-luftbilder.de


"Das freut uns natürlich", sagt Prof. Bärbel Kopp, Vizepräsidentin Education der Friedrich-Alexander-Universität. Die Professorin, die zuvor Prodekanin am Campus Regensburger Straße war, macht zwar kein Hehl daraus, dass der Umzug aller angehenden Pädagogen in den Erlanger Himbeerpalast in ihren Augen die beste Lösung gewesen wäre.

Doch diese Pläne sind schon seit einem Jahr vom Tisch. Dass die Nürnberger Studenten jetzt in den Norden ziehen werden, sei aber eine gute Nachricht. Damit verkürzten sich immerhin die Wege zwischen beiden Standorten der Lehrerausbildung erheblich, betont Kopp. "Wir haben dann einfach bessere Verbindungen."

Begeistert ist die Professorin auch von der Aussicht, künftig in einem komplett neuen und funktionsfähigen Gebäude lehren zu können. "Das gibt uns Aufwind." Dann, so hofft die Vizepräsidentin, werden die angehenden Pädagogen endlich über genügend moderne Räume mit guter Ausstattung verfügen und das Lernen mit digitalen Medien stärker zum Thema machen können. "Bislang sind wir da nicht verwöhnt." Geplant werde in enger Absprache mit den Lehrenden, "es lässt sich gut an".

"Zahl möglicher Grundstücke begrenzt"

Dass die Erziehungswissenschaftler in Nürnberg bleiben, sei auch für die Stadt eine gute Nachricht, so Bau- und Planungsreferent Daniel Ulrich. Die Suche nach einem geeigneten Standort habe bereits begonnen, "leider hat die Stadt in diesem Bereich keine eigenen Flächen". Laut Florian Filler, Referent des Dekans der Universität, sind mehrere Grundstücke im Gespräch, Details will er derzeit nicht nennen. Damit Studenten und Lehrende leicht pendeln können, ist in den Augen aller Beteiligten eine gute Verkehrsanbindung wichtig. "Möglichst nah an der B4 und an der geplanten Stadt-Umland-Bahn", so umschreibt Filler die Anforderungen.

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Die bewegte Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität

Über 300 Jahre ist das Markgräfliche Schloss in Erlangen alt. Bereits 1743 verkehrten rund um die Stadtresidenz die ersten Studenten. Seither hat die FAU einen Brand, zwei Weltkriege und mehrere bauliche wie politische Umwälzungen erlebt. Von NS-Propaganda bis Studentenbewegung: Wir haben die Geschichte der Erlanger Uni zusammengefasst.


Allzu groß sei die Auswahl bei einem Platzbedarf von 30.000 bis 40.000 Quadratmetern nicht, betont Ulrich. "Da ist die Zahl der möglichen Grundstücke begrenzt." Laut Ulrich kommt unter anderem eine Brachfläche zwischen Marktkauf und Porsche-Zentrum infrage. Denkbar sei auch eine Ansiedelung auf dem Schöller-Areal. Das sei noch stadtnah genug und liege zudem an der Ringbahn - die Kommune wünscht sich seit langem eine Verlängerung der Gräfenbergbahn nach Fürth und hofft, dass ein Uni-Gebäude in diesem Bereich den Plänen Auftrieb gibt. Eine Verbindung, die auch der SPD gefällt.

"Der Freistaat ist hier gefragt. Leider hat er bisher wenig Leidenschaft in der Sache gezeigt. Nun wäre eine gute Gelegenheit, das endlich zu ändern", meint SPD-Vorsitzender und Stadtrat Thorsten Brehm, der die Fläche zudem wegen der Anbindung an die Stadt-Umland-Bahn für geeignet hält. Der Stadtrat hat deshalb für das Gelände ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet, auch, um Zeit zu gewinnen, so Ulrich.

Neubau bis 2024

Tobias Schmidt, Vorsitzender des Vorstadtvereins Nürnberg Nord, begrüßt die Pläne ebenfalls. Für ihn steht schon fest, dass der Campus auf das alte Schöller-Areal kommt. Bayerns Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) hält sich dagegen weiter bedeckt. Gegenüber unserer Zeitung betonte sie, dass noch mehrere Grundstücke im Gespräch seien.

Filler geht davon aus, dass der Ankauf eines geeigneten Grundstücks noch in diesem Jahr über die Bühne gehen wird. Inhaltlich dagegen müsse man flexibel bleiben. "Wenn wir innovativ sein wollen, können wir uns nicht zu früh festlegen." Bis 2024, so viel steht fest, müsste der Neubau stehen. Denn dann müssen die Studenten raus aus dem maroden Gebäude an der Regensburger Straße, das derzeit nur so weit saniert wird, dass es noch ein paar Jahre genutzt werden kann. Zwölf Millionen Euro flossen in Brandschutzmaßnahmen und eine längst fällige Dachsanierung. Es sei darum gegangen, Gefahren für Leib und Leben abzuwenden, so Kopp.

Barrierefreier Zugang

Immerhin sorgen neue Fahrstühle dafür, dass das Haus jetzt einen barrierefreien Zugang hat, zudem gibt es ein neues Chemielabor. Die Arbeiten seien zu 85 Prozent abgeschlossen, so Prodekan Wolfgang Pfeiffer, der Rest der Reparaturen solle im Laufe des Sommers erledigt werden. Dann sei das Gebäude so weit betriebssicher, "dass es bis Ende 2023 halten wird".

Doch kündigen sich aus Sicht des Professors die nächsten Probleme bereits an: Weil das Kultusministerium mehr Grundschullehrer ausbilden will, werde sich die Zahl der Studierenden voraussichtlich innerhalb von drei Jahren um 500 erhöhen.

Derzeit gehen auf dem Campus Regensburger Straße täglich 2500 Studenten ein und aus, der Platz ist knapp. Wenn es noch mehr Studierende werden, "wird es eng", so Pfeiffer. Ein weiterer Grund, sich auf den Neubau zu freuen. Ob das alte Gebäude abgerissen oder generalsaniert wird, ist offen. 

Silke Roennefahrt Lokalredaktion E-Mail

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