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Licht-Aktion als Protest: So weisen Friseure auf ihre Lage hin

Betriebe machen auf ihre prekäre Situation im Lockdown aufmerksam - 22.01.2021 19:30 Uhr

Die bayerischen Friseure machen auf ihre coroanbedingt prekäre Lage aufmerksam und lassen dafür die ganze Nacht ihr Licht n den Läden brennen. Mit dabei ist auch "Abschnitt" in der Fürther Blumenstraße.

22.01.2021 © Hans-Joachim Winckler, NN


Er lässt sich die Haare wachsen. Obwohl der Friseur-Meister das nicht müsste: Seine Ehefrau beherrscht das Handwerk auch. "Aber wie würde das bei Kunden ankommen, die selbst nicht zum Friseur gegen können? Wenn es mir zu bunt wird, setzte ich eine Mütze auf", sagt der Obermeister der Friseur-Innung Nürnberg.

Auf Solidarität hoffen auch die Initiatoren der 24-Stunden-Aktion "Wir lassen das Licht an". Ab Freitag, 8 Uhr, bis Samstag um 8 Uhr sind Friseure in ganz Bayern aufgerufen, ihr Licht im Salon brennen zu lassen. Als Signal und Symbol, dass die Lichter in den Geschäften nicht dauerhaft ausgehen dürfen. Auch Rossmann beteiligt sich an der Aktion, die Petra Zander, Vorstandsmitglied im Landesinnungsverband der Bayerischen Friseure, ins Leben gerufen hat. In Rossmanns Salons, die sich in den Nürnberger Stadtteilen St. Leonhard und Gibitzenhof befinden, bleibt es bis Samstagmorgen hell erleuchtet.

Die Situation ist alarmierend für die Friseur-Branche, teilt Petra Zander mit. "Für Unternehmer im Friseurhandwerk sehen die aktuellen Programme letztlich keine Hilfe für ein würdiges Überleben in der Krise vor. Ihnen bleibt nur die Grundsicherung als Rettungsanker", sagt sie und legt nach: "Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten. Wir haben seit fünf Wochen geschlossen und noch keinen Cent erhalten."

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Licht an: Nürnbergs Friseure machen auf ihre prekäre Lage aufmerksam

Symbolische Aktion: Um auf ihre schwierige Situation im Lockdown aufmerksam zu machen, haben viele Friseure am Freitag, 22. Januar ihre Lichter angeschaltet. Auch in Nürnberg gab es eine rege Beteiligung. Die Ladentüren wurden aber nicht geöffnet: Seit Anfang Dezember sind die Friseurläden in Deutschland coronabedingt geschlossen.


Bereits in der ersten Corona-Welle im Frühjahr vergangenen Jahres mussten die Salons dichtmachen. Sechs Wochen lang war geschlossen. Die Soforthilfe des Bundes für die angeschlagene Branche wurde seinerzeit vergleichsweise zügig ausbezahlt. Allerdings sind Salon-Betreiber im aktuellen Lockdown mit Rückzahlungen konfrontiert, weil die Soforthilfe auf drei Monate ausgelegt war. "Das ist eine Menge Geld, das da zurückgefordert wird, das geht an der Praxis vorbei", stellt Rossmann fest. Er habe bereits 20 000 Euro aus seinem privaten Geld in sein Unternehmen schießen müssen. "Wer aber noch nichts ansparen konnte, weil er sein Geschäft erst aufgebaut hat, den pfeift es weg." Hätte es vor zehn Jahren so eine Pandemie gegeben, "hätte ich es sicher nicht geschafft, das zu überstehen", so der 58-Jährige.

In seinen Augen treibe man Friseurinnen und Friseure auf diese Weise regelrecht in die Schwarzarbeit. Das Kurzarbeitergeld für Angestellte beträgt 60 Prozent des Lohns, mit Kindern sind es 67 Prozent. Es fehlt das Trinkgeld der Kunden und Provisionen, falls ihr Betrieb sie am Verkauf und an der Dienstleistung beteiligt.

Verdruss über den aktuellen Lockdown, der mindestens noch bis zum 15. Februar dauert, und über die Schließung der Salons kommt auch bei Thomas Pirner, dem Präsidenten der Mittelfränkischen Handwerkskammer, mit voller Wucht an. Er kennt einige Fälle von Friseurinnen und Friseuren, die jetzt Grundsicherung beantragen müssen.

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Es hakt bei der Auszahlung

"Die beiden Lockdowns haben die Branche hart getroffen. Die Soforthilfe im Frühjahr hat größtenteils funktioniert. Aber bei der jetzigen Überbrückungshilfe III hakt es", stellt Pirner fest. Bis vor zwei Wochen habe man noch nicht einmal einen Antrag stellen können – und das bei einem Lockdown, der seit dem 16. Dezember 2020 gilt. Jetzt könne man zwar das Überbrückungsgeld über den Steuerberater beantragen – aber selbst dieser kommt oft nicht weiter, der Ball liegt bei den Behörden.

Pirner: "Die Friseure und Friseurinnen sind echt sauer, sie hatten ein durchgängiges Hygienekonzept. Mir ist nicht bekannt, dass sich Kunden oder Mitarbeiter in einem Salon mit dem Virus angesteckt hätten."

ALEXANDER BROCK

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