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Lockdown traf Nürnberger Sozialkaufhäuser mit voller Härte

"Allerhand"-Läden der Stadtmission kämpfen nun selbst um ihre Existenz - 11.06.2021 08:47 Uhr

Wer wenig hat, kann in den "Allerhand"-Läden zu sehr niedrigen Preisen Kleidung oder Haushaltswaren kaufen. Zum anderen hat die Stadtmission dort wichtige Arbeitsplätze für Benachteiligte geschaffen.

10.06.2021 © Roland-Gilbert Huber-Altjohann, NNZ


Es ist eine klassische win-win-Situation: Wer wenig hat, der kann hier günstig günstig einkaufen - von Klamotten bis hin zu gut erhaltenem Hausrat. Wer sozial und psychisch stark belastet oder schon viel zu lange arbeitslos ist, um auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, bekommt hier eine Chance auf eine sinnvolle Beschäftigung – begleitet von insgesamt acht Sozialarbeitern. So lässt sich das Konzept der "Allerhand"-Gebrauchtwarenläden der Stadtmission Nürnberg in aller Kürze zusammenfassen.

Drei solcher Läden gibt es im Nürnberger Stadtgebiet, die für bedürftige Menschen eine wichtige Stütze sind, da man dort zu sehr niedrigen, vorwiegend symbolischen Preisen einkaufen kann. Eigentlich. Denn monatelang konnte auch der Einzelhandel nicht regulär öffnen und somit auch die Allerhand-Läden nicht.

An Spenden mangelt es nicht

Doch dies traf diese wichtigen Einrichtungen mit besonderer Härte. Zwar fehlte es nicht an den nötigen Spenden. Im Gegenteil. Denn viele Menschen zeigen sich besonders großherzig denen gegenüber, denen es schlecht geht. Wie auch die alljährliche Weihnachtsaktion „Freude für alle“ der Nürnberger Nachrichten immer wieder aufs Neue beweist.

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Das Problem war ein anderes: „Wir haben zuletzt viel mehr Sachspenden als in anderen Jahren erhalten. Die Leute sortieren zuhause aus. Doch wir kriegen die Ware kaum zu den Menschen, die sie brauchen“, sagt Petra Homburg, stellvertretende Leiterin der Einrichtung. Noch schwerer wiegt, dass die Pandemie dieses Angebot grundsätzlich in die finanzielle Schieflage gebracht hat: Statt 50 000 Euro, die die drei Läden im Zeitraum Januar bis Mai eigentlich über Verkaufserlöse erzielen müssten, um keine roten Zahlen zu schreiben, wurden gerade einmal 2000 EUR eingenommen.


Terminshopping eignet sich nicht


Doch anders als gängige Läden konnten die Sozialkaufhäuser das nicht etwa durch Terminshopping kompensieren. „Unsere Kundschaft ist kein klassisches Shoppingpublikum. Und wir sind bei den Ladenöffnungszeiten mit unseren besonderen Mitarbeitenden auch zu unflexibel“, sagt Petra Homburg.

Auch Onlineverkäufe hätten das nicht abfedern können: Denn das gesamte Sortiment besteht aus Einzelteilen, die man vor Ort sehen und anprobieren muss. „Wir können dieses finanzielle Loch nur durch Geldspenden stopfen“, sagt Gabi Koszanowski, die bei der Stadtmission Nürnberg unter anderem verantwortlich für all jene Einrichtungen ist, die sich an sozial und finanziell benachteiligte Menschen richten.

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Einziger Trost: Bis auf einen kurzen Schließungszeitraum im Frühjahr 2020 konnten alle 45 Beschäftigten zwischen 40 und 60 Jahren auch während des Lockdowns betreut werden und auch weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Wenn auch nur fast ausschließlich im Lager, wo sie die Ware sortieren, ausbessern und die Läden saison-passend bestückten und ausräumten. Dennoch. Petra Homburg gibt sich keiner Illusion hin: „Nach diesem Krisenjahr werden uns mehr Menschen brauchen als vorher.“

Spendenkonto: Stadtmission Nürnberg e.V.
IBAN: DE71 5206 0410 1002 5075 01
BIC: GENODEF1EK1 Evangelische Bank eG
Stichwort: allerhand


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