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Luxusleben auf fremde Kosten: Anlagenbetrüger vor Gericht

Es geht um einen Millionen-Schaden: Laufer muss sich verantworten - 31.10.2014 06:00 Uhr

Im April wurden mehrer Luxuskarossen und Uhren des Angeklagten Jens B. versteigert. Der Erlös von 1,15 Millionen Euro wird aber nicht sehr weit reichen. © Roland Fengler


Ein Lamborghini Gallardo Spyder, ein Ferrari F430 und ein 600 PS-starker Mc Laren: Im April dieses Jahres wurde das Vermögen von Jens B. aus Lauf im Nürnberger Ofenwerk versteigert. 21 Autos, darunter zahlreiche Luxuskarossen, Kunstwerke und Uhren aus den Häusern Cartier, Chopard sowie Rolex kamen unter den Hammer. Die Auktion brachte 1,15 Millionen Euro ein.

Die Summe wird aber kaum reichen, um die Forderungen der Gläubiger von Jens B. zu erfüllen. Bei Insolvenzverwalter Harald Schwartz haben sich bislang 661 Gläubiger gemeldet. Sie meldeten Ansprüche in Höhe von insgesamt rund 109 Millionen Euro an. Allerdings sei noch nicht klar, ob all diese Forderungen auch berechtigt sind, so Schwartz.

Im Juni 2013 wurde der Laufer Finanzvermittler Jens B. wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs in Zusammenhang mit der Vermittlung von Kapitalanlagen verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Er meldete daraufhin Privatinsolvenz an. Ab Montag muss er sich einem Strafverfahren vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth stellen. Ihm werden 189 Fälle des Betrugs vorgeworfen.

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Im Ofenwerk kamen Sportwagen unter den Hammer

Am Samstag wurden im Ofenwerk in Nürnberg Besucher vom glänzenden Lack geblendet. Bei einer Auktion wurden 20 Sportwagen der Spitzenklasse zwangsversteigert. Ihr ehemaliger Besitzer kaufte diese wohl aus reinem Vergnügen. Manche wurden bisher noch nicht einmal zugelassen.


Laut Anklage soll der 42-jährige Inhaber der Firma Concept 1 seinen Kunden versprochen haben, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Unter anderem soll er den Anlegern vorgelogen haben, an besonders lukrative Mitarbeiteraktien großer deutscher Unternehmen heranzukommen. Es soll von Renditen über 20 Prozent die Rede gewesen sein.

Damit sein „Geschäftsmodell“ nicht aufflog, soll Jens B. Bestandskunden mit Geld von Neuanlegern ausbezahlt haben. Offenbar funktionierte diese Masche, die als Schneeballsystem bezeichnet wird, jahrelang: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 42-Jährige allein zwischen Januar 2009 und Juni 2013 mindestens 618 Anleger um insgesamt 56 Millionen Euro geprellt hat. Von dieser Summe soll er rund sieben Millionen Euro für private Zwecke, etwa den Kauf von Luxuskarossen, verwendet haben. 188 Anleger soll B. persönlich getäuscht haben, 430 Kunden sollen durch seine Vermittler um ihre Ersparnisse erleichtert worden sein.

Aber auch die Vermittler selbst gingen dem mutmaßlichen Betrüger offenbar auf den Leim: Sie sollen selbst 1,5 Millionen Euro in die Anlagen gesteckt haben.

Ermittlungen wegen Betrugs gegen die Concept1- Vermittler wurden mittlerweile eingestellt. Nach wie vor müssen sie aber damit rechnen, wegen des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz (KWG) belangt zu werden. Sie hatten nämlich – ebenso wie Jens B.  — keine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese Erlaubnis brauchen Finanzvermittler, die in Deutschland Bank- oder Finanzdienstleistungsgeschäfte betreiben wollen.

Eingestellt wurden auch die Ermittlungen gegen einen Rechtsanwalt, der Jens B. in einem Gefälligkeitsgutachten Bonität und Seriosität bescheinigte. Man habe eine Straftat letztendlich nicht nachweisen können, so die Staatsanwaltschaft.

Da der Angeklagte bislang nicht bereit ist, ein umfassendes Geständnis abzulegen, muss der Fall wohl mit großem Aufwand aufgeklärt werden. Alleine für dieses Jahr hat die 3. Strafkammer des Landgerichts zehn Termine anberaumt und will Dutzende Zeugen hören. 2015 soll dann weiter verhandelt werden. Sollte der 42-Jährige im Sinne der Anklage schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. 

Clara Grau (Nürnberger Zeitung)

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