"Märchenstunde": Komischer Beitrag zur Delfinlagune

8.10.2015, 08:07 Uhr
Szene aus dem Beitrag zur Delfinlagune in Nürnberg.

Szene aus dem Beitrag zur Delfinlagune in Nürnberg. © Screenshot: RTL.de

"Diazepam ist echt heavy, oder?", fragt Mario Barth. Die Hoteltesterin und Reiseexpertin Nina V. Heinemann, deren knappes Outfit der Komiker zuvor mit einem anerkennenden Pfeifen für gut befunden hatte, nickt. Gerade war den Zuschauern der Sendung "Mario Barth deckt auf" ein Beitrag über die Delfinlagune in Nürnberg gezeigt worden. Mit Heinemann in der Hauptrolle.

Ihre Aufgabe darin, so formuliert sie es: "Checken, ob die Lagune wirklich so eine Fünf-Sterne-Herberge ist, wie beim Bau angekündigt." Zu Beginn des Beitrags spricht die 35-Jährige aber zunächst einmal Tiergartendirektor Dag Encke auf die sinkenden Besucherzahlen und falsche Prognosen an. Denn bei "Mario Barth deckt auf" geht es um Steuergeldverschwendung - eigentlich. Der Tiergarten könne das Minus mit einer Preiserhöhung leicht wettmachen, entgegnet Encke.

Eher aufgewärmt als aufgedeckt wird daraufhin die seit über drei Jahren bekannte Kostenexplosion beim Bau der Lagune auf über 30 Millionen Euro. Dass nur elf Prozent der Kosten direkt aus Steuergeldern finanziert wurden, kommt nicht zur Sprache. Dafür thematisiert die Hoteltesterin die Millionen-Sanierung, die wegen einer undichten Fuge am Beckenkopf bereits vier Jahre nach der Fertigstellung notwendig ist. Aufgedeckt? Nö, ebenfalls längst bekannt.

Danach, so scheint es, hat Heinemann ihre Aufgabe erfüllt und widmet sich ihrer ganz persönlichen Mission: der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft. Dass dieses Thema die Blondine tief bewegt, belegt unter anderem ein Facebook-Post vom 23. September: "Ich weiß nicht, was man dazu noch sagen soll... Es ist unsagbar grausam und diese wundervollen Tiere werden einfach geschlachtet oder gefangen um in Delfinarien Kunststücke unter Drogen vorzuführen... Der Mensch ist eine Bestie!", schreibt sie darin. 

Aufblasbare Delfine und Delfin-Luftballons

Nacheinander kommen nun der Tiermediziner Dr. Wieland Beck, der ehemalige Flipper-Trainer Ric O'Barry und der Wal- und Delfinschützer Jürgen Ortmüller zu Wort. Beck äußert sich zu den von Tierschützern schon lange genannten Vorwürfen, die Delfine würden mit Diazepam, einem starken Beruhigungsmittel, ruhiggestellt. Man "sollte es nicht dauerhaft geben", so der Tiermediziner.

Der Ex-Flipper-Trainer O'Barry, mit dessen "Dolphin Project" Heinemann offensichtlich sympathisiert, möchte sich vor allem bedanken: "Thank you Mario Barth, for getting our message out!" Wal- und Delfinschützer Ortmülller führt an, dass in Nürnberg bereits 30 Delfine verstorben seien und benennt ein "Dolphin-Care-Projekt" im Roten Meer als Alternative zur Lagune.

Der Beitrag endet mit einem Einspieler, in dem die versammelte RTL-Prominenz und zwei Fußball-Moderatorinnen "Freiheit für Flipper!" rufend aufblasbare Delfine in einen Fluss werfen oder Delfin-Luftballons in den Himmel steigen lassen. Zeitgleich startet Mario Barth auf Twitter einen Aufruf, der allerdings bis Donnerstagmorgen schnell verpufft war: 

Die erste Reaktion aus Nürnberg ließ nicht lange auf sich warten. "Ende der Märchenstunde... So schlechte Sendungen muss man nicht sehen", postete etwa Bürgermeister Christian Vogel, der im Vorfeld bereits Zweifel an der Seriösität angemeldet hatte, auf Facebook. Vogel wirkte wenig amüsiert. Kein Wunder. Komisch war der Beitrag zwar allemal. Aber eben nicht witzig.

Einen Blogbeitrag zum Thema finden Sie hier.

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