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Marodes Opernhaus: Sanierung kostet dreistelligen Millionenbetrag

Kommission soll Fehler bei der Planung vermeiden - 10.05.2021 01:21 Uhr

Das Opernhaus stiftet Identität für die Nürnberger Bevölkerung, so Kulturbürgermeisterin Julia Lehner.

27.04.2021 © Günter Distler, NN


Für Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner ist die Sanierung und die Erweiterung des Opernhauses am Richard-Wagner-Platz „das größte Bauvorhabens Nürnbergs für Jahrzehnte“. In der ersten Sitzung der Opernhaus-Kommission machte die CSU-Politikerin deutlich, dass „wir an einem Punkt angekommen sind, wo wir an der Sanierung nicht mehr vorbeikommen“.

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Die bewegte Geschichte des Nürnberger Opernhauses

In den nächsten Jahren steht die Generalsanierung des Opernhauses bevor. Obwohl das Staatstheater und die Stadt dieses Mammutvorhaben bereits planen, sind viele Details noch unklar, ebenso der Zeitplan. Dabei dürfte in dem Gebäude kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das 1905 eröffnete Opernhaus blickt auf eine lange, turbulente Vergangenheit zurück. Hier ein Überblick.


Seit rund 20 Jahren weiß die Stadtspitze um das Problem, denn die Sanierung von 1998 war nur ein mit Pinsel und Farbeimer. Wenn die Notfallmaßnahmen beim Brandschutz in den vergangenen Monaten nicht erfolgt wären, dann hätte das Opernhaus aus dem Jahr 1905 wohl aus Brandschutzgründen und wegen Verstößen gegen die Arbeitsstättenverordnung kurzfristig schließen müssen. Mit der Sanierungsmaßnahme hat sich die Stadt drei bis maximal fünf Jahre Zeit erkauft, die Generalsanierung gründlich vorzubereiten.

Baulicher Kollaps

Laut Baureferent Daniel Ulrich haben auch Berlin, Stuttgart, Düssseldorf, Frankfurt und Köln das gleiche Problem wie Nürnberg: Die Sanierung ihrer Opernhäuser ist extrem teuer. Laut Ulrich belaufen sich die Baukosten für die Referenzobjekte von 400 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. Dass es in Nürnberg teuer wird, weiß man, aber es darf nicht zu teuer werden.

Dafür hat die Stadt eine Opernhaus-Kommission berufen. Neben Stadträten, Vertretern der Bau- und Kulturverwaltung, sind die Spitzen des Staatstheaters aber auch die Altstadtfreunde, der Bund Naturschutz und das Germanische Nationalmuseum vertreten. Die Kommission soll beraten. Dass das Opernhaus baulich kurz vor dem Kollaps steht, machte Staatsintendant Jens-Daniel Herzog mit einem Film, den er „virtuellen Rundgang des Grauens“ nannte, deutlich.

Suche nach mehr Platz

Es geht aber nicht nur um die Sanierungskosten des Opernhauses, sondern auch um den Bau einer Probebühne, um größere Magazinräume und um die Zusammenlegung der Verwaltung des Staatstheaters am Richard-Wagner-Platz. Das Staatstheater braucht mehr Platz, dann seien auch internationale Kooperationen möglich, so Herzog. Immerhin beschäftigt das Staatstheater 650 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Hinzu kommen noch 350 Saisonkräfte. Derzeit wird ein Bedarfsprogamm erarbeitet und geprüft, ob es überhaupt umsetzbar ist. Teuer wird aber nicht nur die Sanierung, sondern auch die Interimsspielstätte für die Oper während der der Bauarbeiten.

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Die Angebote für eine Interimsspielstätte, die auf zehn Jahre angelegt ist, werden laut Alexander Leupold, der im Baureferat für kulturelle Großprojekte zuständig ist, geprüft. Lehner möchte mit der Ausweichspielstätte nicht auf die Grüne Wiese. Auch spiele die Nachhaltigkeit bei dem Vorhaben eine große Rolle.


Zerstört und wieder auferstanden


Favorit ist offenbar die Kongresshalle, auch wenn es erst eine Ideenskizze gibt: Vier der 16 Teile des Rundbaus sollen Ateliers werden, in die übrigen zwölf Segmenten kann die Probebühne zusammen mit Büros, Fundus, Aufenthaltsräumen untergebracht werden. Der eigentliche Aufführungsraum mit Orchestergraben soll im Innenhof entstehen.

Kostenberechnungen gibt es noch keine. In ihrer Begründung, warum das Vorhaben für die Stadt Nürnberg so wichtig ist, betonte Lehner dass die Sanierung des Opernhauses nicht nur ein Kulturprojekt, sondern auch eine Stadtentwicklungsprojekt zwischen Südstadt und Altstadt Ist. „Das Opernhaus ist ein Identität stiftendes Projekt für die Bevölkerung.“

Niederschwelliger Zugang

Herzog und andere Redner betonten, dass das sanierte Opernhaus für die nächste Generation gedacht und den Bedürfnissen der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gerecht werden müsse. Auch solle der Zugang niederschwellig sein. In der Opernhaus-Kommission bleiben derzeit die Vertreter der Hochkultur allerdings unter sich. Der Öffnungsgedanke ist bislang theoretischer Natur.


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