Mehr illegale Autorennen: Gefahr bei Treffen von Autoposern wächst

21.3.2021, 05:58 Uhr
Bei den Tuning-Treffen in Nürnberg inspiziert die Polizei regelmäßig Fahrzeuge und kontrolliert, ob verbotene Technik verbaut ist.

Bei den Tuning-Treffen in Nürnberg inspiziert die Polizei regelmäßig Fahrzeuge und kontrolliert, ob verbotene Technik verbaut ist. © Foto: News 5

Sie sind ein ohrenbetäubendes Ärgernis für Anwohner: illegale Autorennen. Und es werden mehr. Bis Dezember 2020 sei in 466 Fällen ermittelt worden, so ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums; 2019 waren es noch 311. In Nürnberg gab es nach Angaben im aktuellen Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums mit Bezug zur Tuningszene insgesamt 760 Geschwindigkeitsverstöße, inklusive illegaler Rennen.


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Doch die Szene, die sich 2020 in Nürnberg traf, hat sich nach Polizeiangaben aufgrund der Pandemie verändert: Aufgrund des Lockdowns mischten bei Treffen der Autoschrauber immer mehr Partygäste mit, da Clubs und Bars bis heute geschlossen sind. Was die polizeilichen Kontrollen betrifft, sind neben Verstößen gegen Verkehrsvorschriften solche gegen das Infektionsschutzgesetz hinzugekommen.

Illegale Autorennen am Rande von Tuning-Treffen

Beliebte Orte, an denen sich die Szene trifft, sind nach wie vor der Bereich um die Zeppelintribüne und der Großparkplatz eines Möbelhauses an der Ingolstädter Straße. Am Rande dieser Treffen kommt es immer wieder zu illegalen Autorennen. Grundsätzlich haben die Beamten durchaus Verständnis für die Tuner, soweit deren Fahrzeuge keine verbotenen Veränderungen aufweisen. Der Austausch, das Fachsimpeln und die gegenseitige Bewunderung seien wichtig, sagt ein Polizeisprecher.

Regelmäßig trafen sich ab dem Saison-Auftakt im April 2020 immer wieder hunderte Teilnehmer in Fürth und Nürnberg. Insbesondere wegen der mit der Pandemie einhergehenden Infektionsgefahr versuchte die Polizei entschieden, die Treffen zu verhindern: Gezielt wurden beliebte Anlaufstellen abgesperrt und Platzverweise erteilt. Geschwindigkeitskontrollen wurden durchgeführt und ein Augenmerk auf die an und in den Autos verbaute Technik gelegt. Wurden verbotene Teile zum Hochfrisieren verwendet, hat die Polizei das Fahrzeug beschlagnahmt. Besonders beliebt sind Modelle wie Mercedes AMG oder BMW M.


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Die Polizei hatte in diesem Zusammenhang viel zu tun: Sie erteilte bei Treffen im Stadtgebiet 4295 Platzverweise, stellte 79 Fahrzeuge sicher oder leitete 378 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten, beispielsweise wegen Rotlichtverstößen, ein.

Die Beamten setzen zudem auf Aufklärung. Sie weisen die Tuner auf die Gefahren illegaler Rennen – auch für Unbeteiligte – hin und geben ihnen zu verstehen, dass die Polizei ein Auge auf sie hat, so Christian Daßler, Sachbearbeiter für Verkehr bei der Polizei. Bisweilen verfolgt die Polizei die Raser und hält deren Geschwindigkeit auf Videos fest.

"Durch Lärm auffallen"

"Das Gefahrenpotenzial liegt weniger bei den Tunern, die ihre Autos zeigen wollen und in der Regel friedlich sind, sondern vordringlich in der Autoposer-Szene", erklärt Daßler. Denn: "Sie wollen, dass ihre Autos durch Lärm auffallen." Bei den Tuner-Treffen gebe es immer wieder Teilnehmer, die unangenehm in Erscheinung treten. Zum Beispiel mit gefährlichen Fahrmanövern wie "Burnouts", bei denen die Reifen durchdrehen oder kurze, starke Beschleunigungsaktionen.

Manch ein Autonarr gerät auch ins Visier der Beamten, weil er bestimmtes Zubehör verbaut hat. Ein Beispiel: Ein so genannter Klappenauspuff erzeugt ein lautes Röhren. Die Folge: Anwohner werden dadurch regelmäßig aus dem Schlaf gerissen. Bei den Ordnungshütern gingen Beschwerden über die lärmenden Teilnehmer der Massentreffen ein.

Strafrechtliche Verfolgung nicht leicht

Diese Ansammlungen seien ein Phänomen der Pandemie: "Vor Corona haben wir das so nicht beobachtet", erinnert sich Daßler. Damit aber Raser strafrechtlich belangt werden können, müssen sie auf frischer Tat ertappt werden – und das ist oft nicht leicht, hat sich das illegale Kräftemessen doch meist nach kurzen Beschleunigungen wieder erledigt. Wenn die Polizei vor Ort erscheint, ist es oft zu spät. Bleibt also nur, auf Radarfallen zu setzen und auf Streifen, die den Vorfall mitbekommen.

In den kalten Monaten sind die Tuner naturgemäß seltener unterwegs. Doch bald treten sie und die Poser wieder in Erscheinung. Dann, wenn die Temperatur wieder steigt.

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