Dienstag, 25.02.2020

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Mehrere Hitler-Bilder kursieren an Nürnberger Schulen

Schulbürgermeister Klemens Gsell: "Wir dürfen hier nicht wegschauen" - 16.01.2020 05:50 Uhr

Immer häufiger werden Klassenzimmer und Schulhöfe zum Austauschort von rechtsextremem Gedankengut. © dpa / Montage: nordbayern.de


So hat Harald Fischer, Schulleiter am Neuen Gymnasium Nürnberg (NGN), vor einigen Tagen Eltern schriftlich davor gewarnt, dass Bilder mit NS-Hintergrund in Klassenchats kursieren.

"Das Thema hat uns überrollt. Es ist schlimm, dass unsere jüngsten Schüler bei WhatsApp ganz leicht an NS-verherrlichendes Material herankommen", sagt der Schulleiter im Gespräch mit der Redaktion. Er fügt an: "Es waren wohl nur punktuelle Einzelfälle, die große Epidemie scheint es nicht zu sein."

"Wir dürfen hier nicht wegschauen"

2018 hat der Messenger-Dienst WhatsApp eine Sticker-Funktion eingeführt. Dieser Service sorgte schon bald für Aufregung. Denn die Nutzer können nicht nur lustige Bilder von Comicfiguren oder Einhörnern herunter laden, sondern auch eigene Sticker erstellen. Und so wurden binnen kürzester Zeit auch schockierende Sticker mit Nazi-Symbolen verschickt — und tauchten auch in Klassenchats an Schulen im Bundesgebiet auf.

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Für Nürnbergs Schulbürgermeister Klemens Gsell (CSU) war es der richtige Weg, mit dem Elternbrief in die Offensive zu gehen. "Wir dürfen hier nicht wegschauen!" Ihm ist eine zweite Nürnberger Schule bekannt, die mit diesem Problem zu kämpfen hatte. So hat ein Berufsschüler vor Weihnachten Bilder mit verfassungswidrigen NS-Symbolen im Klassenchat verbreitet.


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Auch die dortige Schulleitung fackelte nach Bekanntwerden des Vorfalls nicht lange: "Es gab schul- und arbeitsrechtliche Konsequenzen.“ Doch Klemens Gsell sagt auch, dass nicht nur die Schulen wachsam sein sollten: "Bei der Medienerziehung sind die Eltern in der Pflicht!"

"Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen"

Gewaltdarstellungen, extremistische Inhalte, Kinderpornografie: Schüler- oder Klassenchats mit strafrechtlich relevanten Inhalten gibt es laut Polizeipräsidium Mittelfranken bundesweit immer wieder. Polizeisprecher Robert Sandmann: "Auch beim Polizeipräsidium Mittelfranken werden regelmäßig Verfahren in diesem Zusammenhang geführt.“

 

Wie viele Fälle es in Nürnberg beziehungsweise Mittelfranken sind, kann die Polizei aufgrund von "unterschiedlichen Erfassungsmodalitäten" nicht beantworten. Allerdings teilt Sandmann mit: "Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.“

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