Dienstag, 13.04.2021

|

zum Thema

Millionen-Bau: Nürnbergs Hightech-Feuerwache im Wartestand

Betrieb im Neubau soll im Frühjahr 2021 starten - 03.10.2020 14:55 Uhr

An der Ecke Reutersbrunnen-/Maximilianstraße ist die neue Feuerwache 1 für 50 Millionen Euro entstanden. In Betrieb geht sie verspätet im Frühjahr 2021.

29.09.2020 © Foto: Michael Matejka


Im schicken Klinkerbau mit dem durchgehenden Fensterband und den abgerundeten Ecken brennt auch schon Licht – und man hat den Eindruck, dass dort schon Leute arbeiten. Doch von Einsatzfahrzeugen noch keine Spur, was darauf schließen lässt, dass der Betrieb von der alten Feuerwache an der Ecke Reutersbrunnen-/Willstraße noch nicht verlegt wurde.

Am 1. Mai 1902 wurde die alte Feuerwache 1 an der Ecke Will-/Reutersbrunnenstraße bezogen. Ihre Tage sind gezählt – und eine kulturelle Nutzung ist im Gespräch.

29.09.2020 © Foto: Jo Seuß


Auf Anfrage bestätigt Bürgermeister Christian Vogel, dass sich die ursprünglich für Frühjahr 2020 geplante und dann bereits auf Sommer 2020 verlegte Fertigstellung des 50-Millionen-Euro-Projektes "in den letzten Monaten durch verschiedene Faktoren weiter verzögert hat". So seien "einige Bereiche nicht wie geplant durch die beauftragten Firmen fristgerecht übergeben worden", was weitere Verspätungen nach sich zog.

Laut Vogel wird nach aktuellem Sachstand "erst im ersten Quartal 2021 der Betrieb vollständig von der neuen Feuerwache starten können". Bis zum März könnte es dauern, bis die alte Wache vollständig ausgeräumt ist und der komplette Standortwechsel der Berufsfeuerwehr im Nürnberger Westen abgeschlossen ist, heißt es. Doch schon zuvor ziehen die meisten Sachgebiete ins neue Domizil, was zwischen Oktober und Ende November 2020 terminiert ist. Die sogenannte "einsatztechnische Betriebsaufnahme" ist derzeit "auf Anfang Dezember 2020 terminiert", berichtet Vogel.

Bilderstrecke zum Thema

Hilfeschreie, Flammen, Verletzungen: Flughafenfeuerwehr probt den Ernstfall

Flammen züngeln in die Höhe, Menschen rufen um Hilfe, Einsatzkräfte sind vor Ort: Am Airport Nürnberg waren am Samstag knapp zwei Stunden lang Szenen wie in einem Actionfilm zu beobachten. Grund dafür war eine Übung.


Zur künftigen Nutzung der alten Feuerwache 1, die nach den Plänen des Architekten Otto Seegy gebaut und am 1. Mai 1902 in Betrieb genommen wurde, kann Vogel nichts Konkretes sagen. Bis auf weiteres gilt aber weiterhin der Stadtratsbeschluss vom November 2018. Der Stadtplanungsausschuss hatte damals einstimmig beschlossen, dass die Stadt Nürnberg die Immobilie in der Reutersbrunnenstraße 24 erst mal behalten wird.

Zusage an das Sozialreferat

Das vorgesehene Grundkonzept sieht eine Verwendung für Schule, Kultur und Kinderbetreuung vor, Wohnungsbau wurde ebenfalls zugelassen. Zudem gibt es die Zusage an das Sozialreferat, dass das Nachbarschaftshaus Gostenhof für die Zeit der notwendigen Generalsanierung des Gebäudekomplexes in der Adam-Klein-Straße 6 in den Feuerwache-Räumen ein Interimsdomizil erhält.


Nürnberger Feuerwehr-Leitstelle platzt aus allen Nähten


Aus der Sicht von Sozialreferentin Elisabeth Ries gilt dieser Beschluss weiterhin. Offen ist aber, wann die Sanierung kommen wird. Seitens des Hochbauamtes wird schon länger an einem Raumkonzept gebastelt, das aber bei den vielen Gruppen des Nachbarschaftshauses zum Teil auf wenig Begeisterung gestoßen ist. Dort geht man davon aus, dass ein Umzug frühestens im Jahr 2024 kommen wird.

Der Knackpunkt: Bislang liegen weder konkrete Kostenschätzungen für den zuerst notwendigen Umbau der alten Feuerwache vor, noch für die Sanierung des Nachbarschaftshauses. Mit Blick auf andere Großprojekte wie Opernhaus und Kongresshalle sieht Baureferat Daniel Ulrich die Stadträte gefordert, Prioritäten zu setzen. Erst recht wegen drohender Sparzwänge in Corona-Zeiten.


Nürnberger Feuerwache 1: Eine der modernsten Wachen Deutschlands


Ein Auge auf die alte Feuerwache hat, abgesehen von der Reutersbrunnenschule, auch das Bewerbungsbüro für die Kulturhauptstadt 2025 geworfen. Unter dem Motto "The Garage Project" taucht eine kulturelle Nutzung im aktualisierten "Bid Book" auf. Laut Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros, geht es hier um die Frage, "was mit den Garagen passieren kann – im Sinne einer nachhaltigen und regional vernetzten Nutzung".

Bilderstrecke zum Thema

Top Ten: Das sind die größten Wohnanlagen Nürnbergs

Nürnberg ist zwar nicht Manhattan, in der Frankenmetropole ragen dennoch einige markante Hochhäuser in den Himmel. Einige Wohnanlagen beherbergen sogar um die 500 Menschen. Welche das sind, lesen Sie in unserer Bildergalerie.


Ab 2022 wird jedenfalls eine "Interimsnutzung der Garagen" angestrebt – "partizipatorisch entwickelt, mit der Nachbarschaft und dem Verein Nürnberger Initiative für Kommunikationswirtschaft (NIK)". Wagnerhält zudem ein (kulturelles) Miteinander mit dem Nachbarschaftshaus Gostenhof für machbar.

Im Jahr 2024 sieht Wagner eine Chance für den Umzug in den Kopfbau der alten Feuerwache, über das Hauptgebäude sei noch nicht gesprochen worden. Klar ist ansonsten: Sollte Nürnberg am 28. Oktober den Zuschlag erhalten, stehen Gespräche mit allen Beteiligten und Partnern auch über die alte Feuerwache an. Ob auch Ideen von externen Bewerbern – etwa für gemischte Wohn- und Kulturprojekte – eine Perspektive haben, ist völlig offen.


Verpassen Sie keine Nachricht mehr!

In unserem neuen täglichen Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

3

3 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Eberhardshof