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Millionen-Investition: Sanierung des Z-Baus ist beendet

Oberbürgermeister Maly: "Wir hatten nicht vor, so viel Geld auszugeben" - 15.02.2019 05:19 Uhr

Kaum wiederzuerkennen: Der große Saal im Z-Bau präsentiert sich nach seiner Sanierung endlich als moderne Bühne für Musikgruppen aller Stile. Wegen fehlender Brandschutz- und Fluchtwegeinrichtungen war er lange Jahre nur noch für kleine oder private Veranstaltungen zugelassen. © Michael Matejka


Flaschen ohne Gläser, Stehtische statt Stühle, dazu Rotlicht und etwas Disco-Glitzern – der Festakt am Mittwochabend ging passend zum formlosen Charakter des Orts über die Bühne. Sechs Jahre nach Beginn des Umbaus feierten rund 150 Gäste den Abschluss der Bauarbeiten im Z-Bau an der Frankenstraße. Seit 2013 ließ die Stadt Nürnberg mit dem Architekturbüro "2-bs" die Problem-Immobilie in Etappen sanieren. Die Alternative wäre die Schließung gewesen – das städtisch betreute Kulturzentrum in den schadstoffbelasteten Räumen aus der Nazi-Zeit war damals kaum noch nutzbar.

Der zweite Bauabschnitt ging im vergangenen Dezember zu Ende. Der größte Veranstaltungsraum ist jetzt als Spielort für bis zu 1000 Besucher ausgerüstet, bekam moderne Tontechnik und eine Bar. Unsichtbar für den Besucher, kam neben der Sanierung der Haustechnik und der Betondecken der Austausch des Dachs hinzu. Der Dachstuhl war durch Holzschutzmittel aus der Zeit der Nutzung durch die US-amerikanische Armee verseucht gewesen.

"Wir hatten nicht vor, so viel Geld auszugeben"

Das Gebäude erhielt außerdem Schallschutz, eine Küche, Backstage- und Musikproberäume. Die 6,59 Millionen Euro teuren Maßnahmen ließen sich schneller als geplant umsetzen, weil die Stadt unverhofft vier Millionen aus einem Bundesprogramm für kommunale Sanierungsprojekte erhalten hatte. Bereits für den ersten Bauabschnitt hatte es Millionen-Zuschüsse der Europäischen Union gegeben. Insgesamt kostete die Sanierung des Komplexes 14,1 Millionen Euro. Die Hälfte davon zahlte die Stadt Nürnberg.

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"Wir hatten nicht vor, so viel Geld auszugeben", gestand Oberbürgermeister Ulrich Maly. Er erinnerte mit Kulturreferentin Julia Lehner an das zähe kommunalpolitische Ringen um das Haus, das seit 1999 zunächst befristet Künstler und Subkultur-Initiativen beherbergte. Heute sei der Z-Bau ein "Glücksfall für die kulturelle Entwicklung der Stadt", sagte Maly. Die Nutzung als offenes Kunstförderzentrum sei "die wohl schönste Form der Spät-Entnazifizierung". Seine experimentellen und freiheitlichen Ausdrucksformen böten "eine Kultur, vor der sich die Nazis fürchterlich gefürchtet hätten".

Der Z-Bau neben dem Bundesamt für Migration, benannt nach seinem z-förmigen Grundriss, ist ein Teil der 1939 errichteten SS-Kaserne an der Frankenstraße. Die US-Army, die die Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte – den Z-Bau dabei als Kino –, zog 1991 aus. Ende der 1990er Jahre übernahm die Stadt Nürnberg den damals bereits stark sanierungsreifen Z-Bau vom Bund, um darin Kulturprojekte unterzubringen. Als wegen des schlechten Bauzustands Betriebsgenehmigungen ausliefen und die Hausnutzer in Streit gerieten, stand das Projekt mehrfach vor dem Aus. 2010 entschied sich der Stadtrat dann für eine Rettung und Neuordnung. Diese erwies sich als aufwändiger als gedacht.

Konzept scheint aufzugehen

Das alternative Kulturzentrum nennt sich seit seinem Neuanfang 2015 "Haus der Gegenwartskultur". Für Andreas Wallner, den stellvertretenden Geschäftsführer, bedeutet das: "Wir kooperieren, diskutieren, vermieten, bieten Infrastruktur und Möglichkeitsräume." 20 hauptamtliche Mitarbeiter planen Programme von Lesungen über Partys und Ausstellungen bis zu politischen Diskussionen. Zu den Dauermietern zählen zum Beispiel bildende Künstler, ein Tonstudio, eine Hobby-Brauerei, eine Zirkus- und eine Graffitischule. Im Jahr 2017 verzeichnete der Z-Bau rund 100.000 Besucher, 2018 etwas weniger wegen der Baustelle.

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Das Konzept scheint aufzugehen – auch zum Verdruss von Kreativen, die leer ausgehen und sich von der Stadt viel mehr Förderung nichtkommerzieller Kultur wünschen. "Der Bedarf übersteigt das, was wir bieten können, um ein Vielfaches", sagt Wallner. Auf die sieben neuen Proberäume für Bands, voraussichtlich ab Mai verfügbar, ist ein Ansturm zu erwarten. Die Wartelisten für die Ateliers und Studios seien „unendlich lang“. Und der neue Saal ist an den Wochenenden bereits bis Jahresende gebucht. 

Isabel Lauer

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