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Dienstag, 21.05.2019

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Millionen-Projekt: Nürnberg sucht eine neue Supertram

Inbetriebnahme für 2022 geplant - doch Arbeiten bei VAG laufen auf Hochtouren - 17.01.2019 05:06 Uhr

Projektleiter Johannes Wendland (v. li.), Tim Dahlmann-Resing vom VAG-Vorstand und Geschäftsbereichsleiter Thomas Luber zwischen zwei Zügen aus München (Mi.) und Krakau (re.), die im Sommer getestet wurden. © Johannes Hirschlach / VAG


Ein Auto kaufen, kann man an einem Tag. Wenn ein Verkehrsbetrieb neue Straßenbahnzüge anschafft, mahlen die Mühlen wesentlich langsamer. Selbst wenn man dafür — wie es VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger formuliert — einen "sportlichen Zeitplan" aufgestellt hat. Ziel des Verkehrsbetriebs: die Beschaffung von zwölf neuen Schienen-Fahrzeugen bis Ende 2022. Der für Außenstehende recht lange Vorlauf von fast vier Jahren ist aber tatsächlich "sportlich", wenn man die Besonderheiten eines derartigen Kaufs berücksichtigt. So muss die Beschaffung europaweit ausgeschrieben werden. In einem ersten Schritt werden dazu alle infrage kommenden Hersteller in Europa eingeladen, zu bekunden, ob sie ein Angebot abgeben wollen, erläutert VAG-Sprecherin Seitzinger.

Dabei entscheidet sich nicht nur, wer mitbieten will und kann, sondern auch, wer darf. Denn die Anforderungen sind nicht ohne. Weil beispielsweise die Zulassung neuer Züge sehr langwierig ist, sollen nur Anbieter zum Zuge kommen, die in Deutschland bereits zugelassene Züge vorweisen können. Der ohnehin überschaubare Markt schmilzt damit auf etwa eine Handvoll potenzieller Wettbewerber zusammen. Weitere technische Vorgaben der VAG: Um im bestehenden Streckennetz einsatzfähig zu sein, müssen die Züge in der Lage sein, auch unter 3,80 Meter hohen Oberleitungen oder in Kurven mit einem Radius von 18 Metern zu fahren und Steigungen von 7,63 Prozent auf 200 Metern zu bewältigen. Die neuen Straßenbahnzüge dürfen zudem maximal 37 Meter lang sein und sollen eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern erreichen.

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Was die Bauweise angeht, sind Einrichtungswagen "mit einer minimalen Anzahl von Gelenken" verlangt. Gefordert sind zudem fünf bis acht Doppeltüren, die alle niederflurig angelegt sind. Eine durchgängig niederflurige Bauweise aber, wie beim derzeitigen Fahrzeugbestand der VAG, wird dagegen ausdrücklich nicht mehr gefordert. Zugelassen sind auch Modelle, deren Inneres nur zu 70 Prozent niederflurig gestaltet ist. Hintergrund sind bauartbedingte Nachteile bei den Betriebs- und Instandhaltungskosten, die reine Niederflurfahrzeuge oft mit sich bringen, heißt es. Leichtgemacht hat man sich die Entscheidung für eine potenzielle Abkehr von der durchgehend niederflurigen Bauweise dennoch nicht. Wie berichtet, hat die VAG im Sommer Straßenbahnen beiden Typs aus München und Krakau nach Nürnberg geholt und mehrere Tage lang getestet.

Option für 75 weitere Fahrzeuge

Wie bereits bei der Anschaffung aller bisherigen Fahrzeuge, hat man dabei auch das Gespräche mit Behinderten-, Blinden und Seniorenverbänden gesucht. Das Ergebnis laut Elisabeth Seitzinger: Sie können sich beide Versionen vorstellen. "Auch die 70-Prozent-Niederflurfahrzeuge haben ja spezifische Vorteile, die aus Sicht der Barrierefreiheit ein Plus sind", sagt die Pressesprecherin und betont, dass es mit den Verbänden auch nach einer Bestellung Gespräche gebe. Bis dahin werden aber wohl noch Monate vergehen.

Nach dem Teilnahmewettbewerb, der bis zum 28. Januar dauert, soll laut VAG "spätestens im März" feststehen, welche Firmen um ein Angebot gebeten werden, die Bestellung will man bereits im Herbst aufgeben, obwohl die endgültige Auswahl eine potenziell weitreichende Entscheidung für Nürnberg bedeutet: Neben den zwölf bestellten Zügen wird nämlich auch über die Option verhandelt, bis zu 75 weitere Fahrzeuge zu kaufen. 

Volkan Altunordu

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