Vorstellung im Stadtgraben

Mit diesem Konzept will Nürnberg die Landesgartenschau holen

25.6.2021, 15:47 Uhr
Die Stadtspitze wirbt im Nürnberger Stadtgraben um das Projekt

Die Stadtspitze wirbt im Nürnberger Stadtgraben um das Projekt "Landesgartenschau in Nürnberg 2030": Baureferent Daniel Ulrich, OB Marcus König, Umweltreferentin Britta Walthelm und Bürgermeister Christian Vogel (v. li.) © Stefan Hippel, NNZ

Den Rückhalt aus dem Stadtrat hat die Rathausspitze erhalten. Jetzt gilt es, buchstäblich raus zu gehen, um das Vorhaben in die Stadtbevölkerung zu tragen: Dafür trafen sich die Zuständigen im Stadtgraben und warben für das Projekt "Urbane Gartenschau in Nürnberg 2030". Der fünf Kilometer lange Stadtgraben mit einer Fläche von rund 13,5 Hektar (mit angrenzenden Bereichen ergibt sich eine Gesamtfläche von etwa 20 Hektar) soll der zentrale Ort für eine Landesgartenschau im Jahre 2030 werden.

"Wir möchten mit der Gartenschau in Nürnberg Ideen und Lösungen entwickeln und nicht nur die dicht bebaute Altstadt grüner machen und bestehende Grünanlagen besser nutzen - auch angrenzende Stadtteile jenseits der Stadtmauer sollen einbezogen werden", verspricht Oberbürgermeister Marcus König (CSU).

"Die Nachhaltigkeit der Stadtfinanzierung ist in Gefahr"

Doch das wird eine "riesige Herausforderung", sagt Bürgermeister Christian Vogel (SPD), der sich offen zu dem Projekt bekennt, obwohl seine Fraktion im Stadtrat, die auch Kooperationspartner der CSU ist, gegen das Vorhaben gestimmt hatte - und unterlag. Eine Bewerbung würde 20 Millionen Euro kosten - Geld, das man anderswo besser investieren könnte als im Stadtgraben, begründete SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm das "Nein" aus den Reihen der Sozialdemokraten. Schützenhilfe im Stadtrat bekam Brehm von seinem Parteigenossen und Nürnbergs Finanzreferenten Harald Riedel. Der sieht die Nachhaltigkeit der Stadtfinanzen in Gefahr: Die Kluft zwischen dem, was der Stadtrat beschließt und dem, was die Stadt sich leisten könne, werde immer größer, sagte er. Und Vogel? "Ich bin Mitglied dieser Verwaltung, ich bin Chef vom Servicebetrieb öffentlicher Raum. Demnach habe ich einen Auftrag, den mir der Stadtrat am Mittwoch gegeben hat und den erfülle ich ohne wenn und aber und ich erfülle ihn gerne", sagt der Bürgermeister beim Treffen im Stadtgraben.

Die Stadt rechnet mit einem Eigenanteil von etwa 20 Millionen Euro. Fördermittel und Sponsorengelder sollen die Finanzierung der Gartenschaukosten vervollständigen. Baureferent Daniel Ulrich (parteilos) rechnet aber auch mit Förderungen, wenn Nürnberg den Zuschlag für die Gartenschau erhält. "Die Landesgartenschau ist dann auch Vehikel, um an Fördertöpfe der EU zu gelangen", sagt er.

Im April 2022 muss Bewerbung eingereicht werden

Jetzt will die Stadtspitze die Bürger ins Boot holen und etwa Gespräche mit den Bürgervereinen führen, da die Gartenschau mit mehr Grün und einer besseren Vernetzung in die Stadtteile nachhaltig wirken soll. "Wir können den Rathenauplatz, den Nägeleinsplatz und auch die Hesperidengärten mit einbeziehen", sagt OB König. Ende des Jahres, so der OB, soll das Konzept dafür stehen. Im April 2022 muss die Bewerbung eingereicht werden. Bis Juni erfährt die Stadt dann, ob sie erfolgreich war. Wenn ja, bleiben acht Jahre für Ausschreibung, Planung und Ausführung. Mitbewerber? Ja, die gibt's. Es sind kleine und mittlere bayerische Städte wie Bad Kissingen, Straubing oder Weilheim.

Der Stadtgraben wird derzeit nur zurückhaltend von der Bevölkerung genutzt. Er sieht auch an manchen Stellen unaufgeräumt aus: An einer Ecke liegen Pflastersteine auf einem Haufen, auf der Seite des Vestnertorgrabens wurde schon vor Jahren ein Erdhügel aufgeschüttet, um die an dieser Stelle noch sanierungsbedürftige Stadtmauer zu stützen. Dabei ist sie laut Christian Vogel ein Vorzeige-Stück der Altstadt, das herausgeputzt werden müsste. "Eine derartige Stadtmauer gibt es in Europa kein zweites Mal", sagt er. Baureferent Ulrich ergänzt: "Es ist die längste Stadtmauer und der längste Stadtgraben in Europa, den kein Feind Nürnbergs überwunden hatte - außer die Nürnberger ließen ihn selbst rein."

Artenvielfalt auf der Burg

Dass die Stadtmauer, die Burg und die gesamte Altstadt ein Hort für seltene Tierarten ist, hebt Umweltreferentin Britta Walthelm (Grüne) hervor. Es müsse daher mehr getan werden, um Grün- und Freiräume in der Stadt zu realisieren. Auch deswegen, weil "die Erderhitzung in Nürnberg schon lange angekommen ist".

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