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Mitglieder der Nürnberger CSU fordern Seehofers Rücktritt

"Es wäre am gescheitesten, er nähme seinen Hut“, findet Kilian Sendner - 20.07.2018 05:03 Uhr

Die aktuellen Umfragewerte der CSU sind auf einem historischen Tief von 38 Prozent. © Kay Nietfeld/dpa


Kilian Sendner macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er sei noch nie ein großer Fan von Seehofer gewesen, sagt der langjährige Vizechef der Rathaus-CSU und Söder-Vertraute. Doch das Verhalten von Seehofer im Asylstreit könne er überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Das grenze an Parteischädigung. "Es wäre am gescheitesten, er nähme seinen Hut", findet Sendner. "Am besten gestern", fährt er fort.

Sendner schaut sorgenvoll auf die Landtagswahlen. "Von einer absoluten Mehrheit brauchen wir gar nicht mehr reden", sagt er mit Blick auf die aktuellen Umfragewerte. Die sehen die CSU bei einem historischen Tief von 38 Prozent. Aber Sendner gibt die Hoffnung nicht auf. Wäre das "Problem Seehofer" gelöst, würde das der Partei Auftrieb geben, prognostiziert er und verleiht damit seiner Hoffnung nach einem Rücktritt Ausdruck.

Sendner befindet sich in guter Gesellschaft. 46 Prozent der CSU-Mitglieder sehen in Seehofer mittlerweile einen "Störenfried", so eine aktuelle Umfrage von Forsa. Doch nicht alle sprechen die Rücktrittsforderung so deutlich aus wie der Nürnberger Stadtrat. Manche wollen auch nicht genannt werden. "Es ist irre", was sich in der Union abspiele, sagt ein CSU-Funktionsträger. Er spricht von "Kasperletheater" und "Affenzirkus".

Tiefgreifende Differenzen

Tobias Schmidt, Vorsitzender des Vorstadtvereins Nürnberg-Nord und seit 26 Jahren bei der CSU, drückt es vorsichtiger aus. "Es macht mich betroffen, was wir als Union für ein Bild abgegeben haben."
An Seehofers Stelle würde er sich fragen, ob er das Amt noch angemessen ausüben kann, wenn es mit Regierungschefin Merkel tatsächlich so tiefgreifende Differenzen gibt, wie es den Anschein hat. "Und sollte das so sein, müsse er auch Manns genug sein und die Konsequenzen daraus ziehen."

Schmidt befürwortet den Asyl-Kurs der Kanzlerin, Antworten auf die Flüchtlingsfrage auf europäischer Ebene zu suchen. Und er wünscht sich, dass seine Partei mit demselben Eifer Fluchtursachen bekämpft und ihren Entwicklungshilfeminister unterstützt, wie sie sich anstrengt, die Grenzen zu sichern. "Dann wäre ich auch wieder lieber Parteimitglied."

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Seehofers Verdienst

Unterstützung erhält der CSU-Chef dagegen vom Vorsitzenden der CSU Nürnberg-Fürth-Schwabach, Michael Frieser. Die CSU habe in den letzten Wochen beim Thema Flüchtlinge "unglaublich viel erreicht", sagt der Bundestagsabgeordnete. Und das sei das Verdienst Seehofers. Der Ton innerhalb der Union hat aber auch Frieser nicht gefallen. Je härter die inhaltliche Auseinandersetzung sei, desto verbindlicher und wertschätzender müsse der Umgang miteinander sein, findet der Abgeordnete. "Wir haben den Streit überzogen", sagt er. Die Schuld sieht Frieser aber nicht nur bei Seehofer, sondern auch bei Kanzlerin Merkel, die lange keinen Schritt auf die CSU zugegangen sei.

Dass Seehofer eine Regierungskrise heraufbeschworen hat, kann Frieser allerdings nicht erkennen. Und dass Seehofer für seinen Satz, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Flüchtlinge abgeschoben worden seien, derart an den Pranger gestellt wird, hält Frieser fast schon für "Hexenverfolgung". Wobei auch ihm die "zu flapsige Äußerung" missfallen hat. "Wenn es um Menschen geht, verbietet sich jede Art von Hohn und Spott."

Sabine Stoll

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