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Morgen Wiedereröffnung: So bereiten sich Gärtnereien vor

Gärtnereien, Blumenläden und Gartencenter dürfen ab Montag wieder öffnen - 28.02.2021 12:23 Uhr

Andreas Pfann in einem seiner Gewächshäuser. Er ist froh, dass er seinen Blumenladen endlich wieder regulär öffnen darf.
 

27.02.2021 © Roland Fengler, NNZ


Nachdem in der vergangenen Woche angekündigt worden war, dass Gärtnereien aufmachen dürfen, laufen dort die Vorbereitungen auf Hochtouren. "Die Öffnung hätte nicht später kommen dürfen", sagen Andreas und Petra Pfann von der gleichnamigen Gärtnerei im Knoblauchsland.


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Vor ihnen reihen sich dutzende Primeln und Tulpen auf, weiter hinten blühen Mandelbäumchen, im Regal stehen die ersten Ostergestecke. Das ganze Wochenende bereiten sie ihren Laden für die Kunden vor, die ab Montag endlich wieder normal im Geschäft einkaufen können.

Supermärkte als Konkurrenz

Bis vergangenen Samstag konnten Kunden nur die Blumen abholen, die sie vorher per "Click & Collect" oder "Call & Collect", also online oder per Anruf, bestellt hatten. Spontankäufe waren nicht möglich. Für Gärtnereien ist dieses Geschäftsmodell schwierig. "Die Leute wollen die Pflanzen sehen, die sie kaufen", sagt Andreas Pfann. "Das führte zu komischen Situationen: Am Valentinstag beispielsweise standen die Kunden vorm Laden, haben reintelefoniert, um zu bestellen und sind dann zum Abholen reingekommen." Viele von ihnen hätten nicht verstehen können, warum sie in Supermärkten Blumen und Pflanzen unkompliziert mitnehmen konnten, in der Gärtnerei aber nicht. Ein Umstand, der neben den Gärtnereien auch den Floristen- und Gärtnereiverbänden sauer aufstößt, vor allem, weil sie beobachten mussten, wie sehr viele Supermärkte plötzlich ihr Pflanzen-Angebot erweiterten.

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Das zu sehen, hat auch Michaela Bär geschmerzt. Sie betreibt mit ihrem Mann eine Gärtnerei und den Blumenladen "Rogner-Bär" am Westfriedhof. Der Verlust seit der Schließung Mitte Dezember geht in den fünfstelligen Bereich, sagt sie. Jetzt dürfen sie zwar wieder öffnen, stehen aber vor neuen Herausforderungen: In ihrem Blumenladen verkauft das Paar viele Schnittblumen. Diese beziehen sie über den Großhandel. Der wiederum ordert sie an der Blumenbörse in Holland. Und dort explodieren derzeit die Preise.


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"Sie sind exorbitant in die Höhe geschossen", sagt Bär. Das liege zum einen daran, dass derzeit die Nachfrage – auch nach Ankündigung der Öffnung in Deutschland – steigt. Zum anderen haben manche Blumenzüchter die Krise nicht überlebt, sodass das Angebot geringer ist.

Preise haben sich verdreifacht

Das hat zur Folge, dass beispielsweise die Osterglocke "Dutch Master", die normalerweise zwischen 40 bis 50 Cent pro Stück kostet, nun für 1,49 Euro gehandelt wird – im Einkauf. Um etwas zu verdienen, muss der Blumenladen aber mehr verlangen. Damit steigen die Preise für die Endverbraucher so enorm, dass diese Blumen niemand mehr kauft. "Also schaue ich mich nach anderen Sorten um", sagt Michaela Bär.

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Ohne Frühlingsblumen muss niemand ihren Laden verlassen, seit Freitag richtet sie Pflanzenschalen her, rückt die Primeln, Stiefmütterchen und Ranunkeln an ihren Platz, bindet Sträuße. "Wir freuen uns auf unsere Kunden", sagt sie hoffnungsvoll. Viele Händler mussten seit Dezember ihre Rücklagen angreifen. Das ist bei Familie Bär nicht anders, auch, weil die staatlichen Hilfen noch nicht angekommen sind.

Gerade erst erwacht sind diese Blumenzwiebeln.

27.02.2021 © Roland Fengler, NNZ


Eigentlich muss der Öltank für die Heizung befüllt werden – die Jungpflanzen, die sie in ihrem Gewächshaus für den Sommer züchten, brauchen Wärme. Normalerweise finanziert sich das Öl über die Einnahmen aus dem Wintergeschäft. Doch das gab es praktisch nicht. Keine Einnahmen, kein Geld für Investitionen.

Pflanzen brauchen Zeit

Wer eine Gärtnerei hat, muss vorausschauend arbeiten. Die Pflanzen fallen nicht fertig vom Himmel. In der Gärtnerei Pfann werden viele selbst gezüchtet. "Bei vielen Pflanzen hat man einen Vorlauf von Monaten", erklärt Andreas Pfann. Die Zwiebeln für eine Amaryllis bekomme ich im August, im Oktober muss ich sie legen, damit ich sie Weihnachten verkaufen kann. "Eine Primel muss ich im August topfen, damit sie im Februar im Laden steht."

Durch diese langen Vorlaufzeiten sei es praktisch unmöglich, auf kurzfristige Entscheidungen der Politik zu reagieren. "Wir handeln mit verderblichen Gütern. Eine Jeans oder einen Pulli können Sie auch nach dem Lockdown noch verkaufen, die werden nicht schlecht, Pflanzen aber schon." Auch deswegen blieben nach Weihnachten einige Weihnachtssterne und Amaryllis übrig. Andreas Pfann ist mit Leidenschaft Gärtner. Kräuter und sämtliche Pflanzen für Balkon und Beet züchtet er selbst, darunter auch Raritäten, zum Beispiel Geraniensorten, die man heute fast nirgends mehr kaufen kann. "Die sind noch von meinem Vater und werden jedes Jahr erneut vermehrt."

Gemüsesetzlinge heiß begehrt

Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr waren sie nach der Wiedereröffnung regelrecht überrannt worden. Erde, Kräuter, Pflanzen, Samen – alles war gefragt. Auch über den Sommer machte sich bemerkbar, dass die Menschen zu Hause blieben. "Viele haben sich Hochbeete gebaut", hat Petra Pfann beobachtet. "Gemüsesetzlinge waren besonders gefragt." Nun hofft Pfann, dass es im März 2021 genauso wird. "Click & Collect" sei für sie "ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen".

Denn ein Blumengeschäft lebt auch davon, Zimmerpflanzen und Dekoartikel zu verkaufen. Und das war praktisch unmöglich. Zudem fallen Hochzeiten und Firmen-(Weihnachts)feiern weg. Nur gestorben wird zuverlässig. Grabbepflanzungen und Trauergebinde werden immer gebraucht.


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Auch in der Natur-Erlebnis-Gärtnerei der Noris-Inklusion fallen am Montag die Absperrbänder an den Regalen mit Dekoartikeln, viele davon in der eigenen Töpferei hergestellt. Die Frühblüher werden von den Beschäftigten nun in die Außenanlagen gebracht, hier ist erst ab Dienstag wieder regulär geöffnet. "Es wird höchste Zeit, dass wir wieder aufmachen dürfen, bevor die ersten Primeln schon wieder verwelken", sagt Verkaufsleiterin Angela Naefe.

Außerdem warten Bio-Kräuter aus Eigenanbau auf Käufer. Und die Frische-Kiste, gefüllt mit Gemüse, soll wieder häufiger den Weg in die Küchen Nürnbergs finden. "Es wäre nur schön, wenn wir auch endlich unser Garten-Café wieder betreiben dürften", sagt Steffi Burchert, eine der rund 80 Beschäftigten.

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