Montag, 09.12.2019

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Mountain Activity Club hilft ehemaligen Drogenabhängigen

Gemeinsames Bouldern soll dazu beitragen, dass sie dauerhaft clean bleiben - 18.10.2019 08:04 Uhr

Die Teilnehmer sind sichtlich begeistert: Einmal im Jahr reist der Mountain Activity Club, darunter sein Vorstandsvorsitzender Milan Fröhner Freisleben (ganz links), zum Bouldern nach Frankreich. © Foto: Norbert Wittmann


Der Mountain Activity Club (MAC) ist kein x-beliebiger Verein. Er wurde 2015 von Bergsportlern, Sozialarbeitern und ehemaligen Drogenkonsumenten gegründet. Sie hatten im Rahmen des Projekts "Über den Berg" der Drogenhilfe Mudra die Alpen überquert und wollten ihre Erfahrungen Menschen mit Suchtproblemen ermöglichen. Seitdem versucht der MAC, früheren Drogenabhängigen nach dem Entzug eine Alternative zum Konsum anzubieten.

Die Probleme der Betroffenen ähneln sich. Clean werden ist eine Sache, clean bleiben eine ganz andere Herausforderung. Ist die Therapie und Nachsorge durchlaufen, fehlt vielen eine Anlaufstelle – eine Gemeinschaft, in der sie offen reden können. "Es ist nicht leicht, zum Beispiel in einen Fußballverein zu gehen und zu sagen: Ich war drogenabhängig", erklärt Fröhner Freisleben, der selbst seit sieben Jahren clean ist.

Der Leistungsgedanke ist zweitrangig: Im Camp zählt vor allem die Gemeinschaft. © Foto: Norbert Wittmann


Viele fürchten, abgelehnt zu werden. Sie trauen sich weder über ihre Vergangenheit noch über aktuelle Ängste zu sprechen. Beim MAC ist das anders. "Wir unterstützen uns gegenseitig", sagt der 30-Jährige und verweist auf den "Peer"-Ansatz: Ehemalige Konsumenten, die seit Jahren clean sind, nehmen neue Mitglieder unter ihre Fittiche. Sie helfen ihnen beim Bouldern und privaten Angelegenheiten. So sind schon zahlreiche Freundschaften entstanden. Willkommen sind aber generell alle, die sich fürs Klettern interessieren.

Beim MAC steht nicht der Leistungsgedanke, sondern die Gemeinschaft im Vordergrund. Für viele, erklärt Fröhner Freisleben, ist der Verein eine Art Familienersatz. Sie haben durch ihre Drogenkarriere Geld, Angehörige und Freunde verloren – also einfach alles. Hier wird niemand auf seine Vergangenheit reduziert und verurteilt, wenn er einen Rückfall einräumt, versichert der Vorstandsvorsitzende. Im Gegenteil: Die Gruppe fängt ihn auf, wenn er dringend Unterstützung braucht.

Ein fester Bestandteil des Vereinslebens ist der "Kraftmontag" im Café Kraft. Laut Fröhner Freisleben ist der wöchentliche "Kraftmontag" in der Gebertstraße 9 für viele ein zusätzlicher Ansporn, um am Wochenende die Finger von Drogen zu lassen. Und das ist gut so. Denn im MAC gibt es nur eine einzige Regel: Die gemeinsame Zeit während der Treffen ist eine konsumfreie Zeit.

Das gute Gefühl bleibt

Das Motto "Das gute Gefühl bleibt", ist nicht nur für Fröhner Freisleben Programm. Anders als beim Drogenkonsum, dem ein heftiger Absturz folgt, hält das Hochgefühl nach dem Bouldern deutlich länger an. Hier können sich die derzeit 45 Mitglieder mit und ohne Drogenvergangenheit so richtig auspowern.

Die Hobbykletterer helfen sich nicht nur gegenseitig, sie engagieren sich auch beim Thema Suchtprävention. So berichten ehemalige Konsumenten in Schulen und anderen sozialen Einrichtungen von ihren Suchterfahrungen, um Jugendliche wie Erwachsene zu sensibilisieren.

Weil der MAC 2018 mit dem Ehrenamtspreis "Nürnberger Herz" ausgezeichnet wurde, ist er in diesem Jahr für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Norbert Wittmann ist begeistert, wie sich der gemeinnützige Verein entwickelt hat. Ihm imponiert, "wie aus einer kleinen Gruppe heraus Großes organisiert wird".

Die Abstimmung läuft

Das Vorstandsmitglied der Mudra-Drogenhilfe kennt viele Projekte, die nach anfänglicher Euphorie rasch im Sand verlaufen sind. In diesem Fall war ihm aber sofort aufgefallen, wie "extrem energiegeladen" die Truppe von Beginn an war – und es nach wie vor ist. Er ist zuversichtlich, dass das Motto "Klettern statt Drogen" auch in Zukunft Früchte trägt.

Wer beim Deutschen Engagementpreis für den Mountain Activity Club stimmen will, hat unter www.bit.ly/MAC_Vote bis zum 24. Oktober Gelegenheit. Weitere Infos gibt es unter www.mountain-activity-club.de

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