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Müllentsorgung in der Natur: Immer mehr wilde Müllkippen

Corona hat das Problem verschärft - Stadt muss die Entsorgung übernehmen - 21.01.2021 18:05 Uhr

Alter Krempel im Wald entsorgen - in Nürnberg ist das in Zeiten von Corona ein immer größeres Problem. Foto: Michael Matejka

21.01.2021


Michael Brückner ist beim Umweltamt der Stadt zuständig für wilde Müllkippen in Wald und Flur und wundert sich über dieses Phänomen. Schließlich gibt es Wertstoffhöfe und Gartenabfallsammelstellen, zudem holt die Stadt auf Anfrage einmal im Jahr den Sperrmüll ab. Trotz dieser „komfortablen und zumeist kostenlose Entsorgungsmöglichkeiten für die allermeisten Abfallarten“ komme es immer wieder vor, dass „keine Mühen gescheut werden, Abfälle bei Nacht und Nebel im Wald oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen illegal zu entsorgen“. Brückner berichtet: „Dieser Trend wurde durch Corona noch verstärkt.“

Wegen der Ausgangsbeschränkungen nutzen viele die Zeit, mal in Ruhe Wohnung, Dachboden oder Keller zu entrümpeln. Der Ansturm auf die Recyclinghöfe war groß, wegen der Pandemie waren Blockabfertigung und längere Wartezeiten angesagt. Brückner meint: „Der eine oder andere hat dann Wege gesucht, sich seiner Abfälle anderweitig zu entledigen. Durch die oftmals entlegene Lage von Müllhalden im Wald kann vermutet werden, dass die Täter für die wilde Abfallentsorgung selbst längere Strecken über Forstwege in Kauf nehmen, um das Risiko einer Entdeckung gering zu halten.“


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Und was landet so in Wald und Flur? Michael Brückner spricht zunächst von „auffälligen Entsorgungsmengen“ - also Müll, der in einen Kofferraum, einen Anhänger oder in den Laderaum eines Kleintransporters Platz findet. „Häufig handelt es sich um Gegenstände, die beim Entrümpeln oder bei Wohnungsauflösungen anfallen - Sperrmüll, Haushaltsgeräte und Altreifen bis hin zum Kühlschrank oder der Waschmaschine.“

Entsorgungskosten sparen

Der Mitarbeiter sagt: „Ein anderer Schwerpunkt sind Baustellenabfälle aller Art und Bauschutt, also Abfallarten, die im Einzelfall auch Rückschlüsse auf eine kleingewerbliche Abfallentsorgung vermuten lassen.“ So hat man 2019 in Nürnberg und in der Region vermehrt illegal im Wald entsorgte asbesthaltige Welldachplatten entdeckt. „Die unzulässige Entsorgung von asbesthaltigen Materialien ist eine Straftat, da es sich um gefährliche Abfälle handelt.“ Vermutet wird, dass die Asbestplatten von unseriösen Haustürgeschäften vermeintlicher Handwerker stammen, die Sanierungsarbeiten an Dächern anbieten. Um Kosten zu sparen, werden die asbesthaltigen Abfälle einfach illegal im Wald abgeladen.


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Für die Beseitigung der Müllkippen in der Natur ist die Stadt zuständig. Umweltsünder, die ertappt werden, müssen mit Bußgeldverfahren rechnen. Laut Brückner sind Beträge zwischen unter hundert und mehreren Tausend Euro zu zahlen. Zudem können die Entsorgungskosten in Rechnung gestellt werden. Doch auf frischer Tat wird kaum jemand ertappt, und der Müll verrät meist wenig über die Urheber. „Leider werden in den Ablagerungen nur selten Hinweise gefunden, die einen rechtssicheren Tatnachweis ermöglichen.“

Wer Müll in der Natur entdeckt, kann sich an die Polizei oder an das Umwelttelefon der Stadt unter (0911) 2312304 wenden. Zudem ist das Umweltamt unter www.nuernberg.de/internet/umweltamt per Kontaktformular zu erreichen.

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