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Mutter und Kind nicht aussteigen lassen? Wirbel in VAG-Bus

Unternehmen: Busfahrer wurde beschimpft - "Stellen uns an seine Seite" - 22.08.2019 05:30 Uhr

Derzeit gibt es Wirbel um einen Nürnberger VAG-Bus. © Klaus Schillinger


Leser Udo Meier (Name geändert) fährt seit vielen Jahren fast täglich mit der Buslinie 61. Er hat dabei nette Busfahrer kennengelernt, die ihre Fahrgäste sogar begrüßen und ihnen eine gute, staufreie Fahrt wünschen. Aber kürzlich hatte er ein Erlebnis, das ihn den Kopf schütteln ließ.

Am Busbahnhof Röthenbach beobachtete er, wie eine junge Frau mit ihrem Kind – er schätzt es auf vier oder fünf Jahre – in den Bus der Linie 61 einsteigen wollte. Der Knirps war schon drin, die Mutter stand noch draußen und nestelte an ihrer Tasche herum. Und dann passierte es: Der Bus fuhr los. Mit dem Kind, aber ohne die Mutter. "Die Frau war erschrocken, rannte aufgeregt dem Bus hinterher und klopfte gegen die Tür", schildert der Leser. Schon nach wenigen Metern stoppte der Bus wieder, er hatte nur Platz gemacht für einen nachfolgenden Bus.

Frau drückte den Halteknopf - doch nichts passierte

Es entspann sich zwischen dem Busfahrer und der aufgelösten Mutter ein Wortgefecht, das Udo Meier nicht näher mitbekam. "Kurz darauf stand der Busfahrer auf und verließ seinen Platz. Ich dachte, er will aussteigen, weil es einen Fahrerwechsel gibt", berichtet der Leser. Doch stattdessen habe sich der Buslenker zu den Fahrgästen umgedreht. "Er hat in Richtung der Mutter 'selber Vollpfosten‘ gerufen und gesagt, dass er nur ein Stück vorgefahren sei, damit der andere Bus aufrücken kann. Das habe er ihr doch erklärt.“

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Der 61er fuhr schließlich weiter. An der Haltestelle Holzheim wollte die Mutter mit ihrem Kind aussteigen. Sie drückte den Halteknopf, aber nichts passierte. Für einen anderen Fahrgast weiter vorne öffnete sich die Tür. "Die Frau hat dann zwei Mal darum gebeten, die Türe in der Mitte aufzumachen, damit sie aussteigen kann. Ich war reichlich fassungslos, als der Busfahrer darauf entgegnete: 'Ich mache die Tür nicht auf" und tatsächlich losfuhr“, berichtet Leser Meier.

Wenig später erhob sich vorne dann ein Fahrgast und zückte einen Dienstausweis der VAG. Meier: "Er sagte zu dem Busfahrer, das sei gerade Freiheitsberaubung gewesen. Er könne dieses Verhalten nicht hinnehmen und werde es melden. Er forderte den Kollegen auf, an der etwa 200 Meter entfernten Haltestelle Mühlhof zu stoppen." Mutter und Kind konnten dort aussteigen. "Die Frau war fix und fertig. Der VAG-Mitarbeiter nannte ihr noch eine Service-Nummer, bei der sie sich beschweren könne. Es hat mir sehr imponiert, dass der Mann seinem Kollegen gegenüber so deutlich Stellung bezogen hat", meint der Leser.

VAG: Fahrer entschuldigte sich bei Kundin

Auf Nachfrage der Nürnberger Nachrichten bei der VAG entschuldigt sich der Fahrer bei der Kundin und ihrem Kind dafür, dass er sie nicht an der gewünschten Haltestelle hat aussteigen lassen. "Das war nicht korrekt", so VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger. Der Fahrer sei bis dato als sehr korrekt und zuverlässig bekannt.

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"Nach seiner Schilderung hat er aber die Frau seinerseits nicht beschimpft, sondern sie lediglich gefragt, warum sie ihn so anschreit, Vollpfosten nennt – und versucht, ihr noch einmal zu erläutern, was er ihr schon durch die geschlossene Tür habe klarmachen wollen, nämlich, dass er gleich wieder halten werde“, so Seitzinger. Er sei nicht aufgestanden und habe sie nicht ins Innere des Busses verfolgt. Dies könnten zwei weitere VAG-Mitarbeiter, die dabei waren, bezeugen. Umgekehrt habe ihn die Kundin nach seiner Schilderung beim Einsteigen etwa eineinhalb Minuten lang lautstark beschimpft und ihm am Ende auch noch den Stinkefinger gezeigt. "Das war dann wohl auch der Auslöser für das Fehlverhalten seinerseits. Dies ist benannt und geklärt. Der Fahrer sieht es auch so: Er hätte sich nicht so ärgern dürfen“, erläutert die VAG-Sprecherin. Der Fahrer meinte, dass er noch nie so heftig von einem Kunden beschimpft worden ist. Dabei sei er einiges gewohnt.

VAG: Immer an der Tür einsteigen

"Das Verhalten des Fahrers war in dem Punkt Aussteigen nicht korrekt. Das haben ihm die Vorgesetzten verdeutlicht. Das sieht er auch so", fasst Elisabeth Seitzinger nochmals zusammen. "Wir stellen uns aber dennoch an die Seite des Fahrers. Wir sehen, wie andere Unternehmen und Organisationen auch, dass unsere Fahrer immer häufiger beschimpft werden und Übergriffe keine Seltenheit mehr sind." Fahrer und Mitarbeiter werden darauf vorbereitet, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen. "Wir wissen aber auch, dass es in wenigen Fällen sehr schwer ist, alles zu schlucken. Wir haben keine Beschwerde der Kundin selbst erhalten. Vielleicht, weil es ihr im Nachgang auch klargeworden ist, dass ihr Auftreten nicht korrekt war", so die Sprecherin.

Seitzinger empfiehlt, generell an der Tür ganz vorne am Bus einzusteigen. "Nur dann bekommt der Fahrer auch wirklich alles mit. Wenn Fahrgäste – wie in diesem Fall – in der Mitte einsteigen, kann er nicht mitbekommen, wenn Personen getrennt werden. Denn parallel verkauft er Fahrscheine und kontrolliert Fahrausweise.“

Leser Udo Meier bleibt dagegen bei seiner Darstellung des Vorfalles: „Ich weiß, was ich gesehen und gehört habe.“ 

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