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Nach Brückners Sex-Skandal: CSU ist angeschlagen

Bezirkschef Markus Söder will Kandidaten für Nürnberg Nord präsentieren - 09.06.2016 14:00 Uhr

Für den Wahlkreis Nürnberg-Nord muss der CSU-Kreisverband einen neuen Kandidaten finden. Michael Brückner gab nach seinem Sex-Skandal sein Landtags-Mandat auf. © Eduard Weigert


Der Schock sitzt. "Die CSU muss das erst mal verdauen", sagt Finanzminister Markus Söder im Gespräch mit der NN-Lokalredaktion. Er müsse als Bezirksvorsitzender der Partei jetzt "Seelenhilfe" geben. Mit Michael Brückners enormer "menschlicher Verfehlung" müssten alle erst mal fertig werden.

Wie Brückners Anwältin Franziska Fladerer am Mittwoch in einer Mitteilung bestätigte, hatte Brückner Geschlechtsverkehr mit einer Jugendlichen. Das Mädchen sei 16 Jahre alt gewesen. Davor habe es ein erstes Treffen zwischen dem Landwirt und der Minderjährigen gegeben, als diese noch 15 Jahre alt war.

Einen Parteiausschuss muss Brückner vorerst nicht fürchten. Durch die freiwillige Abgabe seiner Ämter sei alles geschehen, was zu tun sei, sagte CSU-Sprecher Jürgen Fischer. "Nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens werden wir die Dinge neu bewerten."

CSU sucht einen Nachfolger für Brückner

Für die CSU ist es dennoch ein herber Schlag, dass das Direktmandat, das Brückner 2013 im Nürnberger Norden errang, bis zur Landtagswahl 2018 unbesetzt bleibt. Zunächst rückt für Brückner der Ansbacher Stadtrat Andreas Schalk nach. "Nürnbergs Norden ist von der Struktur her keiner der einfachen Stimmkreise in Bayern", sagt Söder.

Markus Söder zu der Causa Brückner: "Die CSU muss das erst mal verdauen". Und anschließend einen geeigneten Kandidaten finden. © Michael Matejka


Er reicht vom Knoblauchsland über St. Johannis bis Gostenhof. Konservative Bauern hier, Migranten und Alternative dort: Im Norden verlor die CSU bereits zweimal das Direktmandat an die SPD. Als 2013 kurz vor der Wahl Söders Wunschkandidat Tobias Schmidt doch nicht antrat, stieg Brückner in den Ring. Und siegte gegen SPD-Kontrahent Arif Tasdelen.

Der macht seither in München einen guten Job. Söder hat Respekt vor dem türkischstämmigen Abgeordneten und will deshalb rasch einen neuen CSU-Kandidaten für Nürnbergs Norden präsentieren. Vertrete Tasdelen zu lange alleine die Belange des Wahlkreises in München, werde es für die CSU schwer, wieder das Direktmandat zu gewinnen.

Söder will noch vor dem Sommer eine parteiliche Vornominierung durchziehen. "Natürlich brauchen wir dafür den Konsens in der CSU, aber wir müssen auch schauen, welcher Kandidat die besten Chancen hat." Welche Eigenschaften dafür nötig sind, hat der Bezirkschef bereits festgeklopft:

Er möchte eine Frau ins Rennen schicken, "insbesondere als Alternative zu Arif Tasdelen". Sie müsse bereits ein politisches Mandat haben und über eine gewisse Bekanntheit verfügen.

Krisentreffen des CSU-Kreisverbands Nürnberg-Nord

CSU-Stadträtin Kerstin Böhm signalisiert bereits Interesse an einem politischen Wechsel nach München. © Stefan Hippel


"Unheimlicher Fleiß" steht außerdem in Söders Stellenausschreibung. Tasdelen ist als umtriebiger Wahlkämpfer bekannt, Hausbesuche und Klinkenputzen verlangt Söder auch von der CSU–Kandidatin. Außerdem müsse sie das Potenzial haben, in der Innenstadt viele Stimmen zu holen. Einen Namen wollte Söder aber noch nicht nennen.

Für Freitag hat er erst einmal eine außerordentliche Sitzung des CSU-Kreisverbands Nürnberg-Nord angesetzt. Dort wird auch Stadträtin Kerstin Böhm über einen Nachfolger für Brückner mitdiskutieren. Für sie selber komme der Kreisvorsitz nicht infrage, erklärt Böhm auf Nachfrage der Lokalredaktion. "Dafür braucht man jemanden, der die Schäfchen beisammen hält, das bin ich nicht." Böhm schließt aber nicht aus, dass sie 2018 für den Landtag kandidiert. Sie habe durchaus Interesse an einem politischen Wechsel nach München.

Dies ist nicht der einzige Skandal, der die CSU in diesen Tagen erschüttert. Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch Handwerkspräsident Schlagbauer sich von allen öffentlichen Ämtern zurückzieht. Der "Wiesn-Stadtrat" soll Drogen gekauft haben. 

Ute Möller

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