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Nach Corona: Nürnbergs Friseure bereiten sich auf Wiedereröffnung vor

In den Friseursalons wehen nun Absperrbänder - 02.05.2020 06:00 Uhr

André Neubauer (rechts) und sein Sohn Julian sperren mit Flatterband Sofa und Tischchen ab, denn in Friseursalons darf niemand mehr warten. Die Markierungen im Hintergrund stellen sicher, dass nur jeder zweite Stuhl besetzt wird und der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.

30.04.2020 © Foto: R oland Fengler


André Neubauer und sein Sohn Julian haben Absperrband in den Händen, sie knoten und kleben, stellen Desinfektionsmittel auf, die Atemmasken liegen bereit, an den Eingang soll noch ein Stoppschild kommen. Ihr gemeinsamer Salon "Missimo" im Stadtteil Großreuth h. d. Veste gleicht einem Tatort. Der Täter: das Coronavirus. Die Opfer: der Friseurbesuch, wie ihn die Kunden kennen; der Arbeitsalltag, wie ihn die Friseure gewohnt waren.

Auf Blätter haben die Neubauers ausgedruckt, was ab dem 4. Mai in ihrem Salon und in jedem Friseurbetrieb in Bayern gilt. Maskenpflicht für alle, Begleitpersonen nicht erlaubt, Betretungsverbot für Menschen mit Erkältungssymptomen, und: "Reduzieren Sie die Kommunikation nur auf das Nötigste". Kaffee darf nicht mehr serviert werden, Zeitschriften nicht mehr ausliegen. Friseure, auf der ganzen Welt bewunderte Meister des Smalltalks, tragen in der Corona-Pandemie einen Maulkorb aus Filtergewebe. Es menschelt nicht mehr beim Friseur, es geht nun ganz nüchtern betrachtet um das Abschneiden der Hornfäden, die aus der Kopfhaut wachsen.

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Peu à peu lockert die bayerische Staatsregierung die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Am Montag geht es mit Friseuren und Gottesdiensten weiter. Was die Menschen nun wissen müssen.


Dennoch sehnen sich die Menschen danach. "Wir sind für die ersten zwei Wochen dicht", sagt Friseurmeister André Neubauer. Telefonisch und online häufen sich die Reservierungsanfragen. Neubauer und seine vier Angestellten fragen sich, wie körperlich fordernd der Arbeitstag sein wird, wenn immer eine Atemmaske im Gesicht sitzt und um den Körper ein schwitziger Plastikittel. "Uns ist alles egal, Hauptsache wir können wieder aufmachen nach der langen Zeit."

Sein Sohn Julian, zuständig für das Geschäftliche, kalkuliert mit monatlich rund zehn Kunden weniger, "es gibt keine Laufkundschaft mehr, man kann niemanden mehr reinschieben." Denn ohne Termin darf kein Salon in Bayern mehr betreten werden. Dazu kommen Ausgaben für die verpflichtenden Hygiene-Vorkehrungen. "Wir erhöhen unsere Preise deswegen um etwa zehn Prozent", sagt der 22-Jährige.

Viele Betriebe erhöhen die Preise

"Das machen fast alle", bestätigt Hazel Ahamer. Sie und ihr Mann haben das Kassen- und Terminsystem "Studiolution" für die Beautybranche entwickelt, ihr Unternehmen sitzt in Nürnberg und verkauft das System im deutschsprachigen Raum. Seit vergangener Woche sind den Friseuren die neuen Auflagen bekannt, daraufhin startete Ahamer mit der Kampagne "Schönmachmarathon": ein Werbemotiv mit Mops, wählbaren Schriftzügen und in vielen Farben, für jeden kostenlos auf ihrer Homepage herunterladbar. "Das kommt super an", sagt Ahamer.

Werbung haben die Friseure derzeit wirklich nicht nötig, doch unter dem Mopskopf stehen, nett formuliert, die strengen Neuerungen, an die sich ab Montag alle zu halten haben. So, hoffen die Friseure wohl, müssen sie nicht selbst alles erklären.

In ihrem kleinen Salon hat Laura Häckl eine Spendenbox aufgebaut. Für sich. In die können Kunden Geld werfen, wenn sie den wochenlangen Verdienstausfall ihrer Friseurin etwas mildern möchten. Die 36-jährige Häckl ist eine Einzelkämpferin, sie steht alleine in ihrem Salon "Birds" in der Nähe des Rosenauparks und hatte sowieso nur einen Kunden nach dem anderen. "Für mich ändert sich nicht viel, außer, dass ich noch mehr putzen muss als sonst."

Derzeit macht die Friseurmeisterin ihren Salon wieder flott, sie wischt Staub, desinfiziert Bürsten und Scheren. Außerdem hat sie Desinfektionsmittel-Spender aufgehängt und 100 Einmalumhänge aus kompostierbarem Maismehl gekauft. Die nächsten zwei Wochen wird sie elf Stunden täglich waschen, schneiden, färben, um die dringendsten Anfragen abzuarbeiten. Freie Termine gibt es wieder ab Juni. Die vorgeschriebene Schutzmaske hat Laura Häckl probeweise über längere Zeit aufgesetzt. "Ich kriege schlecht Luft, es ist fast schon behindernd. Keine Ahnung, wie das wird."


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Ngoc Nguyen

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