Montag, 18.01.2021

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Nach Gänse-Abschuss: Mahnwache am Wöhrder See

Tierschützer wollen keine weiteren Schüsse auf Vögel - 22.09.2018 17:52 Uhr

Engagierte Tierschützer machten am Samstagnachmittag ihrem Unmut über den Abschuss der Gänse am Wöhrder See Luft.

22.09.2018 © Michael Matejka


Es ist ein eigentümliches Bild, das sich den Spaziergängern am Wöhrder See bietet. Gut 50 Menschen stehen in neongelben Westen nebeneinander aufgereiht am Ufer der Norikusbucht. Viele von ihnen halten Schilder in der Hand. "Rettet die Gänse" steht da zum Beispiel. Aus einem Lautsprecher ertönt ruhige, melancholische Musik, wie man sie von Beerdigungen kennt. Am 18. August haben Jäger im Auftrag der Stadt Nürnberg hier acht Wildgänse erschossen. Eine der Gänse wurde nicht sauber getroffen und war erst nach längerem Leiden verendet. Die Tierschützer treibt das noch immer um. 

"Ich verstehe nicht, dass der Abschuss als Option überhaupt in Erwägung gezogen wurde", sagt Katharina Emrich. Sie ist im Vorstand des Vereins "Menschen für Tierrechte Nürnberg", der die Mahnwache organisiert hat. Die 26-Jährige wirbt für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Tieren am Wöhrder See. Schließlich seien die Gänse zuerst da gewesen. "Als die Norikusbucht gebaut wurde, waren die Flächen am Wasser lange gesperrt. Da haben sich die Tiere dann eben angesiedelt." Erst danach sei der Mensch gekommen.

Andere Städte machen es besser  

Viele Besucher des Wöhrder Sees störten sich an den Gänsen und ihren Hinterlassenschaften. Schließlich beschloss die Stadt, einige Tiere abschießen zu lassen - in der Hoffnung auch die verbliebenen Tiere so dauerhaft zu vergrämen. "Man sieht ja, es funktioniert nicht", findet Emrich und zeigt auf eine Schar von knapp hundert Gänsen, die wenige Meter von den Tierschützern entfernt am Ufer steht. Außerdem wirft sie der Stadt vor, die Meinung der Bevölkerung ignoriert zu haben: "Es haben 21.000 Leute die Petition gegen den Abschuss unterschrieben, aber der Stadt war das egal. Ich dachte, wir leben in einer Demokratie." 

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Elisabeth Mederer pflichtet ihrer jungen Mitstreiterin bei. Die 76-Jährige ist ebenfalls im Verein "Menschen für Tierrechte Nürnberg" engagiert. "Mich wundert auch, dass der Stadt das Problem erst so spät aufgefallen ist", gibt sie zu bedenken. Eigentlich, findet sie, hätte man sich schon deutlich früher Gedanken darüber machen können, wie man mit den Gänsen umgeht. Andere Städte könnten hier Vorbild sein. "In Heidelberg tauscht die Stadt Gänseeier gegen Attrappen aus", berichtet Mederer. Das funktioniere gut und halte die Population auf einem tragbaren Niveau. 

"Proteste werden weitergehen" 

Die beiden Tierschützerinnen fordern die Stadt auf, statt erneut auf Gänse schießen zu lassen, andere Maßnahmen zu ergreifen. "Ein konsequentes Fütterungsverbot hilft zum Beispiel. Aber das muss auch kontrolliert werden und es dauert etwas, bis die Tiere ihr Verhalten ändern", sagt Katharina Emrich. Außerdem seien mehr Grasflächen für die Gänse sinnvoll. "Die Stadt sollte sich auch mal erkundigen, wie andere Städte mit dem Problem umgehen", meint Elisabeth Mederer.

 

Plötzlich fangen die Tierschützer an zu klatschen. Ihr Applaus gilt Hubert Brüggen. Der ältere Herr läuft mit Greifzange, Handschuhen und Mülleimer am Ufer des Sees entlang und sammelt den Gänsekot auf. Die Tierschützer schätzen seine ehrenamtliche Arbeit, zeigt sie doch, dass das Problem auch ohne Schüsse zu lösen sein könnte. "Es wäre schön, wenn sich noch mehr Leute engagieren würden und den Kot entfernen", sagt Brüggen. An zwei bis drei Tagen pro Woche ist der Rentner am Wöhrder See unterwegs. "Wenn die Stadt den Kot entfernen ließe, gäbe es keinen Grund mehr, Gänse abzuschießen", findet er.

Das sehen auch die Tierschützer so. Von den üblen Anfeindungen gegen Bürgermeister Christian Vogel distanziert sich der Verein aber ausdrücklich. "Deutlich ihre Meinung sagen sollen die Leute aber schon", sagt Katharina Emrich. Für sie ist die Angelegenheit noch nicht beendet: "Solange die Stadt weitere Abschüsse in Erwägung zieht, geht auch der Protest weiter." 

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Dominik Mayer Nürnberger Zeitung E-Mail

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