Nach Hanau: Wie fränkische Sportschützen Waffen sichern

4.3.2020, 05:27 Uhr
Auch Sportschützen müssen ihre Waffen daheim in einem tresorähnlichen Waffenschrank vor unbefugtem Zugriff schützen.

Auch Sportschützen müssen ihre Waffen daheim in einem tresorähnlichen Waffenschrank vor unbefugtem Zugriff schützen. © Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

Viele von ihnen müssen sich trotzdem aktuell in ihrem Bekanntenkreis rechtfertigen, berichtet Alexander Heidel, der Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenbundes. Doch die erneute Diskussion um Waffen und den Schützensport gehe an der Sache vorbei, unterstreicht Heidel. Bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau handele es sich "um eine rechtsextremistische Person mit rassistischem Gedankengut". Die Tatsache, dass der 43-Jährige eben auch Sportschütze gewesen sei, sei aber nicht ursächlich für sein Verhalten, so Heidel.

Überhaupt muss ein angehender Sportschütze einen langen Weg zurücklegen, bevor er eine Waffenbesitzkarte (WBK) erhält – und damit die Berechtigung, bestimmte Waffen zu erwerben und zu führen. Das fängt bei dem Nachweis an, dass er oder sie bereits eine längere Zeit einem Sportschützen-Verein angehört und sämtliche Schießprüfungen abgelegt hat, die für den jeweiligen Waffentyp verpflichtend sind. Und das endet längst nicht mit der Überprüfung durch die zuständige Waffenbehörde – in Nürnberg ist dies das Ordnungsamt –, die auch die persönliche Eignung eines WBK-Aspiranten unter die Lupe nimmt.

Spezielle Sicherheitsschränke im Haus

Wer schließlich eine oder mehrere Sportwaffen erwerben darf, muss diese in einem speziellen Sicherheitsschrank – getrennt von der Munition – zu Hause einschließen. Dessen Sicherheitsstufe hängt von der Art und der Anzahl der Waffen ab, die man so aufbewahrt, und ob es sich um ein dauerhaft bewohntes Gebäude handelt, berichtet Robert Pollack, stellvertretender Leiter des Nürnberger Ordnungsamtes. Die Ordnungsbehörde kann jederzeit unangemeldete Kontrollen durchführen.


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Etwa 3815 legale Waffenbesitzer sind dem Ordnungsamt derzeit im Stadtgebiet bekannt, davon 1682 Sportschützen. Deren Zuverlässigkeit "überprüfen wir alle drei Jahre", so Pollack. Im Jahr 2019 traf es 2840 Bürger. Zur Waffenaufbewahrung führte die Behörde 2019 genau 706 Kontrollen durch. In rund zehn Prozent der Fälle stießen die Kontrolleure auf "Mängel unterschiedlicher Schwere".

Verband mit über zwei Millionen Mitgliedern

Der Bayerische Sportschützenbund tut noch sein Übriges. Gemeinsam mit dem bayerischen Innenministerium und der beim bayerischen Verfassungsschutz angesiedelten Informationsstelle gegen Rechtsextremismus hat der Verband eine Broschüre mit Hilfestellungen für Schützenvereine im Freistaat erarbeitet. Da werden zum Beispiel typische Kleidungsmarken, Musikgruppen oder Symbole thematisiert, die in der rechtsextremistischen Szene beliebt bzw. verbreitet sind. Ziel ist es, Verantwortliche in den Vereinen bei dem Bemühen zu unterstützen, schwarze Schafe leichter zu erkennen.

Zudem ist der Schützenbund Mitglied der Bürgerallianz Bayern, einem Zusammenschluss von 24 Traditionsverbänden im Freistaat mit nach eigenen Angaben rund 2,2 Millionen Mitgliedern. Diese Mitgliedsverbände haben im Juli vergangenen Jahres eine Erklärung gegen Antisemitismus unterzeichnet.

Zentraler Waffenschrank wäre wenig zielführend

Bei allem Bemühen um mehr Sicherheit bewerten die Sportschützen eine Zentralisierung der Waffenaufbewahrung, wie sie aktuell in Teilen der Politik diskutiert wird, als wenig zielführend. Eine Zentralisierung etwa im Vereinsheim eines Schützenvereins würde einen riesigen Sicherheitsaufwand voraussetzen, gibt Verbands-Geschäftsführer Heidel zu bedenken. Denn bei mehreren Hundert Waffen, die hier zusammenkämen, müssten Großtresore angeschafft oder sogar Waffenräume mit ganz erheblichem Bauaufwand hergestellt werden. Das aber sei für die Vereine "finanziell nicht abbildbar".

Zudem liegen die Vereinsheime der Schützenvereine häufig in Ortsrandlage – zum Beispiel auch das der Privilegierten Hauptschützen-Gesellschaft Nürnberg (HSG Nürnberg), gibt Heidel zu bedenken. Ein nächtlicher Einbruch bliebe also sehr wahrscheinlich unbemerkt. Dem Täter fielen dann aber mit einem Schlag mehrere Hundert scharfe Waffen in die Hände – ein ungleich höheres Sicherheitsrisiko, sagt Heidel, als eine kleine Zahl von Sportwaffen im heimischen Waffenschrank.