Samstag, 29.02.2020

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Nach Protest gegen Rechts: Hass im Netz gegen 14-jährigen Nürnberger

Beleidigungen schlagen dem Jugendlichen entgegen - 19.02.2020 10:09 Uhr

Anfang Oktober hat es den 14-Jährigen auf die Straße getrieben, weil in seinen Augen viel zu wenig gegen Vorurteile, Mobbing und Gewalt an Schulen getan wird. Er meldete im Oktober 2019 beim städtischen Ordnungsamt eine kleine Kundgebung zu diesem Thema vor der Lorenzkirche an und lud OB-Kandidaten ein. "Ich kann da nicht zusehen, wenn Kinder von anderen gemobbt werden, weil sie zum Beispiel schwächer sind", sagt der junge Nürnberger. Er lud Politiker ein. Und es kamen tatsächlich welche: Vertreter von der Partei "Die Partei", den Piraten, den Grünen, SPD und CSU, allen voran die beiden OB-Kandidaten Thorsten Brehm (SPD) und Marcus König (CSU).


+++ So gehen wir mit Hasskommentaren im Netz um! +++


Kurz nach der Wahl in Thüringen schlug sein politisches Herz noch höher: Er wollte seinen Unmut über die Wahl von Thomas Kemmerich loswerden. Er rief in Nürnberg zum Protest auf, da der FDP-Mann mit Stimmen der AfD und der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Der Schüler meldete abermals eine Demo im Ordnungsamt an. Diesmal gegen den Rechtsruck in Thüringen. "Das Versammlungsrecht sieht keine Altersbeschränkung vor", sagt Robert Pollack, stellvertretender Leiter im Ordnungsamt, auf Anfrage.

Übelst beschimpft und massiv angefeindet

Am Freitag, 7. Februar, war es so weit. Vor dem FDP-Haus am Hallplatz kam die Kundgebung in Gang, auf der auch Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, sprach. Doch kurz darauf wurde der Schüler Zielscheibe von Hasskommentaren. Im Netz hat man ihn übelst beschimpft und massiv angefeindet. "Den Arsch versohlen und in den Keller sperren!"; "Kleiner Affe", "Genau solche Bettnässer braucht das Land" oder "Abwarten, die Ausländer werden ihm irgendwann seine Dummheit ausprügeln" [sic] – das sind die eher harmlosen Sprüche.

 

 

 

"Ich lasse mir das nicht gefallen", sagt der 14-Jährige. Unterstützung hat ihm bereits das Jugendamt und die Allianz gegen Rechtsextremismus zugesagt. "Diese Hetze und dieser Hass gegen einen 14-Jährigen erschüttern mich. Selbst bei Minderjährigen gibt es keine Grenzen", sagt Stephan Doll auf Anfrage. Die Allianz habe dem Jungen einen Rechtsanwalt vermittelt, ein Termin steht für Montag schon fest. Doll: "Er wird auch von seinen Eltern dabei unterstützt. Die stehen voll hinter ihm."

Das Geld für den Rechtsbeistand wird aus dem Fonds genommen, der nach dem Anschlag gegen das Haus und das Auto von Allianz-Mitbegründer Michael Helmbrecht eingerichtet wurde.

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