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Nach Volksfest-Absage: Schausteller-Chef ist "besorgt und erleichtert"

Lorenz Kalb muss nach der Absage viele Fragen klären - 21.03.2020 05:55 Uhr

Lorenz Kalb ist Schausteller in der fünften Generation, seine Töchter und Enkel sind ebenfalls auf Volksfesten aktiv. © Foto Roland Fengler


Herr Kalb, wie fühlen Sie sich nach der Absage des Volksfests?

Ich bin besorgt, aber zugleich ein wenig erleichtert. Die Unsicherheit, ob das Fest stattfindet, ist vorbei. Die Gesundheit der Besucher steht bei uns ganz oben. Daher haben wir mit der Stadt diesen Beschluss getroffen. Es war eine ungewohnte Situation: Statt uns im Schaustellerbüro zu treffen, haben wir im Freien ein Zelt aufgebaut und bei windigem Wetter in dicken Winterjacken getagt. Aber bei etwa 25 Teilnehmern war die Vorsorge schon nötig. Besorgt bin ich, weil es bei manchen Schaustellern um die blanke Existenz geht.

Können Sie den Verdienstausfall für das Volksfest insgesamt ungefähr beziffern?

Nein, das ist ist jetzt noch nicht möglich. Da kommt so viel Unterschiedliches zusammen, das müssen wir erst zusammentragen. Auf jeden Fall ist es ein Rieseneinschnitt für alle 170 Betriebe, gar keine Frage. Und es bleibt ja voraussichtlich nicht bei dieser einzigen Absage, das wird leider auch Folgeveranstaltungen treffen.

Und die Stimmung bei Ihren Kollegen?

Wir Schausteller rücken näher zusammen, wir sind ein starkes Gewerbe. In unserer Facebook-Gruppe haben Kollegen gemeinsam gesungen: 'Das Karussell dreht sich weiter' und 'Wir kommen wieder'. Wir geben nicht auf, das gehört zu unserer Mentalität. Aber für jeden stellen sich auch existenzielle Fragen: Gibt es Kurzarbeitergeld, bekommen unsere Saisonarbeiter Entschädigung, wie ist die Lage bei den Festangestellten? Da ist noch eine ganze Menge unklar.



Wie sieht es für Ihren Stand aus?

Ich hatte sechs polnischen Saisonarbeitern eine mündliche Zusage gegeben. Die warten jetzt darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Nach der jüngsten Entwicklung muss ich das selbst erst abklären. Schließlich habe ich eine moralische Verantwortung für meine Leute.

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Viele Betriebe hatten sich schon auf den geplanten Volksfest intensiv vorbereitet. Wie hart trifft es sie?

Viele haben die Wintermonate genutzt, um ihre Geschäfte auf Vordermann zu bringen. Sie haben gestrichen und lackiert, die Lkw sollten ihre Tüv-Abnahme bekommen. Und schließlich: Für alle ist es das erste Geld seit den Weihnachtsmärkten. So mancher kommt mit seinen Finanzen gerade noch so bis Karfreitag hin, am Ostersamstag wäre dann die Saison 2020 los gegangen. Jetzt muss jeder Betrieb schauen, wie er mit der Situation klarkommt. Denn so viel ist klar: Niemand weiß, wie es weitergeht.



Hatten Sie Alternativ-Planungen?

Ja, wir wollten das Volksfest auf den 1. bis 17. Mai verschieben. Darauf hatte unser Festwirt gehofft. Ich hatte auch schon Fahrgeschäften und Budenbetreiber angefragt, doch das ist jetzt überflüssig geworden. Auch wenn die momentanen Einschränkungen bis 19. April befristet sind, so glaube ich, dass sie darüber hinaus bestehen bleiben. Die Corona-Krise ist dann nicht vorbei.

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