Nachfrage der Nürnberger nach Waffen stark gestiegen

6.4.2016, 17:03 Uhr
Bürger rüsten auf: Immer mehr Nürnberger beantragen den Kleinen Waffenschein.

Bürger rüsten auf: Immer mehr Nürnberger beantragen den Kleinen Waffenschein. © Foto: dpa

Ulrich Blaschke kann es sich nicht erklären. Der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion wundert sich, dass in einer der "sichersten Großstädte Deutschlands" immer mehr Menschen den Drang verspüren, eine Schreckschuss-, Reizgas- oder Signalwaffe in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen. "Es gibt aber keine allgemeine bedrohliche Situation, bei der man die Verteidigung selbst in die Hand nehmen müsste", sagt der Rechtsanwalt.

Auf Anfrage bestätigt das städtische Ordnungsamt den ungebremsten Trend. 675 Kleine Waffenscheine sind seit dem 1. Januar 2016 bis einschließlich 1. April  genehmigt worden. Solche Schusswaffen sind zwar frei käuflich. Den Schein benötigt der Besitzer aber, wenn er die Waffe in der Öffentlichkeit bei sich tragen will. Nutzen darf er sie nur im Notfall.

Doch Waffen am Körper bedeuten nicht mehr Sicherheit für den Träger, ist sich Blaschke sicher. "Im Gegenteil." Eine Waffe könne in einer brenzligen Situation zur Eskalation führen, weil sich etwa der Gegner dadurch massiv bedroht fühle.

Für den Ernstfall gerüstet

Seit Anfang des Jahres fragen Sachbearbeiter im Ordnungsamt die Interessenten, warum sie den Kleinen Waffenschein beantragen. Niemand muss darauf Antwort geben, die meisten nennen auf freiwilliger Basis dennoch ihre Motive. "Es ist ein Gefühl der allgemeinen Verunsicherung", erklärt Robert Pollack, stellvertretender Amtsleiter. "Dabei nehmen die Antragsteller in den seltensten Fällen auf Flüchtlinge Bezug." Der Großteil gibt an, sich mit einer Waffe am Körper sicherer zu fühlen. "Einige sagen auch, dass es in der Nachbarschaft einen Vorfall gegeben habe und man für den Ernstfall gerüstet sein wolle."

Auffallend: Mehr Männer als Frauen beantragen den Schein. Im gesamten vergangenen Jahr haben 161 Interessenten in Nürnberg die Genehmigung erhalten, darunter 123 Männer und 38 Frauen. Laut Blaschke sei das allerdings verwunderlich: Werden doch die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln immer wieder mal als Grund für die wachsende Nachfrage angegeben. "Die Opfer aber sind nur Frauen gewesen."

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