Neue Forschung: Woran starb Albrecht Dürer wirklich?

13.3.2021, 06:00 Uhr
Das Selbstporträt Albrecht Dürers hängt in der Alten Pinakothek in München.

Das Selbstporträt Albrecht Dürers hängt in der Alten Pinakothek in München. © Hartmut Voigt

Es ist nur eine kurze Notiz des Nürnberger Ratskonsulenten Christoph Scheurl. Er war ein langjähriger Freund Albrecht Dürers. Scheurl hatte vor, die wichtigsten Ereignisse seiner Zeit aus ganz Europa zu sammeln und fasste sein Wissen in einer "Zeitgeschichte" zusammen.


Wie Albrecht Dürer das Nürnberger Umland in Szene setzte


In wenigen Sätzen berichtet er auch über das Ende des großartigen Nürnberger Malers. Fuchs, emeritierter Professor für Mittelalterliche Geschichte, hat die Notiz in der Scheurlschen Bibliothek aufgespürt. Albrecht Dürer sei am 2. April 1525 an der "Pleuresis" erkrankt und vier Tage später gestorben. "Pleuresis" oder "Pleuritis" wird gewöhnlich mit Rippenfell- oder Brustfellentzündung übersetzt, teilt Fuchs mit: Der kurze akute Verlauf könnte auf eine Lungenentzündung hindeuten.

Hinweise aus Dürers Reisetagebuch

Bislang hielt es die Dürer-Forschung für wahrscheinlich, dass sich Nürnbergs bedeutendster Maler bei einer Reise in die Niederlande 1520/1 mit Malaria infiziert hatte und Jahre später daran verstorben ist. Zumal der Meister in seinem Reisetagebuch von Kopfschmerzen und Fieber schrieb.

Allerdings muss auch Professor Fuchs mit Blick auf seinen Fund in Scheurls Notizen einräumen: "Eine sichere Kenntnis der Toderursache ist freilich hierdurch nicht erreicht." Nun könnte man fragen: Was soll's? Dürer ist so oder so seit fast 500 Jahren tot. Ob Dürers Frau Agnes dafür verantwortlich ist, wie sein Freund und Humanist Willibald Pirckheimer in einem Brief behauptet hat oder ob er an den Folgen einer Leberzirrhose gestorben ist, wie ein Historiker annimmt - wen kümmert das heute noch?

"Ein hoch spektakulärer Fund"

Doch, das hat Bedeutung, sehr große sogar, meint Thomas Eser, Leiter der städtischen Museen und damit auch des Albrecht-Dürer-Hauses: "Es klingt nach einer Kleinigkeit, für die Dürer-Forschung ist es aber ein hoch spektakulärer Fund", erklärt der Kunsthistoriker.


Nicht nur Albrecht Dürer ist für seine Selbstbildnisse berühmt


Bislang seien Wissenschaftler von einer längeren Erkrankung Dürers ausgegangen, die schließlich zum Tod geführt habe. Er sei - so die These - dadurch grüblerisch und melancholisch geworden, was auch in seinem Spätwerk zum Ausdruck komme.

Doch keine melancholische Lebensbilanz?

Doch was ist, wenn er gar nicht längerfristig leidend war, sondern nach einer kurzen, heftigen Erkrankung gestorben ist? Kommt dann die These von den späten Arbeiten, in denen sich eine melancholische Bilanz seines Lebens widerspiegelt, nicht stark ins Wanken? Eser findet, dass der Aufsatz von Professor Fuchs viel interessanten Gesprächsstoff bietet.

Neben diesem Beitrag finden sich in dem 107. Band der "Mitteilungen" etliche weitere interessante Publikationen. So geht es unter anderem um ein verbotenes Liebesverhältnis zwischen einer Nürnberger Nonne und einem Abt im 16. Jahrhundert.

"Liebesbriefe teils obszönen Gehalts"

Autor Stefan Abel hat "vier Liebesbriefe teils obszönen Gehalts" analysiert, in denen Intimität, Sehnsucht und Verlangen gleichermaßen zum Ausdruck kommen, wie der Wissenschaftler findet. Die Briefe sind erhalten, weil sie als Beweismittel in einem Prozess gegen die beiden Geistlichen verwendet wurden.

Das Buch des Geschichtsvereins beschäftigt sich außerdem mit dem bekannten steinernen Ochsen von der Fleischbrücke. Wer über die Pegnitz Richtung Hauptmarkt geht, kann die lebensgroße Tiergestalt auf dem Renaissance-Torbogen kaum übersehen. Autor Werner Taegert holt weit aus - bis in die griechisch-römische Antike.

Ochse von der Fleischbrücke

Er schildert die Skulptur als typischen ungarischen Grauochsen. Die Huftiere wurden seit dem Mittelalter bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts in riesigen Trecks von der ungarischen Tiefebene nach Mitteleuropa getrieben. Hier wurden sie geschlachtet und ihr Fleisch verkauft - beispielsweise am Fleischhaus neben dem Torbogen.


Insgesamt zwölf Aufsätze enthalten die 107. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Das fast 600 Seiten umfassende Werk kann im Stadtarchiv in der Norishalle für 54 Euro erworben werden.

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