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Neue Sporthallen für Nürnberg: Stadt arbeitet an Lösungen

Sportbürgermeister Klemens Gsell: Signale aus München seien positiv - 02.04.2019 05:50 Uhr

Unter freiem Himmel können sich die Skater – wie hier am Spittlertorgraben – austoben. Aber im Winter fehlt es ihnen an Möglichkeiten. Die SPD plädiert deshalb für eine Trendsporthalle. © Sportfoto Zink / ThHa


Eissport erfreut sich zunehmender Beliebtheit, in der Arena wird es eng. Einen Standort für eine neue Halle hat die Verwaltung schon ausgemacht: eine Brachfläche an der Tiroler Straße im südlichen Stadtgebiet. Sportbürgermeister Klemens Gsell ist, was konkrete zeitliche Prognosen angeht, vorsichtig. Aber so viel kann er schon sagen: Es wird bereits an Details gearbeitet.

Das Areal in der Nähe des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hält einige Herausforderungen bereit. "Wir bauen dort nicht auf der grünen Wiese", sagt Gsell. Unter anderem befinden sich Brunnenschächte auf dem Gelände, die aus der Zeit stammen, in der die US-Armee das Areal nutzte. Dafür sei aber schon eine Lösung gefunden. Für die Verwaltung gehe es nun darum, den Vertrag aufzusetzen. Partner der Stadt ist das Bauunternehmen Max Bögl aus der Oberpfalz, das auch die Arena errichtet hat und betreibt.

 

Und schließlich braucht auch der Ballsport mehr Platz. Es fehlt eine Halle, die 3000 Zuschauer fassen kann. Als Standort ist seit geraumer Zeit die Arena im Gespräch. Möglich wäre nämlich, die kleinere Halle dort aufzustocken. "Allerdings ist die Frage der Höhe noch nicht geklärt. Derzeit ist sie auf Eishockey ausgelegt, aber dort soll auch Basketball oder Volleyball gespielt werden." Bürgermeister Gsell ist optimistisch, dass sich eine Lösung finden wird. Das Dach soll die historische Sichtachse von der Zeppelintribüne zur Großen Straße nicht unterbrechen. "Der Standort ist auf jeden Fall attraktiv. Durch die Arena ist alles da, die nötige Infrastruktur ist vorhanden und es gibt genügend Parkplätze."

Stadt wächst den Sportstätten davon

Momentan spielt sich der Ballsport wie berichtet im Eventpalast am Flughafen ab, dort haben die Basketballer, die Falcons, eine Heimat gefunden, nachdem die Halle des Berufsbildungszentrums (BBZ) am Berliner Platz wegen dringenden Sanierungsbedarfs geschlossen werden musste. Auch Schulsport findet im Eventpalast statt.

Nasser Ahmed, der sportpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, hat Skateboarden, BMX, Slackline oder Parkour im Blick. © Foto: Roland Fengler


"Die Stadt wächst, aber die Sportstätten nicht", sagt Michael Kolb, der stellvertretende Dienststellenleiter des städtischen Sportservice in der Sitzung der Sportkommission. "Wir brauchen einen Sportstättenentwicklungsplan und werden in diesem Jahr daran arbeiten." Es fehlen, fügt er hinzu, die Flächen.

Das neue Velodrom als Ersatz für die Rennbahn am Reichelsdorfer Keller soll in Langwasser an der Oelser Straße gebaut werden. In Sachen Finanzierung war Sportbürgermeister Klemens Gsell kürzlich in München vorstellig. Die Signale von dort seien positiv. Eine Entscheidung des Bundes ziehe sich aber noch hin. "Es sind in allen Bereichen dicke Bretter zu bohren."

Die SPD macht sich derweil auch für eine Trendsporthalle stark. Denn vor allem im Winter fehle es an Freizeitmöglichkeiten für junge Leute. Skateboarden, BMX, Slackline oder Parkour hat Nasser Ahmed, der sportpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, im Blick. "Trendsport ist nicht nur Sport, sondern auch Jugendkultur", findet der 30-Jährige, der in seiner Freizeit selbst begeistert Fußball spielt. "Zum Beispiel die BMX-Szene ist in Nürnberg ziemlich aktiv. Aber ihr fehlt im Winter eine Bleibe." Er fordert einen runden Tisch, der ein "realistisches Konzept" für eine Trendsporthalle erarbeitet. "Sie gehört zu einer Großstadt."

Nicht gleich als unbezahlbar abtun

Ahmed verweist auf das "Ingolstädter Modell": Dort wird ein Jugendsportzentrum vom Stadtjugendring betrieben, das alles bietet, was derzeit bei jungen Leuten angesagt ist: Slackline, Bouldern, Parkour, Akrobatik. Was die Finanzierung angeht, findet der Sozialdemokrat: "Sie hängt vom Konzept ab. Wir sollen das Thema aber nicht gleich als nicht finanzierbar abtun." Eine Halle für Skater und Co. könne er sich zum Beispiel im Süden an der Brunecker Straße vorstellen, wo ein Wohngebiet und die neue Universität entstehen werden. "Im Outdoorbereich haben wir schon einiges geschaffen. Aber ansonsten besteht Nachholbedarf."

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Was Ahmed ebenfalls beschäftigt, ist die Frage, wie die Stadt dem Spitzen- und dem Breitensport gleichermaßen gerecht werden kann. Natürlich gebe es in einer Großstadt Sportler, die mehr erreichen wollen, sagt er. "Das ist gut für die Stadt. Aber man darf den Spitzensport nicht gegen den Breitensport ausspielen. Das Gesamtpaket muss stimmen." Auch wenn es richtig sei, den Spitzensport zu fördern, der Schwerpunkt müsse auf dem Breitensport liegen. "Die Vereine leisten hier vor Ort sehr gute Arbeit."

Zur Unterstützung der Vereine stehen im städtischen Haushalt für dieses Jahr 2,9 Millionen Euro zur Verfügung. In der Summe für die Sportförderung enthalten ist auch der Investitionszuschuss für Vereine, die eigene Sportanlagen betreiben und diese auch in Schuss halten müssen. Der Zuschuss beträgt 1,1 Millionen Euro und ist doppelt so hoch wie noch im Jahr 2018. Damals lag er bei rund 570.000 Euro.

Ehrenamt: eine große Errungenschaft

"Damit haben wir einen Riesendurchbruch erzielt", sagt Ahmed. "Das sind Zuschüsse, die direkt auf den Konten der Vereine landen. Jetzt müssen sie nicht mehr so lange auf ihr Geld warten." Dieser Effekt wirke sich auf den Breitensport nachhaltig positiv aus. "Wir dürfen nicht vergessen, wie wichtig der Sport für unsere Gesellschaft ist. Das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen ist eine große Errungenschaft."

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Gabi Eisenack

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