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Neue Zahlen zeigen: Wohnen in Nürnberg wird noch teurer

Steigerung stärker als bei Lebenshaltungskosten - "Schere geht auseinander" - 03.07.2020 05:15 Uhr

Bauen hilft: Die wbg hat zum Beispiel in Sündersbühl diese frei finanzierten und geförderten Wohnungen gebaut und dafür den Deutschen Bauherrenpreis gewonnen.

© Foto: Matthias Fleischmann/WBG


Im Schnitt müssen Mieter in Nürnberg bei Neuvermietungen mittlerweile 8,54 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen. Das sind sieben Prozent mehr als vor zwei Jahren. "Die Mieten steigen stärker als die Lebenshaltungskosten. Die Schere geht weiter auseinander", sagt Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) mit Blick auf den neuen Mietspiegel.


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Wer sich die Mieten seit dem Jahr 2000 anschaut, sieht nur einen Trend: Die Kurve zeigt kontinuierlich nach oben. Vor zwei Jahren lag die Durchschnittsmiete noch bei 7,98 Euro je Quadratmeter, jetzt bewegt sie sich bei 8,54 Euro. Immerhin sei die Steigerung nicht mehr ganz so stark wie vor der Erhebung des letzten Mietspiegels, so Fraas.

Besonders kleine Wohnungen betroffen

Am stärksten zogen die Preise in den vergangenen beiden Jahren bei sehr kleinen Wohnungen bis 30 Quadratmeter an – und zwar um circa 13 Prozent. Hier müssen Bewohner über 13 Euro pro Quadratmeter berappen. Bei dieser Kategorie von Wohnungen ist auch das obere Ende der für den Mietspiegel ermittelten Preisskala zu finden: Im teuersten Fall werden 19,61 Euro pro Quadratmeter im Apartment aufgerufen.

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Solche Mini-Wohnungen werden von Studenten bewohnt, aber auch von Wochenend-Pendlern, die in Nürnberg arbeiten, deren Familien aber anderswo leben. Oder aber von Menschen, die sich beruflich verändern, in Nürnberg neu starten und darauf angewiesen sind, schnell eine Bleibe zu finden. Einen weiteren Grund für den überdurchschnittlichen Preisanstieg bei kleinen und kleinsten Wohnungen sieht Fraas in der Vereinzelung der Gesellschaft: Immer mehr Menschen leben allein.

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Am geringsten stiegen die Mieten für Wohnungen, die 60 bis 80 Quadratmeter groß sind. Hier müssen Mieterinnen und Mieter etwa zwei bis fünf Prozent mehr zahlen.


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Blickt man auf das Alter der Wohnungen, fallen gegenläufige Entwicklungen auf: Drastische Preissteigerungen mit bis zu 18 Prozent gibt es bei Neubau-Wohnungen, die 2017 oder später fertig wurden. Bei Altbau-Wohnungen bis Baujahr 1976 ließen die Mieten dagegen nach – und zwar um vier bis sieben Prozent. Das seien deutlichere Abschläge als noch vor zwei Jahren, erläutert Britta Walther, Leiterin des Stabs Wohnen bei der Stadt.

"Es ist eine hohe Nachfrage da"

Am günstigsten sind einfach ausgestattete, zwischen 1919 und 1948 erbaute Zwei- oder Dreizimmerwohnungen mit 60 bis 80 Quadratmetern. Hier zahlen Mieterinnen und Mieter weniger als 6,70 Euro pro Quadratmeter.

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Ist ein Ende der Preissteigerungen in Sicht? Wirtschaftsreferent Fraas geht nicht davon aus. "Ich glaube nicht, dass es in zwei Jahren niedriger sein wird." Die Stadt wachse weiter, "es ist eine hohe Nachfrage da".

Mehr Sozialwohnungen

Den Neubau von Wohnungen hält er deshalb für dringend geboten, so sehen es auch die Parteien im Stadtrat. Die Stadt will zum Beispiel mit einem Sonderprogramm rund 1700 Wohnungen, davon rund 800 als geförderte Wohnungen, auf eigenen Flächen im Stadtgebiet schaffen.

Die Mieten müssten aber auch bezahlbar sein, so Fraas weiter. "Daher werden wir den geförderten Wohnungsbau bei Neubauprojekten so weit wie möglich umsetzen, sei es im Rahmen der Vergabe städtischer Grundstücke oder bei der Anwendung der bereits bestehenden Quotenregelungen." Derzeit gilt, dass bei Neubauten ab einer Größe von 30 Wohnungen 30 Prozent als geförderter Wohnungsbau, also als Sozialwohnungen, realisiert werden müssen. Diese bleiben – je nach Höhe der staatlichen Förderung – für 25 oder 40 Jahre Sozialwohnungen.

Aktuell gibt es rund 297.000 Wohnungen in Nürnberg. Etwa 70 Prozent werden von Mieterinnen und Mietern bewohnt, die anderen von den Eigentümern selbst. Rund 18.000 Wohnungen sind sozial gebunden.

Der Mietspiegel wird den Stadträten am 9. Juli im Stadtplanungsausschuss vorgestellt. Er erscheint alle zwei Jahre und spiegelt die Mieten wider, die in den letzten vier Jahren neu vereinbart oder geändert wurden. Die Basis liefert eine repräsentative Haushaltsbefragung durch das Statistikamt. Laut Mitarbeiterin Dorothea Deinlein flossen die Daten aus rund 2600 Haushalten ein. Ausgenommen sind geförderte oder gewerblich genutzte Wohnungen sowie Werkswohnungen.

InfoAb 1. August ist der Mietspiegel unter anderem beim Stab Wohnen, Marienstraße 6, Zimmer 318, bei den Bürgerämtern sowie bei der Bürger-Info am Hauptmarkt 18 zu einem Preis von drei Euro erhältlich – oder unter www.wohnen.nuernberg.de

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