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Neuer Raum für die Kunst

Erweiterungsbau der Akademie fügt sich gut in Altbestand ein - 11.02.2013 07:35 Uhr

Am 15. April beginnt der Lehrbetrieb im Erweiterungsbau der Nürnberger Kunstakademie, der für rund zehn Millionen Euro entsteht.

08.02.2013 © Harald Sippel


Die Hochschule im Grünen wächst: Seit rund zwei Jahren wird gebaut, im März ziehen die Studenten und Professoren in den knapp zehn Millionen Euro teuren Neubau, der am 25. April offiziell eingeweiht wird. Dann ist endlich Schluss mit der zeitraubenden und teuren Pendelei der Kunstpädagogik-Studenten zwischen der Zentrale in Nürnberg und der Außenstelle in Lauf. „Da blieb vieles im wahrsten Sinne auf der Strecke“, sagt Jochen Flinzer, der eine der beiden Klassen leitet, die nun Umzugskisten packen.

Für den nach Plänen von Rainer Hascher entworfenen eingeschossigen Bau mit einer Nutzfläche von 1750 Quadratmetern hat Flinzer viel Lob: „Gelungen und elegant“, urteilt er. Man muss ihm recht geben: Der flache Riegel fügt sich zwar mächtig, aber gut in das bestehende Pavillon-Ensemble ein und greift dessen Formensprache auf. Dass sie robuster und längst nicht so grazil wie bei Sep Ruf wirkt, hat sicherlich mit den heutigen Anforderungen an Wärmedämmung und Klimaschutz zu tun. Ruf hatte die Pavillons in den 50er Jahren entworfen, 1988 wurden sie — als erste Nachkriegsarchitektur in Süddeutschland — unter Denkmalschutz gestellt.

Für Rainer Hascher, der mit seinem Berliner Architekturbüro den Wettbewerb für den Neubau gewonnen hatte, ist Rufs Vermächtnis aber eindeutig Lust, nicht Last: „Bei den Bauten Rufs ist nichts zu viel, sie sind schnörkellos und auf das Wesentliche reduziert. Hier glänzen die Proportionen“, schwärmt der Baumeister, der erstmals in Nürnberg tätig ist. Die Ruf’schen Bauten, da ist er sicher, sind zeitlos — ganz im Gegensatz zu den neuesten Strömungen mit „verkrümmten Formen“ wie man sie etwa von Zaha Hadid kennt. „Das wird sich nicht bewähren“, urteilt Hascher, der unter anderem das Kunstmuseum in Stuttgart und das Portalhaus West der Messe Frankfurt gebaut hat. Kritisch sieht er auch die Bauten Helmut Jahns. „Es gibt nur wenig Bauten von ihm, die große Klasse sind.“ Große Wertschätzung hat er dagegen für den Kollegen Volker Staab: „Das Neue Museum, das er entworfen hat, ist ein wirklich guter Bau.“ Noch bis zum 24. Februar läuft übrigens in Staabs Museum die Ausstellung von Helmut Jahn, jetzt auch mit verlängerten Öffnungszeiten.

Aber zurück zur Baustelle in Zabo: Der Neubau verändert das Gesicht der Hochschule, schafft ihr einen repräsentativen Haupteingang, öffnet sie mit der neuen Caféteria zum öffentlichen Raum, bietet einen großen Malsaal, Bilderlager und einen Multifunktionsraum mit Bühne. Der schicke Neubau offenbart aber auch, in welch schlechtem Zustand die Ruf-Bauten sind. Sie müssen dringend saniert werden. Kostenpunkt: Über 20 Millionen Euro. Da ist der Freistaat — gerade im Wahljahr — gefragt.

 

BIRGIT RUF

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