Neues Schutzgebiet: Wie geht es weiter im Pegnitztal?

27.12.2018, 05:40 Uhr
Ein Idyll mit Tieren und alten Bäumen, das bewahrt werden soll: Seit Jahrzehnten weidet im Pegnitztal Ost, das jetzt zum Naturschutzgebiet ernannt wurde, eine Schafherde.

Ein Idyll mit Tieren und alten Bäumen, das bewahrt werden soll: Seit Jahrzehnten weidet im Pegnitztal Ost, das jetzt zum Naturschutzgebiet ernannt wurde, eine Schafherde. © Archivf.:Horst Linke

Das Thema Naturschutzgebiet tauchte erstmals im Jahr 2009 auf. Mit der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung, die im Januar 2015 im Gemeindesaal St. Jobst über die Bühne ging, entbrannte eine heftige und andauernde Diskussion. Jetzt ist Nürnbergs neues Naturschutzgebiet "Pegnitztal Ost" beschlossene Sache, auch wenn die entsprechenden Schilder noch nicht ausgetauscht wurden.

Umweltreferent Peter Pluschke freut sich über das "Weihnachtsgeschenk" von der Regierung von Mittelfranken. "Diese Verordnung ermöglicht uns, den Naturraum zu bewahren und hilft vielleicht auch, einiges zurückzuholen, was verloren gegangen ist", fährt er fort und spielt dabei insbesondere auf die Bodenbrüter an.

Noch nicht ausgetauscht: die Landschaftsschutzgebiet-Tafeln.

Noch nicht ausgetauscht: die Landschaftsschutzgebiet-Tafeln. © F.: Hippel

Und so präsentiert die Stadt an Ostern als eine Art Eröffnung des neuen Naturschutzgebietes die Informationstafeln und Flyer vor Ort. Überlegungen, wie der mediale Auftritt gestaltet wird, laufen. Zuvor — wohl Ende Februar, Anfang März — lädt die Stadt die involvierten Vereine und Verbände zum runden Tisch; sie setzt auch bei der Umsetzung des Vorhabens auf Zusammenarbeit. Pluschke spricht dabei von einem "sehr behutsamen Vorgehen" und ergänzt: "Es wird keine Aktionen losgelöst vom Kommunikationsprozess mit den Beteiligten geben." Auch sitzen Vertreter der Bürgervereine von den angrenzenden Stadtteilen mit am Tisch.

Rasante Radler als Problem

Annette Gröschner, Vorsitzende des Bürgervereins Jobst-Erlenstegen, steht den Entwicklungen positiv gegenüber. "Die allermeisten Mitglieder freuen sich über die Ausweisung zum Naturschutzgebiet. Der Bürgerverein Jobst-Erlenstegen hatte immer klargemacht, dass er die stadtnahe Idylle erhalten wissen will, aber auch die Nutzungsmöglichkeiten durch Ruhesuchende und spielende Kinder. Wir sehen in der Entscheidung beides vereint." Und ergänzt mit Blick auf das geplante Wegenetz: "Froh sind wir auch, dass viele schmale Pfade abseits der großen Wege nutzbar bleiben, um so beim Spazierengehen Erholung zu finden.

Kritisch sehen wir nach wie vor den zunehmenden schnellen Radverkehr und hoffen auf Beruhigung durch Ergebnisse des runden Tisches. Gern werden wir auch hier mitwirken." Sie persönlich freue sich besonders "über die Erhaltung des von mir gewünschten Pfades am Südufer der Pegnitz unterhalb der Kalbsgartananlage und über die Begehbarkeit der Streuobstwiese im Laufamholzer Gebiet — und darüber, dass die Schafe bleiben".

"Kein Ersatz für Betreten der Pegnitzwiesen" 

Kritische Töne kommen nach wie vor aus Mögeldorf. Bei Wolfgang Köhler, Vorsitzender des dortigen Bürger- und Geschichtsvereins, stieß das Vorhaben von Anfang an auf wenig Gegenliebe: "Auch nach Erlass der Verordnung eines Naturschutzgebietes im Pegnitztal Ost bleibt der Bürger- und Geschichtsverein Mögeldorf bei seiner Haltung, dass auf der Gemarkung Mögeldorf ein Naturschutzgebiet für die Pegnitzwiesen abzulehnen ist." Die bisherige Unterschutzstellung durch das Landschaftsschutzgebiet sei ausreichend, meint er. "Nachdem unstrittig ist, dass es auf der Gemarkung Mögeldorf keine Bodenbrüter gibt, sind die Einschränkungen für Familien in Form eines Betretungsverbotes abzulehnen. Ein Wegekonzept stellt keinen Ersatz für das Betreten der Pegnitzwiesen dar."

Walter Geißler, Vorsitzender des Vorstadtvereins Laufamholz (VNL), zum Thema: "Von Anfang an waren viele Laufamholzer Bürger gegen das Naturschutzgebiet. Die meisten Einwände wurden von Hundebesitzern geäußert. Für unsere vierbeinigen Begleiter besteht nun eine Leinenpflicht vom 1. März bis 30. September. Viele wussten aber nicht, dass es auch vor der Unterschutzstellung in dieser Zeit eine Leinenpflicht existierte. Es gibt für Hunde zwei Freilaufflächen, welche auch sehr frequentiert sind."

Und: "Was immer wieder angesprochen wird, dass sich Radfahrer und Fußgänger die befestigten Wege teilen müssen.Hier kommt es oft zu Konfrontationen. Eventuell kann an dieser Stelle noch nachgebessert beziehungsweise an gegenseitige Rücksicht appelliert werden." Geißler betont: "Der VNL ist der festen Auffassung, dass die Unterschutzstellung des Pegnitztals Ost für den Erhalt der Biodiversitäten und für das Wasserschutzgebiet wichtig ist. Nicht nur wegen des Klimawandels stellt dies auch eine nachhaltige Maßnahme für unsere Kinder und Kindeskinder dar."

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