Samstag, 14.12.2019

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NN-Forum: So gelingen in Nürnberg gute Plätze

Friedrich-Ebert-Platz, Tiergärtnertor, Plärrer und Co. - 14.11.2019 18:13 Uhr

Der Brunnenhof in Langwasser ist zwar kein schöner Platz, dafür eine passende Kulisse: NN-Redakteurinnen Claudine Stauber (l.) und Ute Möller (r.) sprachen mit den Architekten Franz Hirschmann und Susanne Klug und Baureferent Daniel Ulrich (von l.). © Foto: Michael Matejka


Kopenhagen, Wien, Paris, New York, Barcelona – von Städten in aller Herren Länder ist an diesem Abend die Rede. Was sie alle gemeinsam haben? Ihre lebenswerten Plätze. Oder zumindest den Versuch, von Autos dominierte Orte in der Stadt neu zu denken und den Menschen zurückzugeben. Ein Beispiel ist der Times Square in New York: Schon vor zehn Jahren wurden hier Teile der Straße verkehrsberuhigt, statt hupender Taxen sind seitdem Fußgänger unterwegs.

Auch Nürnberg braucht urbanen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität – der zum Verweilen statt Abhetzen einlädt, Begegnungen fördert oder einfach nur die Möglichkeit bietet, sich aufzuhalten, ohne dass man etwas konsumieren muss. Doch warum wirken viele Plätze in Nürnberg stattdessen so, als seien sie gar nicht für den Menschen gemacht?

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Gemütlich, grün, ruhig, attraktiv - so sollen Plätze in der Großstadt sein. Doch oft, wenn ein neuer Platz fertig ist, herrscht Katerstimmung. Wir haben die Negativ-Beispiele aus Nürnberg gesammelt.


Mit dieser Frage ist man gleich mittendrin im Thema des NN-Forums "Kann Nürnberg keine Plätze?". Im voll besetzten Orpheum diskutierten Nürnbergs Bau- und Planungsreferent Daniel Ulrich, der Nürnberger Landschaftsarchitekt Franz Hirschmann und Susanne Klug, Architektin vom Verein BauLust mit den NN-Lokalredakteurinnen Ute Möller und Claudine Stauber darüber, was eigentlich einen guten Platz ausmacht – und warum die manchmal gar nicht so leicht umzusetzen sind.

Bei aller Kritik, die Nürnberg in diesem Zusammenhang oft einstecken muss, ist ein mustergültiges Beispiel für einen gelungenen Platz schnell gefunden: die kopfsteingepflasterte Fläche vor dem Tiergärtnertor. Fälschlicherweise oft als Albrecht-Dürer-Platz oder nach der dazugehörigen Gastronomie einfach "Beim Wanderer" bezeichnet, erfreut sich dieser Platz vor allem im Sommer größter Beliebtheit. Kein Wunder, meint Architektin Susanne Klug: das historische Flair, die Strukturen und Blickachsen, das Gefälle in Richtung Stadt – das alles gebe dem Platz eine "sehr gute Aufenthaltsqualität".

Der Name "Platz" erweckt Erwartungen

Doch die Liste der Negativbeispiele ist lang: der Mögeldorfer Plärrer, wo inzwischen auch der letzte Baum eingegangen ist, die 2000 Quadratmeter Trostlosigkeit des Richard-Wagner-Platzes, Verkehrsknotenpunkte wie der Plärrer, der Bahnhofsplatz und der Friedrich-Ebert-Platz. Besonders über letzteren wird an diesem Abend viel gesprochen. Dabei darf man darüber streiten, ob die Bezeichnung überhaupt passend ist. "Irgendjemand hat diesem Ort mal den unsäglichen Namen ,Platz‘ gegeben und damit Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen kann", sagt Baureferent Daniel Ulrich.

Architektin Klug, die bei der Planung mit im Baukunstrat saß, bemängelt, dass nicht von vorneherein alle Planer mit am Tisch saßen. Wie der Baureferent erwidert, habe man daraus gelernt. Heute werde nicht mehr zuerst die Infrastruktur und dann die Begrünung geplant, sondern genau umgekehrt. "Der Paradigmenwechsel hat längst stattgefunden und manifestiert sich in Baggern und Kränen", sagt Ulrich.

Dass beim Thema Plätze letztlich sehr viel mehr entscheidend ist als die richtige Anzahl an Bäumen und Bänken, zeigt sich an diesem Abend deutlich. Letztlich geht es um die Frage, wem der öffentliche Raum gehören soll – und wie er dafür gestaltet werden muss. Haben Autofahrer ein Recht darauf, ihre Fahrzeuge weiterhin in der Altstadt zu parken, weil der Baureferent, wie er sagt, mehr wütende Briefe bekommt, wenn er mehr Platz für Fußgänger schaffen will, als solche, die sich für eine Mobilitätswende aussprechen?

Ob und wie visionär Nürnberg in Sachen urbanem Raum ist, darüber wird man sich auf dem Podium nicht einig. Fest steht am Ende des Abends jedoch: "Der öffentliche Raum ist das Wohnzimmer der Gesellschaft", wie es Landschaftsarchitekt Hirschmann formuliert. In einer zunehmend individualisierten Bevölkerung mit immer mehr Single-Haushalten, der zudem eine Klimakrise ins Haus steht, gewinnt der öffentliche Raum immer mehr an Bedeutung. Es ist deshalb sowohl Aufgabe der Politik, diesen für alle zu gestalten, als auch der Bürger, sich für ihn einzusetzen.

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