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NN und NZ: Zwei Schwestern bieten Vielfalt

Warum die beiden Zeitungen vereint und doch unterschiedlich sind - 07.10.2020 08:55 Uhr

Die Nürnberger Nachrichten und die Nürnberger Zeitung sind vereint - und doch unterschiedlich.

© Foto: Klaus Lehnberger


Er war einer der ersten seiner Art in Deutschland und sicherte der NZ das Überleben. Technische Transformationen und die Notwendigkeit sich zu ändern, sind keine neuen Erfindungen. Die kleinere Zeitung schlüpfte deshalb gerne unter das gemeinsame Dach: Die NZ hätte die anstehenden teuren technologischen Neuerungen finanziell nicht stemmen können und bei der NN verbesserte sich die Auslastung von Maschinen und technischem Personal.

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Mit unfreundlichen Grüßen: NN-Leserpost aus der Hölle

Die NN ist ein "Käseblatt", Journalisten sind "Mörder" und "Opfer", geschrieben wird "Totalschwachsinn" und "Propagandascheiß": Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch in der täglichen Leserpost und in den Mails an die Redaktion wird kräftig ausgeteilt. Die schönsten, gemeinsten und skurrilsten Zuschriften haben wir in einer Bildergalerie des Hasses zusammengetragen.


Für den Zeitungsleser hatte es den Vorteil, dass es in den vergangenen Jahrzehnten zu keinem Meinungsmonopol wie in anderen Gebieten Deutschlands gekommen ist. Er konnte unter verschiedenen Zeitungen auswählen: Eine kleinere Auflage bedeutet ja nicht, dass Kommentare, Berichte, Analysen oder Einordnungen schlechter sind. Sie sind anders. NN und NZ waren vor allem im Meinungsbereich immer Konkurrenten. Das war gelebte Vielfalt unter Schwestern.


Die Geschichte der Nürnberger Nachrichten


André Fischer ist neben Stephan Sohr einer der beiden NZ-Chefredakteure. Seit 30 Jahren arbeitet er Seite an Seite, getrennt durch eine Stahltür, mit den Kollegen von der NN respektvoll zusammen. Seine Leidenschaft gehört der Stadtentwicklung.

© Foto: Michael Matejka


Im Oktober haben nicht nur die NN 75. Geburtstag (lesen Sie hier die komplette Jubiläumsausgabe) Am 1. Oktober 1804 erschien der Urahn der Nürnberger Zeitung: Der "Fränkische Kreiscorrespondent von und für Deutschland". Nürnberger Bürger hatten sich zusammengetan und eine Zeitung gegründet. Es war die Zeit der Napoleonischen Wirren. Gesicherte Informationen waren damals nur schwer zu bekommen. Sie waren aber begehrt. Der Kreiskorrespondent baute ein Netz von Korrespondenten in den europäischen Hauptstädten auf, die ihre Berichte nach Nürnberg schickten und dort abgedruckt wurden. In der ersten, vier Seiten umfassenden Ausgabe, ging man der spannenden Frage nach, ob der Papst zur Kaiserkrönung Napoleons nach Paris reisen würde. Er nahm tatsächlich die beschwerliche Reise auf sich. Napoleon nutzte es allerdings nichts.

Der Kreiscorrespondent hatte ein redaktionelles Statut, das heute noch beeindruckt: Es sollte über Fakten geschrieben werden und die Nachrichten durften nicht subjektiv zurechtgestutzt werden. Auf der Basis eines seriösen Berichts sollte der Leser in die Lage versetzt werden, sich selber eine Meinung zu bilden. Das war wegweisend. Doch der technologische Wandel geht weiter und stellt die Verlage vor immer neue Herausforderungen. Vor wenigen Tagen ist die Zentralredaktion von NN und NZ an den Start gegangen. Die Zusammenarbeit ist noch enger. Die Meinungsvielfalt und die unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzung von Nürnberger Zeitung und Nürnberger Nachrichten sollen dabei aber nicht auf der Strecke bleiben. Dafür sorgen profilbildende Autorinnen und Autoren auf beiden Seiten, aber auch die Zentralredaktion selbst. Es geht weiter, aber anders.

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In den Archiven der Nürnberger Nachrichten befinden sich zahlreiche Schätze, Einblicke in längst vergangene Zeiten - natürlich auch zur Firmengeschichte der NN. Wir haben die schönsten Aufnahmen zur Geschichte des Verlags Nürnberger Presse zusammengestellt.


Die Zusammenarbeit macht es möglich, dass mit einer starken Redaktion sowohl in der gedruckten Zeitung als auch im Internet mehr denn je lokal-regionaler Qualitätsjournalismus mit unterschiedlicher Akzentuierung geboten wird. Die Digitalisierung und damit die Möglichkeit, jederzeit und überall sich Informationen holen zu können, hat Folgen für die Verlage und bietet den Lesern neue Möglichkeiten.


Marek Minolta und die Opferpfalz


1804 war das eine nicht vorstellbare Zukunft. Am Bedürfnis, solide Nachrichten über das Weltgeschehen zu bekommen statt Fake News, die es auch damals schon gab, hat sich aber nichts geändert. Verändert hat sich aber die Einstellung: Während unsere Vorfahren vor allem am Weltgeschehen interessiert waren, hat das Leserinteresse an regionalen und lokalen Ereignissen deutlich zugenommen. So schließt sich der Kreis. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

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